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Alfons Sohn (links) und Wolfgang Schwarz an ihrem geförderten Arbeitsplatz im Sozialkaufhaus.

Flörsheim

Neue Jobs für Langzeitarbeitslose in Flörsheim

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Der Main-Taunus-Landkreis übernimmt im Zuge eins neuen Förderprogrammes bis zu 100 Prozent der Lohnkosten. Die Finanzierung läuft über Bundesmittel.

Ich bin so froh, dass ich wieder regelmäßig zur Arbeit gehen kann“, sagt Alfons Sohn. Der 64-Jährige wiederholt diesen Satz mehrmals im Gespräch mit Journalisten, die gestern ins Flörsheimer Sozialkaufhaus „Tisch und Teller“ des Diakonischen Werkes Main-Taunus gekommen sind. Alfons Sohn ist dort seit 1. August fest angestellt, er berät Kunden, die Möbel und Geschirr kaufen wollen, kümmert sich um den Auf- und Abbau der Ausstellungsstücke und die Warenkontrolle.

Acht Jahre lang sei er arbeitslos gewesen, erzählt der ehemalige Metallarbeiter und Lagerlogistiker. Im Sozialkaufhaus hatte er schon einmal einen festen Vertrag, um wieder Fuß zu fassen in der Arbeitswelt. Als der auslief, machte Sohn auf ehrenamtlicher Basis weiter. Jetzt hat er einen zunächst auf zwei Jahre befristeten Arbeitsvertrag in der Tasche. Das Besondere daran: Der Bund übernimmt für diese Zeit zu hundert Prozent die Lohnkosten.

Eine bundesweite Gesetzesänderung ermögliche es den kommunalen Jobcentern seit Anfang des Jahres, Menschen, die lange Zeit ohne Beschäftigung waren auf diese Weise den Einstieg in den sozialen Arbeitsmarkt zu ermöglichen, erläuterte Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent Johannes Baron (FDP). Im Main-Taunus-Kreis kommen seinen Angaben zufolge rund 450 Menschen für diese Art der Förderung in Betracht, 48 hätten ihr Interesse bekundet. Bislang habe man im Flörsheimer Sozialkaufhaus zwei Stellen besetzt, die mit Bundesmitteln gefördert werden.

Neben Alfons Sohn hat dort auch Wolfgang Schwarz wieder eine Anstellung gefunden. Der 56-Jährige kann schon seit zehn Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Kfz-Mechaniker arbeiten, und repariert jetzt in der Fahrradwerkstatt des Sozialkaufhauses kaputte Drahtesel. Auch sein Vertrag sei zunächst auf zwei Jahre befristet, berichtete Kaufhausleiter Ulrich Lewin. „Wir haben aber vor, ihn danach zu verlängern, wenn alles passt.“ Im dritten Jahr übernehme der Bund 90 Prozent der Lohnkosten, im vierten und fünften Jahr seien es 80 beziehungsweise 70 Prozent, erläuterte der Leiter des Amtes für Arbeit und Soziales im Hofheimer Landratsamt, Joachim Werle. Gegebenenfalls seien auch Qualifizierungsmaßnahmen für die neu eingestellten Mitarbeiter möglich. Für Arbeitgeber sei das Programm, das den Titel „Engagement (Ent-) lohnt“ trägt, „extrem attraktiv“, ist Johanne Baron überzeugt. Er appelliert an die Wirtschaft, dem Jobcenter noch mehr Arbeitsplätze dazu anzubieten. Bisher haben sich seinen Angaben zufolge Industrieunternehmen und Sicherheitsfirmen gemeldet. Außerdem haben die Städte Hattersheim und Bad Soden sowie der Caritasverband und die Lebenshilfe Main-Taunus ihr Interesse bekundet, über das Förderprogramm Langzeitarbeitslosen Stellen anzubieten.

Das Programm

Arbeitgeber bieten einem Arbeitslosen ein zweiwöchiges unverbindliches Praktikum an. Wird er übernommen, zahlt der Kreis in den ersten fünf Jahren der Beschäftigung einen Zuschuss von bis zu 100 Prozent der Lohnkosten.

Zielgruppe des Förderprogrammes, das aus Bundesmitteln finanziert wird, sind Menschen, die mehr als sechs Jahres ohne Arbeit sind.

Mehr Infos gibt’s beim Arbeitgeberservice des Kreises (Telefon 06192/201-2488, E-Mail: rainer.berg@mtk.org).

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