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"Pflege ist mein Ding"

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Gabi Vitt ist neue Leiterin der Ökumenischen Diakoniestation für Eschborn und Schwalbach.
Gabi Vitt ist neue Leiterin der Ökumenischen Diakoniestation für Eschborn und Schwalbach. © FR/Müller

Gabi Vitt ist als neue Leiterin der Ökumenischen Diakoniestation in Eschborn zuständig für die Betreuung von 130 Patienten. Von Claudia Horkheimer

Von Claudia Horkheimer

Wenn die Angehörigen weinend in die Diakoniestation kommen, kurz vor dem Zusammenbruch, weil sie ihren Alltag zwischen Berufsarbeit, Haushalt, Familie und Pflege nicht mehr geregelt bekommen - spätestens dann ist es Zeit, Hilfe zu holen. "Es hat keinen Sinn, sich selbst unter Stress zu setzen und zu sagen, ich muss da jetzt durch", sagt Gabi Vitt über Angehörige, die ihre Verwandten pflegen.

Seit dem 1. Oktober leitet Gabi Vitt die Ökumenische Diakoniestation in Eschborn - und Pflege ist ihr "Ding", wie sie sagt. Die Mitarbeiter der Station betreuen derzeit 130 Patienten stundenweise in deren häuslichem Umfeld in Eschborn und Schwalbach.

"Doch besser, zu solchen Notsituationen kommt es erst gar nicht", sagt Gabi Vitt und stützt die Ellbogen auf ihren Schreibtisch. Man merkt der sympathischen 49-Jährigen an, dass sie gerne tut, was sie tut. Anderen helfen, das wollte sie schon als Kind, erzählt sie. Und sie hat es umgesetzt: Ihr erwachsenes Leben lang arbeitet sie Vollzeit im Pflegebereich, trotz berufstätigem Mann und zwei Kindern.

Mit 35 noch mal an die Uni

Zuerst war sie lange Jahre als examinierte Krankenschwester in Reha, Ambulanz und Stationär tätig. Ab 35 - ihre Kinder waren gerade sechs und sieben Jahre alt - absolvierte sie ein Studium zur Diplom-Pflegewirtin und setzte noch den Master of Gerontomanagement (Altenpflege-Management) in Mainz drauf. "Es dauerte Jahre, bis sich mein Umfeld damit abfand, dass ich noch mal studierte", sagt sie. Ihr Mann und ihre Eltern hätten jedoch immer unterstützt, sonst wäre das nicht möglich gewesen.

Sieben Jahre lang leitete Gabi Vitt dann die Diakonie-Pflegestation in Brechen bei Limburg. Doch an der neuen Stelle in Eschborn reizte es sie, auch ihre betriebswirtschaftliche Kompetenz zu beweisen. Dafür pendelt sie jeden Tag eineinhalb Stunden vom ländlichen Idyll ins Rhein-Main-Gebiet. Bisher habe sie vor allem Wirtschaftspläne studiert, sagt sie lachend. Dennoch ist ihr erster Eindruck von Eschborn, dass die Patientenstruktur anders ist als im ländlichen Brechen: "Dort haben wir mehr intakte Familien und nicht so viele Alleinlebende."

Trotz aller Zahlen und Verwaltungsaufgaben guckt die Katholikin gerne über den Tellerrand, beschäftigt sich mit Pflegewissenschaft und hält Vorträge und Seminare. "In der Pflege geht es nicht um die Heilung von Krankheiten, sondern darum, mit den Auswirkungen und Beeinträchtigungen von Krankheiten im Alltag leben zu lernen", sagt sie . Da spiele auch die Spiritualität hinein. Die Menschen würden durch Krankheiten oder Unfälle mitten aus dem gewohnten Leben gerissen und dann oft mit ihrem Schicksal hadern. "Mit dem Verlust der Selbstständigkeit geht auch der Verlust der Identität und des Selbstvertrauens einher", weiß Vitt. Dieses wieder aufzubauen, sei Ziel der Pflege. "Dieser Prozess kann bei manchen Patienten über Jahre gehen, andere schaffen es nie", sagt sie.

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