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Die Traditionsgaststätte „Mutter Krauss“ in Schwalbach hat eine lange Tradition als Ausflugslokal mit hessischer Küche.

Gastronomie

Traditionsgaststätte „Mutter Krauss“ wird verkauft

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Das Traditionslokal „Mutter Krauss“ in Alt-Schwalbach ist zurzeit geschlossen. Doch es gibt Interessenten, die das Anwesen kaufen und Restaurant und Hotel weiterführen wollen. Bis Ende Oktober läuft das Bieterverfahren.

Die Summe von 1,9 Millionen Euro ist als Kaufpreis für das Traditionslokal mit Hotel „Mutter Krauss“ in der Immobilienanzeige im Internet genannt. Noch bis Ende Oktober laufe das Bieterverfahren für das unter Ensembleschutz stehende Anwesen in der Schwalbacher Altstadt, sagte Markus Schmidt von der MSI-Immobiliengruppe der Frankfurter Rundschau. Im Jahre 2002 sei das historische Ensemble saniert und um verschiedene Neubauten erweitert worden. Schmidt ist zuversichtlich, dass der Verkauf bis Ende des Jahres abgeschlossen ist. Es lägen mehrere Angebote von Investoren aus dem regionalen Umfeld vor, die das Potenzial der Immobilie einschätzen könnten und Restaurant und Hotel weiterführen wollten, berichtete er.

Historie

Bereits im Jahr 1668 ist auf einem alten Schwalbacher Ortsplan an der Stelle, an der heute die „Mutter Krauss“ steht, ein Wirtshaus eingezeichnet. Es trug den Namen „Zum Hirschen“.

Die Straße , an der es stand, war die Reichsstraße, die von Regensburg kommend über Würzburg und Frankfurt nach Köln und Antwerpen führte.

Das Gebäudeensemble des heutigen Gasthofes mit Hotel stammt aus unterschiedlichen Epochen. Ältester Teil ist das denkmalgeschützte Torbogenhaus, das im Besitz der Stadt Schwalbach ist.

Bekannt machte das Ausflugslokal in der Region unter anderem der selbst gekelterte Schwalbacher Äppelwoi, den schon Fürst Bismarck geschätzt haben soll. aro

Die MSI-Immobiliengruppe arbeitet als Makler im Auftrag der Erbengemeinschaft, die die „Mutter Krauss“ nach dem Tod des langjährigen Betreibers Marco Vogel nicht selbst weiterführen will. Bereits Ende Juni dieses Jahres wurde ein Insolvenzverfahren über die bisherige Betreibergesellschaft eröffnet. Seit Ende September sind Restaurant und Hotelbetrieb geschlossen. Auf der Homepage wird ein „auslaufender Pachtvertrag“ als Grund genannt.

Über Jahrzehnte hinweg war die Gaststätte in der Schwalbacher Hauptstraße ein beliebtes Ausflugslokal mit traditioneller, gutbürgerlicher Küche. Aus Frankfurt und der Rhein-Main-Region kamen die Gäste, um in der historischen Gaststube mit den dunklen Fachwerkbalken oder im Biergarten unter großen alten Bäumen zu sitzen. Zuletzt standen Schnitzel, Tafelspitz und Grillhaxe auf der Karte, Handkäs’ mit Musik, Grüne Soße, Elsässer Flammkuchen und Apfelstrudel.

Nach dem Corona-Lockdown im Frühjahr war der Restaurantbetrieb im Sommer nach und nach wieder hochgefahren worden. Erstmals wurden auch Cocktails und Longdrinks kredenzt. Zum Champions-League-Finale zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Bayern München wurde ein eigenes Fußballmenü kreiert, ehe das Team der „Mutter Krauss“ kurz darauf auf Facebook mitteilte: „Wir haben gekämpft, aber leider verloren, so dass wir unseren Betrieb ab Montag, den 28. September 2020, einstellen müssen.“

Schwalbachs Bürgermeister Alexander Immisch (SPD) bedauert das. Er hofft darauf, dass die Traditionsgaststätte eine Zukunft hat. Die „Mutter Krauss“ sei ein Stück Schwalbach und neben dem Forsthaus, dem historischen Rathaus und der Genussbotschaft einer der prägenden gastronomischen Betriebe in der Altstadt, sagte er der FR. Das denkmalgeschützte Torbogenhaus, das Teil des Gebäudeensembles ist und das der Stadt gehört, sei so etwas wie das Wahrzeichen Schwalbachs. „Es ist mir wichtig, dass an dieser historischen Stelle weiterhin ein Restaurant mit Hotel betrieben wird“, stellte Immisch klar. „Ich kann mir nichts anderes vorstellen.“

Auch die CDU hält die „Mutter Krauss“ für ein „identitätstiftendes Stück Schwalbach mit einer Anziehungskraft weit über unsere Stadtgrenzen hinaus“. Diese Tradition gelte es zu bewahren, teilte Parteichef Axel Fink mit. Da die Stadt das aufwendig sanierte Torbogenhaus mit der historischen Kutscherstube besitze, habe sie ein Mitspracherecht hinsichtlich der weiteren Nutzung von Hotel und Gaststätte und könne auch in städtebaulicher Hinsicht Einfluss nehmen, finden die Christdemokraten.

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