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15 Bands spielten am Wochenende im Sportpark Heide, darunter die Gruppe Texas Local News.

Hofheim

Poesie über den Sinn des Lebens

5000 Fans lauschen Rockmusik und Lyrik beim Sommerschein-Festival. Vor 19 Jahren waren es nur eine Handvoll Leute, die beschlossen, dass Hofheim ein eigenes Rockfestival braucht. In der Stadt war ja nicht viel los.

Von Jöran Harders

Was ist der Sinn des Lebens? Leben natürlich! Die Gedichtzeile aus dem Text von Artem Zolotarov, den der 26-Jährige beim Poetry Slam auf dem Sommerschein-Festival vorgetragen hat, passte zur Stimmung auf dem Festival. Einfach leben, dabei Musik hören und entspannt in der Sonne sitzen – das taten die rund 5000 Musikfans, die am Wochenende zum Sportpark Heide gekommen waren. Zum 20. Mal gab es dort das Sommerschein-Festival, veranstaltet vom Verein Förderkreis Kultur regional.

Mit dem Poetry Slam startete das Programm am Samstagabend etwas leiser, nachdem am Freitagabend unter dem Motto „Der harte Freitag“ die Fans der ursprünglicheren Rockmusik auf ihre Kosten gekommen waren.

„Es wäre doch Verschwendung, Gedichte nur für die Schublade zu schreiben“, begründete Zolotarov, warum er sich auf der öffentlichen Bühne dem Urteil des Publikums stellte. Eine Jury bewertete die Vorträge der acht Teilnehmer nach einem Zehn-Punkte-System und nach dem Applaus aus den Reihen der Zuhörer. Zolotarov konnte sich am Schluss über den ersten Platz freuen.

Und weil die Besucher des Festivals ja nicht in erster Linie Gedichte, sondern vor allem Musik hören wollten, hatten die Veranstalter im Jubiläumsjahr besonders viele Bands eingeladen. 15 Gruppen waren am Start, darunter wie immer lokal, aber auch überregional bekannte Musiker. „Die Mischung verschiedener Musikstile ist uns sehr wichtig“, stellte Jacques Uhlemann, Vorsitzender des Vereins Förderkreis Kultur regional fest. Denn der Verein will mit dem Sommerschein-Festival ein möglichst breites Publikum ansprechen. „Das Sommerschein ist nicht nur für junge Leute, sondern für alle“, sagte Uhlemann. Deshalb gebe es zum Beispiel ein Kinderprogramm, damit sich auch Familien auf dem Festival wohlfühlen.

Selber etwas auf die Beine stellen

Es waren nur eine Handvoll Leute, die vor 19 Jahren beschlossen, dass Hofheim ein eigenes Rockfestival braucht. „In der Stadt war ja nicht viel los. Wir wollten aber nicht lamentieren, sondern selber etwas auf die Beine stellen“, blickte Karsten Lengwenus auf die Anfänge des Sommerscheins zurück.

„Wir habe das einfach mal ausprobiert und geguckt, was daraus wird“, ergänzte Carsten Hoffmann. Die beiden waren damals unter den Festivalgründern und engagieren sich bis heute im Verein Förderkreis Kultur regional. Im Laufe der Zeit sei das Festival dann immer größer und professioneller geworden.

Heute organisiert der Verein nicht nur das Sommerschein-Festival, sondern eine ganze Reihe weiterer Konzerte und Veranstaltungen und arbeitet dabei nach wie vor mit dem Hofheimer Jazzkeller zusammen. Diese zusätzlichen Veranstaltungen sollen das Festival noch bekannter machen und zur Finanzierung des Vereins beitragen. Weil beim Sommerschein kein Eintritt verlangt wird, müssen die Kosten durch Spenden und andere Einnahmen, vor allem dem Verkauf von Speisen und Getränken beim Festival, gedeckt werden. Dass das Sommerschein nach wie vor einen eher familiären Charakter hat und die ganz berühmten Bands anderswo auftreten, stört die Fans nicht – im Gegenteil.

„Zu den großen Rockfestivals gehe ich eher nicht“, sagte Markus. Der Hofheimer ist seit fast zehn Jahren regelmäßiger Sommerschein-Besucher. Jonas aus Kriftel war derselben Meinung: „Rock am Ring ist viel zu unpersönlich“. Beim Sommerschein könne man dagegen in netter Atmosphäre Musik hören und Freunde treffen. Das wollte auch Jörg. Der Niedernhausener freut sich, dass er mit dem Sommerschein ein Festival in der Nähe hat. So könne er abends nach Hause fahren und müsse nicht im Zelt schlafen.

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