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Denise Hepp (links) und Kalina Guerreiro Vinagre (Mitte) kümmern sich um Maria Simon (86).

Hofheim

Pflegeschüler auf dem Chefsessel

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20 Auszubildende der Gesundheitsakademie Main-Taunus leiten drei Wochen lang die geriatrische Station des Kreiskrankenhauses in Hofheim und bekommen viel Lob von den Patienten.

Kalina Guerreiro Vinagre geht ganz in ihrer Chefinnen-Rolle auf. „Ich liebe es, Dienstpläne zu schreiben“, sagt die 21-Jährige und strahlt über das ganze Gesicht. Nach ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, die sie im September abschließen wird, könne sie sich vorstellen, eine leitende Stelle in der Pflege anzustreben, sagt die junge Frau. „Die Arbeit mit den Patienten macht mir genauso viel Spaß wie das Organisieren und die Zusammenarbeit im Team mit Kollegen und Ärzten.“

Kalina Guerreiro Vinagre ist eine von 20 Auszubildenden der Gesundheitsakademie Main-Taunus, die seit Anfang der Woche eine Station der Geriatrie am Hofheimer Krankenhaus leiten beziehungsweise im Klinikalltag mitarbeiten, als wären sie bereits examinierte Krankenpfleger. Mit ihren fertig ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen haben sie für drei Wochen die Rollen getauscht. „Wir machen die Arbeit, und die erfahrenen Krankenschwestern und Pfleger schauen uns dabei über die Schulter“, erzählt Guerreiro Vinagre. Das sei vor allem beim Verabreichen von Medikamenten oder dem Wechseln von Verbänden wichtig, denn das dürften Pflegeschüler noch nicht alleine erledigen.

„Schüler leiten eine Station“, heißt das Projekt, das erstmals in den Main-Taunus-Kliniken läuft. Er hoffe, dass die Schülerinnen und Schüler durch das Planen und Organisieren des gesamten Stationsablaufes wichtige Erfahrungen sammeln könnten für ihren künftigen Berufsalltag, sagt Klinikgeschäftsführer Stefan Schad. Gleichzeitig könne ihr frischer Blick von außen der Arbeit in der Hofheimer Geriatrie neue Impulse geben.

Das Projekt 
20 Schülerinnen und Schüler der  Gesundheitsakademie Main-Taunus haben für drei Wochen die pflegerische Leitung einer geriatrischen Station des Krankenhauses Hofheim übernommen.

Das Projekt „Schüler leiten eine Station“ findet erstmalig in den Kreiskliniken statt und läuft bis Ende Mai.

An der Gesundheitsakademie gibt es 65 Ausbildungsplätze in der Gesundheit- und Krankenpflege. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Der Praxiseinsatz erfolgt vor allem in den Krankenhäusern Bad Soden und Hofheim und in der Seniorenresidenz Eppstein.

Warum just die Station, in der alte Menschen behandelt werden, für die Projekt ausgewählt wurde, erklärt Chefärztin Petra Wagner: Auf der Geriatrie sei die Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Therapeuten und Pflegepersonal besonders eng. Auszubildende würden diverse Krankheitsbilder – vom Herzinfarkt bis zu Parkinson – kennenlernen. Und sie könnten die sogenannte aktivierende Pflege üben, damit Senioren nach Operationen oder Stürzen wieder auf die Beine kommen. „Es ist wunderschön zu sehen, dass man Patienten, denen es nicht gut geht, mit ein paar netten Worten schon so viel helfen kann“, bestätigt Guerreiro Vinagre.

Vom Aufnahmegespräch über die Dokumentation von Krankheitsverläufen und Gesprächen mit Angehörigen bis hin zur Entlassung der Patienten liegt in der Hofheimer Geriatrie momentan alles in der Hand der Pflegeschüler. Auch der Qualitätsbeauftragte der Station und die Verantwortlichen für Medizintechnik und Hygiene sind Auszubildende der Examensklasse. Beim Thema Hygiene haben die Pflegeschüler für die Projektwochen eine neue Regelung eingeführt. Jeder Auszubildende sei für die Sauberkeit eines bestimmten Raumes zuständig, erzählt Guerreiro Vinagre. „Normalerweise macht das, wer gerade Luft hat. Das klappt nicht immer problemlos.“

Eine Menge Selbstvertrauen und Selbstsicherheit habe sie in den letzten Tagen dazugewonnen, erzählt auch Denise Hepp, die als Pflegeschülerin in die Rolle der stellvertretenden Bereichsleiterin geschlüpft ist. „Wir können viel für unser Examen lernen, unsere Handgriffe verbessern, die Abläufe auf Station im Detail erfahren.“

Die Reaktion von Patienten und Angehörigen, die auf einem Flugblatt über das Projekt informiert wurden, sind durchwegs positiv. Vier Wochen sei sie im Krankenhaus Höchst mit Chemotherapie behandelt worden und habe eine Herzschrittmacher bekommen, erzählt Maria Simon. „Jetzt muss ich wieder zu Kräften kommen.“ Ganz angetan sei sie von der ruhigen und entspannten Atmosphäre in der Hofheimer Geriatrie und den engagierten jungen Pflegekräften, sagt die 86-Jährige. Zielstrebig schiebt die Eppsteinerin den Rollator über den Flur. Im „Übungsbad“ trainieren Kalina Guerreiro Vinagre und Denise Hepp mit ihr, in die Badewanne zu steigen und zeigen ihr, wie sie am besten am Waschbecken steht. „In vielen Krankenhäusern läuft alles sehr hektisch ab. In Hofheim nehmen sich die Pflegekräfte Zeit für die Patienten“, freut sich Maria Simon. „Da kann ich mich gut erholen, damit ich bald nach Hause kann.“

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