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Profi im Windelwechseln

Eschborn Thomas Rose betreut als Tagesvater vier Kleinkinder von elf bis 22 Monaten

Von GESA FRITZ

Von seinen Freunden wurde Thomas Rose anfangs belächelt. Sie haben den 41-Jährigen als Vizepräsident des Eschborner Fußballvereins und als Inhaber eines Sportgeschäftes kennen gelernt. Inzwischen mussten sie sich an die Vorstellung gewöhnen, dass Rose vier Kleinkindern im Alter von elf bis 22 Monaten die Windeln wechselt, ihre Schnuller sucht, für sie das Mittagessen kocht und sie mit Liedern in den Mittagsschlaf lullt.

Seit März diesen Jahres arbeitet der Eschborner als Tagesvater. "Ich hatte eine Trennung hinter mir und musste sehen, wie ich die Kosten für das Haus trage", sagt Rose. Die Einkünfte aus seinem Sportgeschäft allein hätten nicht ausgereicht. Schnell war für ihn klar, dass er als Tagesvater arbeiten wollte. "Mit Kindern zusammen zu sein, macht mir einfach Spaß", sagt der Vater einer 17-jährigen Tochter und eines zehnjährigen Sohnes. Etwa 2 500 Euro netto verdient er nach eigenen Angaben monatlich mit der Kinderbetreuung.

Geduld und gute Nerven braucht Rose, wenn morgens zwischen sieben und acht Uhr der Junge und die drei Mädchen bei ihm abgegeben werden. "Es kommt schon vor, dass alle gleichzeitig weinen, und das ist dann Stress pur", sagt er. Schwierig sei meist die Zeit kurz vor dem Mittagessen. Dann muss er kochen und gleichzeitig vier müde und hungrige Kleinkinder bei Laune halten. Friede kehrt wieder ein, wenn er den Minis reihum den Löffel mit dem Essen in die Münder steckt. In der anschließenden Mittagspause, erzählt Rose, schlafe er manchmal auch mit ein. "Aber vier Kinder sind sicher leichter zu betreuen als eines", glaubt er. Die Kinder würden sich gegenseitig unterhalten.

Als Vorbereitung für seine Arbeit hat er beim Jugendamt einen Kurs für Tagespflege besucht. Ernährung, Pädagogik und Erste Hilfe standen auf dem Programm. Am Ende erhielt er ein Zertifikat - als Tagesmutter. "In der Behördensprache ist wohl noch nicht angekommen, dass das auch Männer können", sagt Rose. Tatsächlich ist er nach wie vor ein Exot: Rose weiß nur von einem weiteren Tagesvater im Kreisgebiet. Und natürlich zieht er die Aufmerksamkeit der Umwelt auf sich, wenn er mit zwei Kleinkindern im Buggy, einem auf dem Board und einem auf dem Arm im Supermarkt oder auf dem Spielplatz auftaucht.

Rose ist schon auf Vorbehalte gegen ihn als Mann gestoßen. "Die Menschen erfahren so viel aus den Medien über Kindesmissbrauch", sagt er. "Wenn da einer denkt ,Oh Gott, ein Mann!' und vorsichtig ist, ist das doch nur normal." Nach seiner Erfahrung sind es eher Väter, die ihm seine Töchter nicht anvertrauen wollen.

Noch häufiger begegnet er allerdings Eltern, die bemängeln, dass in Kindergärten und Grundschulen überwiegend Frauen arbeiten. So auch die Mutter des 16 Monate alten Malin. "Sie ist alleinerziehend und hat explizit nach einem Tagesvater gesucht", sagt er. Ab Oktober sind bei Rose zwei Plätze frei und er ist entsprechend optimistisch, dass er dafür schnell Kinder finden wird.

Siehe "Kompetente Tagesväter"

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