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Gerd Müller-Droste und Modjieb Jamali haben das Buchprojekt zu Corona gestartet.

Schwalbach

Ein Buch voller Corona-Geschichten

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Mehr als 60 Autorinnen und Autoren aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet schildern ihre Erfahrungen und Gedanken in Zeiten der Pandemie.

Den Aufruf, Texte über den Alltag in Zeiten von Corona zu schreiben und für ein Buchprojekt einzusenden, starteten Gerd Müller-Droste und Modjieb Jamali Mitte April. „Ich habe gehofft, dass die Menschen nach vier Wochen Lockdown das Bedürfnis haben, ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit der Pandemie zu schildern“, sagt Müller-Droste.

Viele Jahre lang hat der 69-Jährige als Theaterlehrer am Schwalbacher Albert-Einstein-Gymnasium gearbeitet. Modjieb Jamali war sein Schüler, er ist als Kind aus Afghanistan nach Deutschland gekommen und hat den Verein „Jamali Diversity Culture“ gegründet. Gemeinsam warben sie für ihr Buchprojekt. Wollten kurze Geschichten in Zeiten von Corona sammeln, die ein Stimmungsbild der Bevölkerung im Main-Taunus-Kreis und im Rhein-Main-Gebiet zeichnen, die Leser unterhalten und zum Nachdenken anregen.

Erst seien nur wenige Einsendungen gekommen, erinnert sich Müller-Droste. Doch je länger die Pandemie dauerte, desto größer sei das Mitteilungsbedürfnis der Menschen geworden. Zur Rekrutierung der Autoren verschickte die Deutsch-Ausländische Gemeinschaft Schwalbach Rundbriefe an ihre Mitglieder, der Kelkheimer Verleger Paul Pfeffer gewann Schreibprofis für das Projekt, Gerd Müller-Droste selbst machte es in seinem Theaterumfeld in und um Frankfurt bekannt. In Schreibwerkstätten wurde über das Buchprojekt berichtet. Über Flüsterpropaganda hätten sogar Autoren in Bayern, Österreich, Südtirol und Spanien davon erfahren, erzählt der Herausgeber.

Das Buch

Liebende... auf Mindestabestand. Herausgeber: Gerd Müller-Droste. Edition Pauer, Kelkheim 2020, 220 Seiten, 14,80 Euro. ISBN 978-3-947930-09-8

Am Ende sandten mehr als 60 Autorinnen und Autoren im Alter zwischen elf und 80 Jahren Beiträge ein. 80 Texte sind in dem Band „Liebende ... auf Mindestabstand“ abgedruckt: Kurzgeschichten und feuilletonistische Betrachtungen sind darunter, Krimisatiren und Märchen. Manche Texte lesen sich wie Tagebucheintragungen – authentisch und unmittelbar aus dem Leben gegriffen. Andere sind von literarisch versierten Schreibern kreativ verfasst und erarbeitet. Vielfältig sind auch die lyrischen Beiträge in Zeiten von Corona. Viele der eingesandten Gedichte sind abstrakt, manche konkret, einige zugespitzt-plakativ.

Die Illustrationen im Buch rund um den verführerischen Kussmund stammen vom Frankfurter Künstler Mike Kuhlmann. Der Titel „Liebende ... auf Mindestabstand“ sei nach der Lektüre der Beiträge entstanden, sagt Gerd Müller-Droste. „Er bezieht sich auf einige Geschichten, die den zwischenmenschlichen Umgang von Verwandten und eng Vertrauten in Zeiten der Pandemie sowie die tabuisierte körperliche Nähe beleuchten und sensibilisiert hinterfragen.“

Präsentiert wird das Buch am 5. Oktober, 19 Uhr, im Rahmen der interkulturellen Wochen im Großen Saal des Bürgerhauses Schwalbach. Tickets für die Lesung mit Musik gibt es unter: www.kulturkreis-schwalbach.de

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