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Das Limeszentrum wird seit Anfang des Jahres videoüberwacht. Randale gib es trotzdem.

Schwalbach

Gelassene Reaktion auf Randale in Schwalbach

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Bürger reagieren gelassen auf die erneuten Randale am Limeszentrum Schwalbach. Nicht jedem gefällt die Strategie der Polizei.

Auf dem Schwalbacher Marktplatz und im Limes-Einkaufszentrum herrscht Freitagvormittag reges Treiben. Vor den Ständen des Wochenmarktes stehen die Kunden Schlange. Parteien verteilen Werbematerial zur Europawahl. Aus den Lautsprechern vor der Bäckerei tönt Schlagermusik. Senioren ziehen ihre Einkaufswagen hinter sich her. Eltern schieben Kinderwägen.

Nichts deutet darauf hin, dass nur wenige Meter entfernt in der Nacht zum Mittwoch Mülltonnen, Autos und ein Wohnhaus in Brand gesteckt wurden, Unbekannte einen Brandsatz ins Bürgerhaus warfen und das Dienstauto von Rathauschefin Christiane Augsburger (SPD) schwer demoliert wurde.

Aus der Zeitung habe sie von den heftigen Randalen, die Dutzende Rettungskräfte auf den Plan riefen, erfahren, erzählt eine ältere Schwalbacherin. „Ich hab geschlafen und gar nichts mitbekommen.“ Überrascht sei sie von der Nachricht aber nicht gewesen. „Ich lebe sei 55 Jahren in Schwalbach, die Stadt hat sich sehr verändert.“ Weil in der Vergangenheit häufig Randalierer am Limes unterwegs waren, gehe sie nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Straße, erzählt sie. „Da habe ich ein ungutes Gefühl.“

Er habe sich mit der Situation am Marktplatz arrangiert, sagt ein älterer Mann. „Immerhin haben wir jetzt die Videoschutzanlage und es ist mehr Polizei unterwegs.“ Woran es liegt, dass junge Erwachsene immer wieder rund um das Limeszentrum randalieren? „Ich weiß es nicht“, sagt der Senior. „Das müsste man mal rausfinden.“

Auch die Mittvierzigerin, die in der Limesstadt wohnt, hat auf diese Frage keine Antwort. Angst, den Marktplatz abends zu überqueren, habe sie jedoch nicht, sagt die Frau. „Bisher hat mir noch keiner was getan.“ Ihr Rat an die Verantwortlichen im Rathaus: „Man muss die jungen Leute fragen, warum sie das tun, was sie in Schwalbach vermissen.“ Polizeikontrollen durchzuführen mit Beamten in Schutzwesten und mit Maschinenpistolen im Anschlag wohl nichts. „Das steht in keinem Verhältnis zu dem, was passiert ist.“

Jugendliche, die mit den Vorfällen nichts zu tun hätten, fühlten sich durch die Personenkontrollen, die jetzt wieder verstärkt in Schwalbach durchgeführt werden, provoziert, sagt auch die Frau, die im Buch- und Schreibwarenladen im Limeszentrum hinter der Kasse steht. Dass wie in der Vergangenheit Fensterscheiben ihres Geschäfts durch Steinwürfe zu Bruch gehen können, fürchtet sie nicht. „Da mache ich mir keine Sorgen. Wir haben bisher nichts Negatives erfahren.“

Weniger Kundschaft in den Abendstunden registriert man in der Apotheke nebenan. Ältere Menschen würden nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr zum Einkaufen kommen, weil sie Randale fürchteten, sagt ein Mitarbeiter. Jüngere wichen ins Main-Taunus-Zentrum aus. „Für die Geschäftsleute ist das ein schweres Los.“ In der Pizzeria am oberen Ende der Ladenstraße hat es in der Vergangenheit schon einmal gebrannt. Mittlerweile gibt es neue Pächter. „Wir haben keine Angst“, sagt die Chefin des Restaurants und räumt ein: „Seit Mittwoch kommen allerdings weniger Gäste, um bei uns zu essen.“

Mit einem Sicherheitspaket und einer 430 000 Euro teuren Videoschutzanlage, die Anfang des Jahres in Betrieb gegangen ist, hatten Polizei und Stadt gehofft, den „Kriminalitätsschwerpunkt“ Schwalbach entschärfen zu können. Warum es jetzt doch wieder zu den Brandanschlägen rund um den Marktplatz und das Limeszentrum gekommen ist, dafür gibt es bislang keine Erklärungen.

„Wir müssen die Ermittlungen abwarten“, sagte Bürgermeisterin Christiane Augsburger der FR. Sie sei froh, dass die meisten Schwalbacher sehr besonnen und unaufgeregt reagierten. Mit den Geschäftsleuten sei die Stadt im Gespräch.

Polizeisprecher Johannes Neuman machte gegenüber der FR unmissverständlich deutlich, dass bis auf weiteres mit verstärkter Polizeipräsenz in Schwalbach zu rechnen ist. Hinweise aus der Bevölkerung seien zwar schon eingegangen. Noch habe man die Täter aber nicht gefasst. Deshalb würden täglich Personenkontrollen durchgeführt. Beamte in Uniform und in Zivil seien im Einsatz. „Wir haben da einen langen Atem.“

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