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Schön ist, wenn man glücklich ist

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Im Flörsheimer Wohnheim der Lebenshilfe wird Silvester ohne feste Reglements gefeiert. 22 Männer und Frauen mit geistiger Behinderung leben hier. Von Gesa Fritz

Von GESA FRITZ

Erika Kohlhepp hat vergessen, wie alt sie ist. "66 Jahre", hilft ihr Freund Claus Focks. Dafür hat sie 2008 gelernt, ihren Namen zu schreiben. "Mein Bruder hat gesagt, das schaffe ich nie", sagt Kohlhepp und lacht. 2009 will sie noch mehr Worte lernen. Das Resumee, das Kohlhepp für das vergangene Jahr zieht, ist klar: "Alles war schön!"

Es ist eine fröhliche Runde, die sich um die Tische im Flörsheimer Wohnheim der Lebenshilfe Main-Taunus versammelt hat. Das gemeinsame Mahl an Silvester ist ein besonderes Fest, sonst trifft man sich nicht zum Essen.

22 Männer und Frauen mit geistiger Behinderung leben hier auf zwei Häuser verteilt. Manche sind nur ganz leicht beeinträchtigt, führen in eigenen Wohnungen ein weitgehend selbstständiges Leben. Andere brauchen Hilfe in allen Lebensbereichen: Jemanden, der die Schuhe bindet, beim Weg zur Toilette hilft und "Es ist genug" sagt, wenn der Teller zum fünften Mal gefüllt wird.

Betreuer sind rund um die Uhr vor Ort und unterstützen, fördern und begleiten die Bewohner. Schwerstbehinderte leben in der Flörsheimer Einrichtung nicht. Das Wohnheim liegt im Zentrum, die Bewohner sind stolz auf ihre Stadt. Viele von ihnen arbeiten in der Hattersheimer Schlocker-Stiftung.

Fünf solche Wohnheime betreibt die Lebenshilfe im Kreis. Auf Eschborn, Flörsheim und Kelkheim verteilt leben insgesamt rund 200 Behinderte in den Einrichtungen des gemeinnützigen Vereins. Vor mehr als vier Jahrzehnten wurde die Lebenshilfe gegründet. Das Haus in Flörsheim besteht seit 23 Jahren.

Der Silvestertisch ist noch weihnachtlich dekoriert, auf den Tellern türmen sich Würstchen und Nudelsalat. Im Schrank warten Sekt, Blei und Wunderkerzen auf ihren Einsatz um Mitternacht. Ob sie hervorgeholt werden, ist noch völlig ungewiss. Wenn der Fernsehfilm oder das Memoryspiel zu fesselnd sind, bleibt das Blei eben ungegossen. Starre Sitten gelten wenig.

Es sind die zwischenmenschlichen Beziehungen, die die Menschen hier leben und die sie glücklich machen. Der 48-jährige Peter Daniel wird Anfang des Jahres vom Hinterhaus ins Vorderhaus ziehen. Die Runde bricht in fröhliches Gelächter aus, Daniel strahlt. Im Vorderhaus wohnen - in kleinen Wohngemeinschaften oder Einzelappartements - die Selbstständigeren.

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