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Gerd Müller-Droste (links) und Modjieb Jamali wollen 100 Kalendergecshichten zu Corona zusammenbekommen.

Schwalbach

Schwalbach: Buch- und Theaterprojekt zu Corona

Der Theaterlehrer Gerd Müller-Droste und der Schwalbacher Verein Jamali Diversity Culture sammeln Alltagsgeschichten aus der Zeit der Virus-Pandemie. Jeder, der Lust zum Schreiben hat, kann mitmachen.

Viele Jahre lang hat Gerd Müller-Droste als Theaterlehrer am Schwalbacher Albert-Einstein-Gymnasium gearbeitet, mit angehenden Abiturienten anspruchsvolle Inszenierungen klassischer Stücke auf die Bühne gebracht. Jetzt will der 69-jährige Pädagoge, der mittlerweile in Pension ist, neue Wege gehen. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Schüler Modjieb Jamali, der als Kind aus Afghanistan nach Schwalbach gekommen ist, hat er das Projekt „Einseitige Kalendergeschichten in Zeiten von Corona“ gestartet. Die beiden sind auf der Suche nach kurzen Erzählungen, kleinen Szenen, Gedichten oder Monologen, die allesamt in der aktuellen Ausnahmesituation geschrieben wurden und ein Stück weit das widerspiegeln, was Menschen angesichts der Viruspandemie bewegt.

Den Begriff „Kalendergeschichten“ habe er gewählt, weil es sich dabei um eine literarische Form handele, die vielfältig sein könne, sagt Müller-Droste. Entstanden sind die Kalendergeschichten ursprünglich im 17. und 18. Jahrhundert als Beitrag in den damals weit verbreiteten Volkskalendern. Der Schriftsteller und Lehrer Johann Peter Hebel hat sie zu einer eigenen Kunstform entwickelt.

Alles, was den Autor oder die Autorin beschäftigt, kann darin geschildert werden, sagt Müller-Droste. „Eine Kalendergeschichte kann den Charakter eines Tagebucheintrages haben, es können persönliche Erinnerungen sein, die vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie auftauchen, auch angstbeladene Gedanken oder humorvolle Reflexionen.“ Eingereicht werden könnten für das Projekt auch kurze szenische Passagen oder Gedichte.

Am Ende hoffen Gerd Müller-Droste und Modjieb Jamali, rund 100 Beiträge zusammentragen zu können, die sie in einem Buch veröffentlichen und gegebenenfalls in Form eines postmodernen Theaterstücks auf die Bühne bringen wollen. Ein Frankfurter Verlag und ein Theater hätten bereits Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert.

Beiträge schicken können alle, die Lust am Schreiben haben. Das Projekt schließe alle Generationen ein und sei auch interkulturell angelegt, erläuterte Müller-Droste im Gespräch mit der FR. Modjieb Jamali hat mittlerweile nicht nur als Fußballprofi Karriere gemacht und spielt in der afghanischen Nationalmannschaft, der 27-Jährige hat auch einen Verein in Schwalbach gegründet, der sich um die Förderung von Migranten kümmert. „Wir nehmen auch Texte in anderen Sprachen und lassen sie übersetzen“, kündigt Müller-Droste an.

Einsendeschlussfür die „Kalendergeschichten in Zeiten von Corona“ ist am 15. Juni. Texte sollten maximal eine DIN-A4-Seite umfassen. Sie können per Mail geschickt werden an gerd.mueller-droste@web.de oder an Jamalidiversity@hotmail.com.

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