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Der Rhythmus der Sprache

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Deutsch-Kurs in der Kita Römerlager in Hofheim-Marxheim.
Deutsch-Kurs in der Kita Römerlager in Hofheim-Marxheim. © FR/Surrey

Spielend deutsch lernen: Die Internationale Kita Römerlager fördert Kinder aus Migrantenfamilien mit dem Programm "Kon-Lab". Von Mirjam Ulrich

Von MIRJAM ULRICH

Strahlend räumt Paiman wieder zwei Spielkarten vom Tisch. Der Vierjährige aus Afghanistan hat beim Memory-Spiel erneut ein passendes Kartenpaar umgedreht. Sie zeigen jeweils das Bild einer großen und einer kleinen Biene. Paiman hat sie richtig benannt: Biene und Bienchen.

Regeln begreifen

Beim Memory-Spiel in der Internationalen Kindertagesstätte Römerlager in Marxheim üben Paiman, Jasmin, Lejs und Vincent die Verkleinerungsform. Spielend lernen die Kinder Deutsch im "Kon-Lab", dem "Konstanzer Labor". Dabei handelt es sich um ein Sprachförderungsprogramm, das der Sprachwissenschaftler Zvi Penner an der Universität Konstanz entwickelt hat.

"Als die Wissenschaftler untersuchten, wie Kinder ihre Muttersprache erlernen, fanden sie heraus, dass es über den Sprachrhythmus geschieht", sagt Erzieherin Beate Schmidt. Schon sechs Monate alte Babys lallten im Rhythmus ihrer Muttersprache, erzählt sie weiter. "Kon-Lab" vermittele daher über Spiele sprachrhythmische Regeln wie sie nötig sind, um beispielsweise Artikel richtig zu verwenden oder den Plural zu bilden. "Wenn man diese Regeln kennt, ist das einfach."

Beate Schmidt arbeitet schon seit vielen Jahren mit Migrantenkindern. Deren Anteil liegt in ihrer Gruppe bei 85 Prozent, insgesamt beträgt er in der Kita Römerlager 38 Prozent. Die Kinder stammen aus 17 Nationen und sprechen 13 verschiedene Sprachen. Seit 2002 bietet die Kita daher in jeder Gruppe Sprachförderung an, seit drei Jahren verwenden die Erzieher dabei "Kon-Lab".

Das Programm ist in drei Stufen eingeteilt: Sprachrhythmus, Grammatik und Sprachverstehen. Gerade die Grammatik käme in anderen Sprachförderungsprogrammen oft etwas zu kurz, hat Schmidt festgestellt. "Außerdem eignet sich dieses Programm im Gegensatz zu anderen sowohl für Migrantenkinder als auch für deutsche Kinder", sagt sie. Deshalb habe sich die Kita für "Kon-Lab" entschieden, schließlich solle kein Kind ausgegrenzt und alle Kinder gefördert werden.

Zu ihrer Kita-Gruppe gehören 22 Kinder. Wie oft sie jeweils an einer der Spielrunden teilnehmen, entscheidet die Erzieherin nach Bedarf. Der dreijährige Vincent macht regelmäßig mit. Er kam in Lateinamerika zur Welt, seine deutschen Eltern sprechen nach der Rückkehr nach Deutschland nur Spanisch mit ihm, damit er es nicht vergisst. Deutsch soll er nun mit den Spielkameraden lernen.

Damit die Kinder auch zu Hause spielen können, gibt es ein Begleitbuch und ein Computerprogramm mit Sprachausgabe. Denn Eltern, die kaum Deutsch beherrschten, sollten gar nicht mit ihren Kindern Deutsch sprechen, da sie den Sprachrhythmus nicht richtig weitergeben könnten, erläutert Schmidt. Die CDs sponserte der Ausländerbeirat.

Die Kita Römerlager hat als erste "Kon-Lab" eingesetzt. "Inzwischen arbeiten fast alle Hofheimer Kitas damit", erzählt die Leiterin Susi Lea Haas. Die Erzieher hätten daher eine Arbeitsgruppe gegründet. Auch die Zusammenarbeit mit den Grundschulen funktioniere gut, mit der Heiligenstockschule ist sie besonders eng. Dort werde das Programm ebenfalls eingesetzt, baue doch auch die Rechtschreibung auf dem Sprachrhythmus auf, sagt Beate Schmidt. "Von der Schule wissen wir, dass die Kinder, die Kon-Lab genossen haben, ganz anders einsteigen."

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