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Kommt ein Bus am anderen vorbei? Der Test in der Praxis sollte es zeigen.

Hofheim

Praxistest für Busbahnhof in Hofheim

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Der Hofheimer zentrale Omnibusbahnhof wird barrierefrei umgebaut. Bei Probefahrten auf dem Hochheimer Weihergelände haben Experten die Computer-Planungen einem Praxistest unterzogen.

Lange haben sie im Hofheimer Rathaus nach einem Gelände gesucht, das groß genug ist, um darauf den künftigen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) nachzustellen. In Hochheim wurden die Experten fündig: Das Areal Am Weiher, auf dem jedes Jahr im Herbst der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Hochheimer Markt abgehalten wird, erwies sich als geeignet, um auszuprobieren, ob das, was in der Computersimulation scheinbar reibungslos funktioniert, auch dem Praxistest standhält.

Beim Ortstermin vor wenigen Tagen markieren Bauzäune und Steinklötze die Einfahrtschleuse für die Busse, wie sie die Planer für den neuen Busbahnhof der Main-Taunus-Kreisstadt zwischen S-Bahnhof und Alter Bleiche vorgesehen haben. Eine Fahrspur ist durch Warnbaken abgetrennt. Dort werden künftig die Taxen stehen, die auf Fahrgäste warten.

Immer wieder bläst Bernt Sapauschke vom Planungsbüro ZH in seine Trillerpfeife und lässt der Reihe nach die drei Busse heranfahren, die die Hessische Landesbahn (HLB) für den Test zur Verfügung gestellt hat. Auf den Boden aufgesprühte rote Linien zeigen an, wo die Busfahrer anhalten sollen, nachdem sie auf ihre Parkpositionen eingeschwenkt sind.

Dass eine vollbesetzte Haltespur für die Taxen gleich neben der Buseinfahrt an der Alten Bleiche eine Herausforderung für die Fahrer darstellen würde, sei von vornherein klar gewesen, sagt Hofheims Verkehrsplanerin Martina Koch. Umso wichtiger sei es die Pläne auf ihre Tauglichkeit in der Praxis zu überprüfen.

Mit dem Zollstock wird nachgemessen, ob die Barrierefreiheit beim Ein- und Aussteigen gegeben ist.

Tatsächlich muss an dieser Stelle Maßarbeit geleistet werden. Speziell der 18 Meter lange Gelenkbus schert gewaltig aus, als er um die Kurve fährt. Die Markierungen zu beiden Seiten werden aber von keinem der HLB-Busse berührt. Was die Planer ausgerechnet haben, funktioniert also.

Und dann geht es darum, dass das sogenannte „Spaltmaß“ an den Bussteigen möglichst klein gehalten wird. Der Abstand zwischen Fahrzeug und Fahrgaststeig und der Höhenunterschied darf nicht mehr als vier Zentimeter betragen, damit auch Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte problemlos ein- und aussteigen können. Der Hofheimer Busbahnhof werde barrierefrei umgebaut, sagt Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU). „Deshalb müssen wir darauf besonders achten.“

Bernt Sapauschke misst mit dem Zollstock nach und trägt die Ergebnisse in eine Liste ein. Ein ums andere Mal streckt er den Daumen nach oben. Die Vorschriften werden erfüllt.

Für die Prokuristin des Main-Taunus-Verkehrsverbundes, Birgit Hartmann, ist das Planspiel in Hochheim nicht der erste Praxistest, der vor dem Umbau eines Busbahnhofes stattfindet. Auf dem Neuenhainer Festplatz seien bereits die Planungen für den Bad Sodener Busbahnhof nachgestellt worden, berichtet sie. „Es ist gut zu wissen, dass das, was ein Computerprogramm ausgerechnet hat, auch in der Realität funktioniert.“

Dass es auch anders laufen kann, zeigt das Beispiel des Zentralen Omnibusbahnhofes in Bad Homburg. Dort wäre es vor zweieinhalb Jahren zu einem Planungsdebakel gekommen, hätte nicht der Leiter der Abteilung Straßenbau, Markus Philipp, noch einmal auf eigene Faust mit Zollstock und Maßband überprüft, ob die am Computer geplanten Kurven und Haltebuchten den Fahrern der Stadtbusse auch genug Platz zum Rangieren lassen. Ergebnis der Messungen: Sein Gefühl hatte Philipp nicht getäuscht – die Radien erwiesen sich tatsächlich als zu eng.

Das zeigte dann auch ein Praxistest auf dem Betriebshof, wo Markus Philipp die Maße des ZOB auf den Asphalt aufsprühen ließ. „Die Busse wären nur in Zeitlupe um die Kurven gekommen“, bestätigte damals Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU), der sichtlich froh war, dass ihm die Peinlichkeit erspart blieb, den Busbahnhof gleich nach der feierlichen Eröffnung wieder komplett umbauen lassen zu müssen.

Das Projekt

Der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) zwischen S-Bahnhof und Alter Bleiche der täglich von Tausenden Fahrgästen, darunter vielen Schülern frequentiert wird, soll barrierefrei umgebaut werden.

In die Planungen einbezogen sind auch das Areal rund um den Ambetbrunnen, die Bushaltestellen an der Hattersheimer Straße und das Parkdeck am Bahnhof.

Einen Grundsatzbeschluss zur Neugestaltung des ZOB hat das Parlament vor einem Jahr gefasst.

Bis 2020 sollen die Planungen abgeschlossen sein, damit ein Förderantrag gestellt werden kann.

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