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Auf dem Rücken der Pferde

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Von: Andrea Rost

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Viktoria lernt auf dem Pferd Blanca reiten
Viktoria lernt auf dem Pferd Blanca reiten © Michael Schick

Das Reit- und Therapiezentrum Eddersheim holt jetzt auch Grundschüler in seine Reithalle. Das Projekt läuft ein Jahr lang.

Das Mädchen mit dem schwarzen Pferdehelm ist konzentriert bei der Sache. Vorsichtig hebt die Achtjährige ein Bein der braunen Stute nach dem anderen hoch und kratzt die Hufe aus. Dann wird Valeska gesattelt, bekommt die Trense angelegt – und ab geht es in die Reithalle.

Jeden Dienstag treffen sich sieben Jungen und Mädchen aus der Grundschule auf dem Gelände des Reit- und Therapiezentrums Eddersheim. Eineinhalb Stunden dauert die Pferde-AG, die seit Herbst läuft.

„Wir haben Kinder dafür ausgesucht, bei denen wir glauben, dass ihnen der Kontakt mit den Tieren gut tut“, sagt Grundschullehrerin Viola Nies. Die meisten hätten bisher noch nie mit Pferden zu tun gehabt, seien eher schüchtern, manche auch unruhig im Unterricht und leicht ablenkbar. Angeleitet werden die Kinder von Tanja Schall und Miriam Bolle, die ausgebildet ist im ergotherapeutischen Reiten und in Hippotherapie. Mit viel Fingerspitzengefühl hat sie die Grundschüler und die Pferde zusammengebracht. „Am Anfang hatten fast alle Kinder Angst vor den Tieren“, erinnert sie sich. „Jetzt gehen sie ganz selbstverständlich mit ihnen um.“

Selbstbewusstsein tanken

Während Miriam Bolle erzählt, gehen ein Junge und ein Mädchen in der Reithalle mit zwei Pferden in der Halle umher. Die Tiere müssen sich warm laufen, ehe der Reitunterricht beginnen kann. „Zu erfahren, dass ein so großes Tier tut, was man möchte, dass man aber auch Verantwortung hat für das Pferd, ist für die Kinder ein wichtiges Erlebnis“, sagt die Therapeutin. Schüchterne Kinder könnten so Selbstbewusstsein tanken, unruhige lernten, sich zu konzentrieren und bei der Sache zu bleiben.

Heute wird die Halle zweigeteilt. Auf der einen Seite geht Tinker-Stute Branka an der Longe im Kreis. Im Sattel sitzt ein kleines blondes Mädchen mit Brille, streckt mal die linke und mal die rechte Hand zur Seite, klatscht in die Hände, lässt sich bäuchlings auf den Pferderücken fallen und kuschelt im scheckigen Fell.

Links davon wird die braune Valeska geritten. Hoch aufgerichtet dirigiert sie ein Junge erst im Viereck durch die ganze Bahn und dann mit Richtungswechsel quer durch die Halle. Hütchen im Sand weisen ihm den Weg. „Gut machst du das“, lobt Miriam Bolle. „Sehr gut.“ Valeska und Branka sind zwei von sechs Therapiepferden, die zurzeit im Stall der RSG Eddersheim stehen. Gemeinsam mit Schulen, Kindergärten und der Jugendhilfe organisiert der Verein seit geraumer Zeit Kurse. Mitmachen können einzelne Klassen und Jugendgruppen. Gerd Gröhl, stellvertretender Vorsitzender der RSG und von Beruf Kinder und Jugendpsychotherapeut, hat das Projekt Schule und Verein initiiert. „Wir wollen zeigen, wie vereinsgebundene Jugendarbeit funktionieren kann, und welche Wirkung sie erzielt, wenn sie über einen längeren Zeitraum läuft“, sagt er.

4000 Euro kostet das Jahr Reit-AG für Grundschüler. Finanziert wird es von der Karlsstiftung, die das Freiwillige Soziale Jahr einer der Betreuerinnen fördert, außerdem von der Grundschule Eddersheim und vom Pferdesportverband Hessen, der einen Zuschuss gibt.

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