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Mitarbeiter haben gestern am Tor zum Betriebsgelände in Schwalbach gegen den Arbeitsplatzabbau bei Continental Automotive/Vitesco demonstriert.

Schwalbach

Protest gegen Stellenabbau bei Continental

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Weil in der Automobilbranche Auftragsflaute herrscht, sollen im Geschäftsbereich für Antriebstechnologien Vitesco bei Continental in Schwalbach 178 Arbeitsplätze wegfallen. Gewerkschaft und Betriebsrat haben Alternativvorschläge.

Die Fahnen von Continental und Vitesco Technologies flattern vor dem markanten Bürokomplex an der Landesstraße zwischen Bad Soden und Schwalbach einträchtig im Wind. Die Transparente, die wenige Hundert Meter weiter an den Brücken des Limestunnels hängen, verheißen jedoch nichts Gutes.

Von massivem Stellenabbau bei Vitesco ist dort die Rede. Eine Entlassungswelle bedrohe die Mitarbeiter des für Antriebstechnologien zuständigen Geschäftsbereichs des Continental-Konzerns am Standort Schwalbach, warnt die IG Metall.

Ein Transparent mit der roten Schrift auf gelbem Grund halten gestern auch Vitesco-Mitarbeiter vor dem Firmeneingang des international agierenden Autozulieferers in der Sodener Straße in die Kameras der Pressefotografen. Fünfzig Frauen und Männer haben sich zur „aktiven Mittagspause“ versammelt, um zum Auftakt der Verhandlungen zwischen Geschäftsführung, Betriebsrat und Gewerkschaft gegen die geplante Streichung von 178 Stellen zu protestieren. „Wir sind ein tolles Team, haben viel Know-how. Wir wollen, dass Alternativen geprüft werden, dass Arbeit nach Schwalbach geholt wird“, sagt Betriebsratsvorsitzende Carola Rühl.

Die Gesellschaft

Vitesco Technologies entwickelt und produziert moderne Antriebstechnologien für nachhaltige Mobilität. Das Portfolio umfasst elektrische Antriebe, elektronische Steuerungen, Sensoren und Baueinheiten sowie Lösungen zur Abgasnachbehandlung. Gegründet wurde die Gesellschaft Anfang 2019. Sie ist ein Geschäftsbereich der Continental AG. 40 000 Mitarbeiter werden weltweit beschäftigt. Der Hauptsitz ist in Regensburg. In Schwalbach hat Vitesco rund 550 Mitarbeiter. aro

Zukunftsperspektiven statt Personalabbau fordert auch der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Frankfurt, Michael Erhardt. Dass eineinhalb Jahre nach Gründung der Vitesco am Standort Schwalbach schon wieder ein Drittel der Beschäftigten – vorwiegend Entwickler und Ingenieure – das Unternehmen verlassen sollen, „geht so nicht“, sagt Erhardt. „Man hat euch eine gute Zukunft versprochen“, erinnert er die Mitarbeiter. Deshalb habe die IG Metall Anfang 2019 auch von einer Klage wegen Betriebsübergangs abgeraten. Von Gewerkschaftsseite erwarte man, dass bei den Verhandlungen über Alternativvorschläge gesprochen werde, sagt Erhardt. Belegschaft, IG Metall und Betriebsrat hätten zusammen ein Zukunftskonzept erarbeitet.

Vom Ausbau Schwalbachs zum Standort für Elektromobilität ist auf einem Flugblatt die Rede und von Ideen für Produkte im Non-Automotive-Bereich, die die Beschäftigten entwickelt hätten. „Wir wissen um die aktuell schwierige Situation in der Automobilbranche“, sagt Michael Erhardt. Alternative Konzepte ließen sich nicht von heute auf morgen realisieren. „Aber es gibt das Instrument der Kurzarbeit. Wir erwarten, dass der Konzern dieses Mittel nutzt, um langfristig Arbeitsplätze zu sichern. Wir wollen ohne Kündigungen durch die Krise kommen.“

Die Geschäftsführung der Vitesco in Regensburg nennt den Rückgang im Verbrenner-Geschäft und den daraus resultierenden Auftragsrückgang bei Kraftstofffördersystemen sowie bei Motorsteuerungen für Dieselfahrzeuge als Hauptgründe für die Anpassung der Entwicklungsaktivitäten in Schwalbach.

Das Unternehmen sei jedoch bestrebt, hoch qualifizierte Mitarbeiter zu halten, betonte Sprecherin Emerenz Magerl-Ziegler auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. „Wir werden in diesem Zusammenhang verstärkt interne Versetzungsangebote, auch am Standort Schwalbach, ermöglichen – beispielsweise in den wachsenden Bereich der Elektrifizierung oder in den wachsenden Zentralfunktionen-Bereich.“

Fünfzig Mitarbeiter hätten in Schwalbach bereits an Qualifizierungsprogrammen teilgenommen. Auch das umfangreiche Personalentwicklungsprogramm des Continental-Konzerns könne genutzt werden, sagte Magerl-Ziegler. In jedem Fall solle die geplante „Personalanpassung“ sozialverträglich umgesetzt werden.

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