1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis

Nur die Schönsten kommen durch

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Kaninchenzüchter Jannis Mehler
Kaninchenzüchter Jannis Mehler © Michael Schick

Unter kaninchenzüchtenden Rentnern heimst ein 19-Jähriger die Preise ein: Jannis Mehler aus Flörsheim hat schon Titel auf Kreis-, Landes- und Bundesebene gewonnen.

Von Gesa Fritz

Jannis Mehler fällt aus dem Rahmen. In der von alten Männern beherrschten Bastion der Kaninchenzüchter ist der 19-Jährige mit Abstand der Jüngste. Und er räumt reihenweise Preise ab. Mit seinen Tieren der Rasse Farbenzwerge Schwarz-Loh hat der Flörsheimer in jüngster Zeit Titel auf Kreis-, Landes- und Bundesebene gewonnen. Der nächste Wettbewerb steht Ende Januar an.

Molligen Winterspeck kann Jannis Mehler seinen Tieren da nicht zugestehen – ein Gramm zuviel, und die Kaninchen sind unter den Augen der strengen Juroren chancenlos. Unerwünscht sind aber auch die Dürren. Neben dem Idealgewicht gehören ein rundes Becken, kurze Ohren, bei Männchen eine breite und bei Weibchen eine schmale Stirn zum gewünschten Erscheinungsbild. Um das perfekt zu machen, zupft der Schüler seinen Zöglingen vor den Wettbewerben mit der Pinzette noch das eine oder andere Härchen an der falschen Stelle aus.

Das Geheimnis von Jannis Mehlers Erfolg liegt dennoch vielleicht gerade in einem gewissen Laisser-faire. Die gepflegten und mit frischem Stroh eingestreuten Ställe für die 22 Zuchtkaninchen stehen in Opas alter Scheune.

Von der Decke hängen Jahrzehnte alte Spinnenweben, in den Ecken stehen rostige Schippen, alte Bretter und anderer Krimskrams. Ein hochdekorierter Rammler hoppelt durch die Voliere von Opas Pfauentauben. Mit seinem kurzgezüchteten Kopf hat das Tier Atemprobleme – im offenen Taubenschlag bekommt er besser Luft.

Auch die anderen Kaninchen schlagen aus der Nachbarschaft zum Federvieh Profit: Ihr Futter, Garant für glänzendes Fell, strahlende Augen und schlanke Linie, erhält neben einer ausgeklügelter Mischung an Sämereien auch Taubenfutter. Die Gene der Tiere bleiben in der Familie: Zum Erfolg gehört auch Inzucht. Den Rammlern ist es egal, welches der Weibchen sie bespringen. Drei Würfe mit ein bis sechs Jungen pro Häsin und Jahr sind das Ergebnis.

Opa Mehler stellt nicht nur das Dach für die Kaninchen. Er kümmert sich um die Tiere, wenn sein Enkel fürs Abitur büffelt, Handball spielt, mit Freunden oder dem Snowboard unterwegs ist. „Aber die Hasen“, sagt Opa Mehler jetzt schon zum zweiten Mal und freut sich klammheimlich, weil die Rassezüchter doch so viel Wert darauf legen, dass die Tiere eben Kaninchen und nicht Hasen heißen – „die Hasen gehören dem Jannis“.

Mit der Zucht hat Jannis Mehler schon als Neunjähriger begonnen. Unterstützt vom Opa schaffte er seine ersten Tiere an. Die erste Ausstellung mit dem Rammler Rocko brachte nur mäßigen Erfolg. Den ersten Titel eines Landesmeisters erhielt er mit 14 Jahren – damals trugen seine Kaninchen schon Nummern statt Namen.

In der Pubertät, wenn niedliche Tiere sich immer weniger mit männlicher Coolness vertragen, hielten ihn die Erfolge bei der Stange, die gemeinsame Zeit mit Opa und die Faszination für die Tiere, die nicht nur unterschiedliche Charakteren haben sollen, sondern auch lernfähig sind. Mit ein wenig Autorität, erklärt Jannis Mehler, könne man ihnen etwa beibringen, sich in Position zu setzen und den Prüfern von der besten Seite zu zeigen.

Vor dem Stall hoppeln drei Kaninchen im Extragehege. Tiere mit Fehlern, mit falscher Kopfform, unglücklicher Farbgebung oder Spaltpenis, die sich für die Zucht nicht eignen. „Spielhasen“ nennt sie Jannis Mehler und hofft, dass er für die Tiere noch Interessenten findet. Sonst landen sie in Opas Tiefkühltruhe und irgendwann auch auf dem Teller.

Auch interessant

Kommentare