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Lisa Henties, Simone Kuhn und Leonardo Lagona mit ihrem Flüchtlings-Kochbuch im Foyer der Eichendorffschule.

Kelkheim

Kochbuch mit Flüchtlingsgeschichten

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Eine Schülerfirma vermarktet ihr eigenes Kochbuch mit Flüchtlingsgeschichten. Der Firmenname rührt denn auch von den englischen Wörtern für Rezepte (recipes) und Flüchtlinge (refugees) her.

Sie hat einen Vorstand, Abteilungen für Marketing, Produktion und Verwaltung, lädt Anteilseigner zu Hauptversammlungen, schreibt Gewinn- und Verlustrechnungen und sucht ständig neue Absatzmärkte. „Recigees“ ist fast eine normale mittelständische Firma. Ihre 14 Beschäftigten sind aber Jugendliche, die an der Kelkheimer Eichendorff-Schule übernächstes Schuljahr Abi machen wollen. Ihr Produkt, das Kochbuch „Grenzenlos“ mit Gerichten und Geschichten von Flüchtlingen, läuft so gut, dass eine zweite Auflage nötig wurde.

Begeisterter können Unternehmer kaum von ihrer Arbeit erzählen, als Vorstandsvorsitzende Simone Kuhn, ihre Stellvertreterin und Verwaltungschefin Lisa Henties sowie Leonardo Lagona, Abteilungsleiter für Marketing, dies tun. „Ich kümmere mich lieber um die Firma als Hausaufgaben zu machen“, sagt Simone. Lisa schwärmt davon, wie lebensnah das Projekt sei. Leonardo hat einen Onkel, der einen Betrieb führt, und liebt es, sich in der Schülerfirma zu verwirklichen.

PoWi-Lehrer Roland Struwe konnte bereits zum zweiten Mal junge Menschen für die Gründung einer so genannten Junior-Firma gewinnen. Selbständigkeit lockt. Erst später ging es darum, ein Produkt zu entwickeln. Die Vorgängerfirma hatte aus altem Jeansstoff Turnbeutel genäht und verkauft. Dem neuen Team drängte sich vorigen Sommer die Idee auf, „etwas mit Flüchtlingen“ zu machen. Vielleicht mit Essen? Der Firmenname rührt denn auch von den englischen Wörtern für Rezepte (recipes) und Flüchtlinge (refugees) her.

Bürokratische Hürden

Wie im wirklichen Leben mussten die Neuunternehmer damit klar kommen, dass sich nicht jede Geschäftsidee eins zu eins umsetzen lässt. Wegen bürokratischer Hürden sei es nicht gelungen, mit Flüchtlingen in Kelkheimer Unterkünften zu reden, zu kicken, zu kochen und dabei Stoff für ein Buch zu sammeln.

Mit Flüchtlingskindern an der Schule sei man dann aber doch ins Gespräch gekommen. Die gaben Rezepte weiter und erzählten von Landestraditionen. Persönliche Geschichten von Flucht und deren Ursachen zu erfahren sei dagegen eher schwer gefallen.

Auf der Suche nach weiteren Quellen stießen die Jungunternehmer und Autoren auf den Eppsteiner Flüchtlingskreis und dessen Helferin Gisela Rasper. Der alten Dame gefiel das Vorhaben, ein Glücksfall: Einerseits hat sie das Anliegen zu den Flüchtlingen weitergetragen. Andererseits steuerte sie als in Teheran geborene Tochter von Kaukasusdeutschen eigene Fluchterlebnisse und südländische Rezepte bei.

Insgesamt 30 Kochanleitungen, auch aus Eritrea, Palästina, Bosnien oder dem Iran, enthält das Buch. Darüber hinaus gibt es mit seinen Hintergründen, den aktuellen wie historischen Erlebnisberichten auch Einblick in unbekannte Lebenswelten,

Bisweilen arbeiten die Mitarbeiter auch 40 bis 50 Stunden im Monat. Lisa schwärmt dennoch: „Wir lernen in der Firma mehr als in der Schule.“ So hat das Team Kapitalgeber gewonnen, unter ihnen Autorin Nele Neuhaus, hat sämtliche Gerichte nachgekocht, mit Designern und Druckern verhandelt, und auf dem Wochenmarkt verkauft. Am Dienstag stellen sich die „Recigees“-Leute beim Landeswettbewerb der Schülerfirmen ihrer Konkurrenz.

Das Buch ist für zwölf Euro in Kelkheimer Buchläden und über recigees@gmail.com zu haben.

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