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Für Christa Vietor werden beim Füttern der Hennen Kindheitserinnerungen wach.
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Für Christa Vietor werden beim Füttern der Hennen Kindheitserinnerungen wach.

Schwalbach

Schwalbach: Hühner im Seniorenheim

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Fünf Hennen sind zurzeit zu Gast in der Evim Seniorenresidenz am Europaring. Die Aktion „Rent a Huhn“ des Seligenstädter Landwirts Michael Lüft ist für die Heimbewohnerinnen und -bewohner eine willkommene Abwechslung in Zeiten von Corona.

Das weiße Huhn hat es Christa Vietor angetan. „Put, put, put, komm Else, komm“, lockt die alte Dame und hält der Henne Löwenzahnblätter vor den Schnabel. Else lässt sich nicht lange bitten. Resolut rupft sie Christa Vietor das frische Grün aus der Hand. Die 80-Jährige stahlt. „Das sind Kindheitserinnerungen für mich“, sagt sie. In ihrer Heimat Ostpreußen habe der Hausherr den ganzen Garten voller Hühner gehabt. „Noch vor der Schule bin ich mit einem Eimerchen hin und hab die Hühner gefüttert. Nach der Schule bin ich wieder vorbei.“

Christa Vietor lebt in der Evim -Seniorenresidenz am Schwalbacher Europaring. Von ihrem Zimmer aus kann sie die kleine Hühnerschar sehen, die nach Aufhebung der Stallpflicht seit Anfang der Woche im Garten des Altenheimes untergebracht ist. Ein 25 Quadratmeter großes Gehege ist mit Maschendrahtzaun im Rasen abgesteckt. Fünf Hennen picken dort eifrig im Gras, gackern, laufen zwischen den Gänseblümchen hin und her und finden die Kamera des FR-Fotografen, der zu ihnen ins Gehege geklettert ist, höchst interessant.

Christa Vietor hat sich von einer Pflegekraft mit ihrem Rollstuhl in den Garten bringen lassen, um die Hennen aus der Nähe zu beobachten. Jeden Tag mache sie das erzählt sie. „Das macht Spaß, und es ist ein bisschen Abwechslung. Ich werde die Hühner vermissen, wenn sie wieder ausziehen.“

Noch ist es aber nicht so weit. Bis Anfang Juni werden die fünf Hennen in der Seniorenresidenz zu Gast sein. „Wir holen uns schon seit fünf Jahren jeweils im Frühjahr und im Herbst Hühner in den Garten“, erzählt Heimleiter Viktor Derr. Der Seligenstädter Landwirt Michael Lüft vermietet die Tiere. „Rent a Huhn“ nennt er die Aktion, liefert Körnerfutter, Zaun und Stall und überlässt die Betreuung und Pflege der Tiere jenen, die die Hühner auf Zeit zu sich holen.

„Bei uns kümmert sich vor allem das Personal darum, dass die Hühner richtig gefüttert werden, frisches Wasser in ihrem Auslauf haben und abends in den Stall kommen“, erzählt die Pflegedienstleiterin der Schwalbacher Seniorenresidenz, Katja Hofmann. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Altenheimes beobachten die Tiere gerne, nehmen sie auch mal auf den Arm, streicheln sie. Oder sie füttern die Hennen und lassen sich eigens Löwenzahnblätter oder Salat von ihren Angehörigen mitbringen, um ihnen einen besonderen Leckerbissen anzubieten.

In den Wochen, in denen Else und die anderen Hühner zu Gast sind, gibt es täglich frisch Bio-Eier in der Seniorenresidenz. Aus Hygieneschutzgründen dürfen sie erst nach ein paar Tagen verwendet werden, wenn sie „geruht“ haben, erklärt Katja Hofmann. Auf einem Faltblatt habe Bauer Lüft alle wichtigen Informationen zusammengefasst, die man für die Hühnerhaltung wissen müsse. Für das Personal sei das keine Belastung. „Im Gegenteil – alle lieben die Hennen, freuen sich, wenn sie wieder da sind. Und dass wir sie sogar während der Pandemie ins Haus holen können.“

Aus der Nähe betrachten können die Hühner nur jene Bewohnerinnen und Bewohner, die in den Garten kommen. Ihre Mund-Nasen-Schutzmaske können sie dann ablegen und sich frei bewegen. „Bei vielen werden Erinnerungen an früher wach, einige haben selbst Hühner gehalten. Es ist schön zu sehen, wie die Menschen sich an den Tieren freuen“, sagt Viktor Derr.

Ohnehin sei die Evim-Seniorenresidenz ein tierfreundliches Haus. Hunde und Katzen habe man vor der Corona-Pandemie regelmäßig zu Gast gehabt, einmal sogar Alpakas. Anders als die Hennen wurden die Alpakas in die Zimmer geführt. „Auch Menschen, die im Bett liegen und nicht mobil sind, konnten die Tiere damals streicheln“, erinnert sich Viktor Derr.

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