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Neuanfang in Liederbach

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Suchen eine neue Heimat: Flüchtlingskinder aus dem Irak.
Suchen eine neue Heimat: Flüchtlingskinder aus dem Irak. © ddp

Zwei Familien aus dem Irak sind in den vergangenen Wochen im Flüchtlingswohnheim angekommen. Organisationen wie Pro Asyl begrüßen die Aufnahme der Irak-Flüchtlinge, fordern jedoch eine Ausweitung. Von Barbara Helfrich

Von Barbara Helfrich

In Liederbach sollen sie ihr Leben in Deutschland beginnen: Zwei Familien aus dem Irak sind in den vergangenen Wochen im Flüchtlingswohnheim angekommen. Ein Ehepaar hat nach Angaben des Kreises ein kleines Kind, das andere drei halbwüchsige Kinder.

Ein Asylverfahren müssen die Neuankömmlinge nicht durchlaufen. Sie gehören zu den 2500 Irakern, die Deutschland in diesem Jahr dauerhaft aufnehmen will. 1150 sind bereits eingereist. Die Kontingentflüchtlinge sind aus ihrer Heimat zunächst nach Syrien oder Jordanien geflüchtet. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR hat sie dort als besonders schutzbedürftig ausgewählt, weil sie religiösen Minderheiten angehören oder gefoltert wurden.

Organisationen wie Pro Asyl begrüßen die Aufnahme der Irak-Flüchtlinge, fordern jedoch eine Ausweitung, ein dauerhaftes Programm zur Neuansiedlung von Verfolgten. Pro 1000 Einwohner sollte in jeder Stadt ein Flüchtling unterkommen, so das Ziel der deutschlandweiten Kampagne "Save me". Im Main-Taunus-Kreis haben sie das evangelischen Dekanat, das katholische Bezirksbüro, die Caritas, das Diakonische Werk und die Ökumenische Wohnhilfe gestartet.

Mit ihrem Anliegen hat sich die lokale Save-me-Gruppe vor einigen Wochen an die Bürgermeister der zwölf Kommunen im Kreis gewandt. Erste Reaktionen auf den offenen Brief gab es bereits, berichtet Günter Adam vom katholischen Bezirksamt. Das Thema solle bei der Bürgermeister-Dienstversammlung im November besprochen werden, hieß die Antwort aus dem Bad Sodener Rathaus. Die Hofheimer Bürgermeisterin Gisela Stang habe angerufen und sich auch im Auftrag ihrer drei SPD-Amtskollegen über die Kampagne informiert. Ablehnend hätten Liederbach und Kelkheim reagiert, so Günter Adam. Liederbach habe darauf hingewiesen, dass bereits irakische Flüchtlinge in der Gemeinde leben, Kelkheim habe die Initiative ohne Begründung abschlägig beschieden.

Die Save-me-Kampagne will erreichen, dass Stadt- und Gemeindeparlamente sich bereit erklären, pro 1000 Einwohner einen Flüchtling zu integrieren - kreisweit wären das etwa 225 Menschen. Deutschlandweit haben nach Angaben der Organisatoren bereits 14 Kommunen einen entsprechenden Beschluss gefasst.

Über ein Programm zur dauerhaften Neuansiedlung von Flüchtlingen kann nicht auf lokaler Ebene entschieden werden. Dass Kommunen ihre Aufnahmebereitschaft demonstrieren, soll ein Signal an die Bundesregierung und die Innenminister der Länder sein.

Im Main-Taunus-Kreis hat die Save-me-Kampagne derzeit neun Unterstützer, die Flüchtlinge als Paten begleiten wollen. Auch den beiden Familien, die jetzt aus dem Irak über Umwege nach Liederbach gekommen sind, wollen sie nach Angaben von Adam den Neuanfang erleichtern. Deutschkurse sollen dabei einer der ersten Schritte sein.

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