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Marie Davenport kämpfte gegen die Rassentrennung.
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Marie Davenport kämpfte gegen die Rassentrennung.

Schwalbach

Rassismus in den USA

Eine Zeitzeugin erzählt an der Einstein-Schule über die Rassentrennung in den USA - und Marie Davenport hat einiges zu erzählen. Die Schüler waren beeindruckt.

Von Jöran Harders

Ein junges schwarzes Mädchen blickt in die Kamera. Es steht vor einem Haus und hält ein Schwert in der Hand. Das Schwarz-Weiß-Foto zeigt Marie Davenport als Sechsjährige. Die Amerikanerin war gestern zu Gast an der Albert-Einstein-Schule. Die Geschichte zu dem Bild erzählte sie bei einem Workshop zum Thema „African-Americans and the Civil Rights Movement“ (Afroamerikaner und die Bürgerrechtsbewegung) für Schüler der Englisch-Leistungskurse. Das Schwert gehörte Davenports Urgroßvater, der ein Sklave war und im amerikanischen Bürgerkrieg gekämpft hat.

„Wir wünschen uns, dass Schüler im Englischunterricht nicht nur über, sondern auch mit Amerikanern sprechen“, sagt Gerhard Wiesinger, der in der Presse- und Kulturabteilung des amerikanischen Generalkonsulats in Frankfurt für die Organisation dieses und anderer Workshops zuständig ist. Deshalb bietet das Konsulat allen interessierten Schulen solche Veranstaltungen an, bei denen Amerikaner aus erster Hand – und natürlich auf Englisch – über ihren Alltag oder über die Geschichte ihres Landes erzählen.

Und Marie Davenport hat einiges zu erzählen. Denn als Jugendliche hat sie die Auswirkungen der Rassentrennung in den Vereinigten Staaten am eigenen Leib erfahren. So musste sie während ihrer Schulzeit in Mississippi zur Schule laufen, während die weißen Kinder mit dem Bus zu ihren Schulen gefahren wurden. In ihrem Alltag sei sie fast immer nur von Schwarzen umgeben gewesen, berichtete Davenport. „Auch in der Kirche oder im Restaurant blieben Schwarze und Weiße unter sich.“

Kein ungeliebter Pflichttermin

Um selbst etwas gegen die Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu tun, schloss sich Marie Davenport als junge Frau der Bürgerrechtsbewegung an. 1963 nahm sie mit Martin Luther King am „March on Washington“ teil.

Für Englischlehrerin Christine dos Santos war Davenports Besuch an der Albert-Einstein-Schule mehr als nur eine willkommene Abwechslung im Stundenplan. „Es ist etwas ganz Anderes, ob man in einem Buch etwas über Rassismus liest, oder ob man selber mit jemandem sprechen kann, der Rassismus erlebt hat“, sagt dos Santos. Die Schüler der fünf Leistungskurse der Klassenstufen 11 und 12 hatten durch den Workshop zu beidem die Gelegenheit. Zuvor stand als Pflichtlektüre der Roman „Wer die Nachtigall stört“ der kürzlich gestorbenen Harper Lee auf dem Lehrplan. Den nächsten Workshop hat die Lehrerin schon im Blick. Im März wird ein Amerikaner an der Schule über die Präsidentschaftswahlen sprechen.

Für die Schüler, die sich nach Marie Davenports Vortrag angeregt mit der Zeitzeugin unterhielten, war der Workshop kein ungeliebter Pflichttermin. Es waren sogar einige Zuhörer gekommen, die gar keinen Englisch-Leistungskurs belegt haben. Einer von ihnen war Djung Sue. Besonders beeindruckt hat den Zehntklässler die Aussage Davenports, dass Schwarze in ihrer Jugend nur wenige Berufsperspektiven hatten. „Sie hat gesagt, dass sie sich entscheiden musste, ob sie Lehrerin oder Friseurin werden will. Das hat mich schon überrascht.“

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