Gerichtszentrum | Gericht Frankfurt | 08.05.2017
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Prozess in Frankfurt.

Zweiter Anlauf

Erneut Prozess um Vergewaltigung auf Spielplatz

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Das Landgericht Frankfurt nimmt einen zweiten Anlauf, nachdem jetzt ein Glaubwürdigkeitsgutachen über das vermeintliche Opfer vorliegt.

Erneut müssen sich fünf nicht mehr ganz so junge Männer vor dem Frankfurter Landgericht wegen der Massenvergewaltigung auf einem Schwalbacher Spielplatz verantworten. Zum Zeitpunkt der Tat waren die Angeklagten zwischen 15 und 18 Jahren und die Vergewaltigte 38 Jahre alt. Der Fall wird vor einer Jugendkammer verhandelt.

Laut Anklage sei die Frau am frühen Abend des 21. September 2011 auf dem Weg zur Arbeit gewesen, als sie auf dem Marktplatz gemerkt habe, dass sie von drei Jugendlichen angeglotzt worden sei, die sie anschließend verfolgt hätten. Nahe dem Spielplatz soll einer der Verfolger der Frau einen „spitzen Gegenstand“ in den Rücken gedrückt und gedroht haben: „Sei nicht so laut, du machst jetzt, was wir sagen!“

Anschließend sei das Opfer über den Zaun des Spielplatzes gehievt und in eine Holzhütte verschleppt worden, wo die Täter noch zwei Freunde herbeitelefoniert hätten. Zusammen hätten sie sich „lachend und feixend“ und unter „Überwindung größten Widerstands“ über die Frau hergemacht. Die Details der Tat, wie die Anklage sie schildert, sind von selten gehörter Brutalität.

„Lachend und feixend“ beschreibt auch den Auftritt ganz gut, den die Angeklagten 2018 beim ersten Versuch, den Fall zu verhandeln, gezeigt hatten. Dieser Prozess aber war nach mehreren Monaten ausgesetzt worden, um ein Glaubwürdigkeitsgutachten bezüglich der Aussage der Frau einzuholen – das jetzt vorliegt.

Anders als 2018 treten die Angeklagten in der aktuellen Fortsetzung des Verfahrens vor dem Landgericht nicht mehr auf, als besuchten sie die Dippemess. Vier von ihnen bemühen sich, Ernsthaftigkeit zu demonstrieren. Nur der heute 23 Jahre alte Filippo S. – der einzige der fünf, der gegenwärtig wegen einer anderen Sache im Gefängnis sitzt und vorgeführt wird – kommt aus dem Kichern gar nicht mehr raus. Damals wie heute leugnen die fünf die Vergewaltigung und sagen, es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt. Die Aussage des heute 26-jährigen Christopher D., die ziemlich identisch mit der von 2018 ist, lässt aber die Frage aufkommen, ob das Glaubwürdigkeitsgutachten bei der richtigen Person eingeholt worden ist.

Er erzählt die Geschichte so: Er sei an jenem Abend durch Schwalbach geschlendert und habe einen Joint geraucht, als die Frau ihn angesprochen habe, ob er ihr nicht Gras verkaufen könne. Das ließe sich einrichten, habe er geantwortet, und gemeinsam sei man zu dem Spielplatz gegangen, den er und seine Freunde damals oft als Depot für Drogen genutzt hätten. Unterwegs habe die Frau ihm gesagt, sie habe zwar kein Geld, um die Drogen zu bezahlen, aber immer noch „einen knackigen Arsch für ihr Alter“, und sie würde gerne „mit körperlichen Diensten“ bezahlen.

Also sei man über den Zaun geklettert, habe sich in die Hütte verzogen und zwecks Romantik „ein Handy-Licht“ aufgestellt. Zufällig seien dann nach und nach auch noch seine Freunde über den Zaun geklettert und in die Hütte gekommen. Diesen Zufall kann D. sich und anderen bis heute nicht erklären. In der Hütte hätten er und seine Freunde sich dann wie die Orgelpfeifen in Reih‘ und Glied aufgestellt, und sofort habe die Frau angefangen, an ihren Hosen zu nesteln.

Immerhin gibt D. einen Betrug zu: Da wider Erwarten keine Drogen auf dem Spielplatz gebunkert gewesen seien, habe einer seiner Freunde – wer, das wisse er nicht mehr – ein bisschen frisches Gras von der Wiese gezupft, in Alu gewickelt und der Frau, die man in der Hütte zurückgelassen habe, in die Hand gedrückt.

Nach diesem, von D. selbst als „surreal“ bezeichneten Erlebnis sei die Stimmung bei den fünf Freunden „euphorisch“ gewesen. Ein Bekannter, dem er davon erzählte, habe gesagt: „Schade, dass ich nicht auch dabei gewesen bin.“ Heute dürfte der Bekannte darüber vermutlich eher froh sein.

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