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Wohnhochaus am Schwalbacher Marktplatz.
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Wohnhochaus am Schwalbacher Marktplatz.

Schwalbach

Ohne Obdach

  • Torsten Weigelt
    VonTorsten Weigelt
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Eine 21-Jährige muss ihre Wohnung räumen und ist plötzlich ohne Obdach. Die Stadt sagt der jungen Frau nun Hilfe zu.

Robina S. ist verzweifelt. Denn der 21-Jährigen droht die Obdachlosigkeit. Ihr Vermieter hat ihr die Wohnung gekündigt, seit Ende des vergangenen Jahres muss sie mit der Zwangsräumung rechnen. „Jeden Tag kann die Polizei vor der Tür stehen“, befürchtet Albert Hausinger, der sich um Robina und ihre aus Afghanistan stammende Familie kümmert.

Eigentlich habe er nur einer von Robinas Schwestern Nachhilfe geben wollen, erzählt der Rentner. Doch das Schicksal der Familie habe ihn so bewegt, dass er es nun als Pflicht ansehe, ihr in der brenzligen Lage zu helfen. Zumal angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen damit zu rechnen ist, dass es in den nächsten Monaten und Jahren zu weiteren, ähnlich gelagerten Fälle kommt.

Es ist eine Mischung aus kulturellen Missverständnissen, deutschem Bürokratiedschungel und schlichtem Pech, die zu der schwierigen Lage geführt haben, in der Robina S. sich befindet. Seit mehr als einem Jahr wohnt sie gemeinsam mit ihrer Mutter und vier Geschwistern in zwei direkt beieinander liegenden Wohnungen am Marktplatz.

Rechtlich kein Vorwurf zu machen

Den Mietvertrag für eine der Wohnungen hat sie gemeinsam mit ihrem älteren Bruder unterschrieben. Die Miete wollten sich die beiden Geschwister teilen. Von Robinas Seite hat das auch funktioniert. Die 21-Jährige, die derzeit ihren Realschulabschluss an einer Frankfurter Schule macht und einen Ausbildungsplatz in einer Rechtsanwaltskanzlei in Aussicht hat, erhält Unterstützung nach dem Hartz-IV-Gesetz.

Ihr Bruder leistete seinen Anteil zunächst aus seinem Arbeitseinkommen. Als er arbeitslos wurde, ging das aber nicht mehr. Wegen Problemen mit Arbeitsamt und Jobcenter erhielt er auch keine Sozialleistungen, so dass die Geschwister mehrere Monate einen Teil der Miete schuldig blieben. Folge war die Kündigung.

In einem Verfahren vor dem Amtsgericht kam es im vergangenen Jahr zu einem Vergleich, in dem die Geschwister sich damit einverstanden erklärten, bis Ende 2015 die Wohnung zu räumen. Der Vermieterin, einer großen Wohnungsgesellschaft, sei rechtlich kein Vorwurf zu machen, betont Albert Hausinger. Doch das macht die Lage nicht einfacher.

Zur Restfamilie können die Geschwister nicht ziehen, weil sonst die andere Wohnung überbelegt gewesen wäre. Auch der Versuch, zu einer weiteren Schwester nach Frankfurt zu ziehen, wurde Robina verweigert. Zum einen wäre auch diese Wohnung dann nach Ansicht des Vermieters zu voll, zudem gilt für die 21-Jährige Residenzpflicht im Main-Taunus-Kreis.

„Ich will keine Luxuswohnung“

„Ich will keine Luxuswohnung“, sagt sie. „Ich brauche einfach nur ein Dach über dem Kopf.“ Alles, was sie in den vergangenen Wochen versucht hatte, blieb ohne Erfolg – weder Wohnungsinserate noch Aushänge noch Schreiben an die Wohnungsbaugesellschaften in der Umgebung.

Doch nun gibt es einen Hoffnungsschimmer. Möglicherweise kann die 21-Jährige in einer Wohnung der Nassauischen Heimstätte unterkommen. Von einer „glücklichen Fügung“ spricht die Leiterin des Schwalbacher Sozialamtes, Brigitte Wegener.

Aber auch wenn das nicht klappen sollte: „In Schwalbach muss niemand unter der Brücke schlafen“, betont Wegener. Eine klassische Obdachlosenunterkunft hat die Stadt zwar nicht. Im Fall der Fälle würden wohnungslose Menschen aber in einer Pension oder einer anderen Einrichtung untergebracht. „Wir würden Frau S. niemals auf der Straße stehen lassen“, verspricht Brigitte Wegener.

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