+
Christiane Augsburger vor dem historischen Rathaus.

Kommunalpolitik

Schwalbach: Bürgermeisterin will keine dritte Amtszeit

  • schließen

Die SPD-Bürgermeisterin Christiane Augsburger tritt 2020 nicht mehr zur Wahl an. Die Genossen sind bereits auf Kandidatensuche.

Betroffenheit, Trauer, Überraschung – so beschreibt Hartmut Hudel, Fraktionschef der SPD, die Reaktionen der Genossen, nachdem Schwalbachs Bürgermeisterin Christiane Augsburger ihrer Partei am Dienstagabend mitgeteilt hat, dass sie 2020 nicht mehr für eine dritte Amtszeit kandidieren wird. Niemand habe damit gerechnet, dass die 58-Jährige im kommenden Jahr aufhören werde, sagte Hudel der FR. „Aber wir respektieren ihre Entscheidung, sich ins Privatleben zurückzuziehen.“

Noch am Dienstagabend sei eine Findungskommission gegründet worden, die sich in den kommenden Wochen auf Kandidatensuche begeben wird. Er sei zuversichtlich, dass der Übergang geschafft werde. Im SPD-Ortsverein Schwalbach, in dem die SPD-Landtagsabgeordnete Nancy Faeser Vorsitzende ist, herrsche Harmonie, betonte Hudel im Gespräch mit der FR. „Wir halten die Reihen geschlossen.“

Die Entscheidung, nicht mehr zur Wahl anzutreten, sei ihr nicht leicht gefallen, sagte Christiane Augsburger gestern vor Journalisten. Über die Weihnachtsfeiertage sei der Entschluss in ihr gereift. Nicht aus Amtsmüdigkeit, sondern „aus rein persönlichen Gründen“ wolle sie sich aus der Politik zurückziehen, betonte Augsburger. Sie strebe auch kein anderes Amt – weder in der Partei noch außerhalb – an. „Ich werde in den Ruhestand gehen.“ Noch einmal sechs Jahre an der Spitze der Schwalbacher Verwaltung zu stehen, habe sich für sie nicht richtig angefühlt.

Ob die Wahlniederlagen von SPD-Amtskollegen im Main-Taunus-Kreis – Renate Wolf in Sulzbach, Antje Köster in Hattersheim und Michael Antenbrink in Flörsheim – bei ihrer Entscheidung eine Rolle gespielt hat, ließ Augsburger offen. Sie fügte aber hinzu: „Bei einer Direktwahl besteht natürlich immer das Risiko der Abwahl.“ Dass Christiane Augsburger das passiert wäre, ist eher unwahrscheinlich. Seit 2008 ist die gebürtige Schwalbacherin, die mit ihrem Mann in Sichtweite des Rathauses lebt und deren Familie ebenfalls in der Stadt zu Hause ist, Bürgermeisterin. Davor war die Sozialdemokratin unter CDU-Bürgermeister Roland Seel Erste Stadträtin und Baudezernentin. Die Zeiten in denen sie im Parlament gegen ein schwarz-grünes Bündnis ankämpfen musste, sind längst vorbei. Mit SPD und FDP hat sie seit den letzten Kommunalwahlen eine rot-gelbe Koalition im Rücken.

Bei den Bürgern ist Augsburger ausgesprochen beliebt. Die Wahl für ihres erst Amtszeit gewann sie mit 58,1 Prozent Stimmen, bei der Wiederwahl 2014 gaben ihr zwei Drittel der Schwalbacher die Stimme. Die CDU-Bewerber hatten jeweils das Nachsehen. Die Nähe zu den Bürgern und eine transparente Politik seien ihr stets ein großes Anliegen gewesen, sagte Augsburger gestern. Als eines der wichtigsten Projekte ihrer bisherigen Amtszeit nannte sie den Bau des Naturbades, den sie am Ende gegen der Widerstand des gesamten Stadtparlamentes durchsetzte. Stolz sei sie auch auf die Aufnahme der Flüchtlinge, die in Schwalbach reibungslos geklappt habe und auf die Renaturierung des ehemaligen Kleingartenanlage Hinter der Röth. „Das ist jetzt ein richtiges Kleinod.“

Weit über die Stadtgrenzen hinaus wurde Christiane Augsburger bekannt, als sie zusammen mit Polizeipräsident Stefan Müller alle Hebel in Bewegung setzte, um den zum Teil gewalttätigen Randalen Jugendlicher auf dem Schwalbacher Marktplatz Einhalt zu gebieten. Nach dem Bau einer großen Videoschutzanlage mit Dutzenden Kameras scheint das einigermaßen gelungen zu sein. Die Umgestaltung des Unteren Marktplatzes will sie noch abschließen, ehe ihre Amtszeit am 6. Juni 2020 endet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare