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Relikt der Vergangenheit

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In Schwalbach gab es bis 1960 eine Burg. Was heute selbst Einheimische nicht mehr wissen, beschreibt Peter Lorenz im neuen Main-Taunus-Jahrbuch.

Während die Stadt ihr 50-jährige Bestehen feierte und sich die Hans-Bernhard-Reichow-Gesellschaft gründete, um das Erbe ihres Architekten zu bewahren, wäre die Schwalbacher Burg, die an Ort und Stelle jahrhundertelang stand, beinahe in Vergessenheit geraten.

Wenn nicht das jetzt erschienene Main-Taunus-Jahrbuch von dem Relikt berichten würde. In der mehr als 1200-jährigen Ortsgeschichte nehme die Schwalbacher Burg ein langes Kapitel von 700 Jahren ein, schreibt Autor Peter Lorenz. 1960 fiel das einst herrschaftliche Haus der Abrissbirne zum Opfer. Denn obwohl das historische Gebäude laut Lorenz als „sehr wertvoll“ beurteilt wurde, war niemand bereit, das Objekt zu sanieren.

Am Schluss war es – auch durch Kriegsschäden – bis zur Baufälligkeit heruntergekommen. Weder der Kreis, noch das Land, noch die Stadt verfügten über die nötigen Mittel. Auch sei der Zeitgeist von Aufbau und Wirtschaftswunder geprägt gewesen, so Lorenz.

Bereits 30 Jahre zuvor hatte der letzte Pächter die Burg, die zuletzt als Verwaltungsgebäude einer landwirtschaftlichen Domäne fungierte, verlassen. Nach dem Krieg kamen Flüchtlinge unter. Noch vor Abriss der Burg im Jahr 1959 seien die Weichen für den Bau der Limesstadt gestellt worden, schreibt Lorenz.

Sitz des Schultheißen

Die Schwalbacher Burg war ursprünglich als Herrschaftssitz der Ritter von Schwalbach erbaut worden. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg im Jahre 1345. Ihr Standort unmittelbar vor dem Zusammenfluss von Waldbach und Sauerbornsbach lässt laut Lorenz an einen Ursprung als Wasserburg denken. Auch die Befestigung des Gebäudes, das direkt am Handelsweg von Frankfurt nach Köln lag, und die Tatsache, dass es zeitweise zwei Lehensherren für das Bollwerk gab, sprechen für seine Bedeutung. Im Laufe der Jahre wechselten mehrfach die Besitzer, auch diente die Burg zeitweise als Sitz des Schultheißen.

Ein Modell der Anlage kann auf dem Betriebsgelände des Baustoff-Fachhandels Moos besichtigt werden. Eine Bronzetafel vor dem Feuerwehrhaus an der Burgstraße erinnert an den früheren Standort der Burg. ( cho)

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