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Die Eppsteiner Altstadt ist malerisch aber menschenleer.  

Eppstein

Mehr Leben für die Eppsteiner Altstadt

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Die Initiative „Zukunft Altstadt Eppstein“ will die Ideen der Urbanistin Turit Fröbe für die eigene Arbeit nutzen. Mehr als 150 Besucher kamen zum Vortrag der Berliner Stadtdenkerin ins Bürgerhaus.

Die Eppsteiner Altstadt ist malerisch: Kleine, verschachtelte Häuser, Fachwerk, Kopfsteinpflaster und über allem hoch aufragend die mittelalterliche Burgruine. Menschen sieht man in der historischen Kulisse jedoch kaum. Selbst tagsüber sind die Straßen wie leergefegt. Viele Läden haben geschlossen. „Das tut weh“, sagt „Stadtdenkerin“ Turit Fröbe. „Ihre Altstadt hätte viel Potenzial, sie wird aber nicht als Zentrum genutzt. Wenn Sie nicht aufpassen, stirbt sie Ihnen unter den Händen weg.“

Mehr als 150 Besucher sind am Dienstagabend ins Bürgerhaus gekommen, um von der Architekturhistorikerin und Urbanistin, die an der Universität der Künste Berlin lehrt, zu erfahren, was zu tun ist, um wieder Leben in die Eppsteiner Altstadt zu bringen. Dass das Viertel rund um die Burg „tot“ ist, und dass es dort auch die eine oder andere weniger schöne Ecke gibt, wissen die Eppsteiner. „Wir bräuchten Lösungen, wie man die Situation verbessern kann“, sagt eine Frau.

Das nächste Treffen der Initiative „Zukunft Altstadt Eppstein“ ist am Samstag, 8. Februar, 14 bis 18 Uhr. Der Ort wird noch bekannt gegeben. 


Sechs Arbeitsgruppen , die sich mit unterschiedlichen Themen berfassen treffensich dann zum Gedankenaustausch.

Wer Informationen möchte, kann eine e-Mail schicken an ZukunftAltstadtEpp@posteo.de. aro

Genau die hat Turit Fröbe aber nicht parat. Ihr Stadtdenker-Projekt diene der Aktivierung von Bürgern, erklärt sie den Zuhörern. „Wir können Impulse geben, Lösungen müssen Sie dann selbst finden.“ Ausführlich erzählt Fröbe über ein Stadtdenker-Projekt, das sie vor einiger Zeit mit ihren Studenten in Paderborn durchgeführt hat. Durch eine Art Verwirrstrategie sei es dort gelungen, die Bewohner spielerisch für ihre Stadt zu begeistern. „Wir stiften die Menschen an, selbst aktiv zu werden“, sagt Fröbe, die sich unter anderem mit den Abreißkalendern „365 Bausünden“ einen Namen gemacht hat. Eine Woche habe sie sich mit den Studenten in einem ehemaligen Ladengeschäft in Paderborn einquartiert, die Bürger animiert, selbst hässliche Stellen in der Stadt mit einem „liebevollen Blick“ zu betrachten“, Alltagswege zu beschreiben und Lieblingsorte zu benennen. Touristische Trampelpfade seien ausgespart geblieben, auch bei der Stadtwanderung, die das Team anbot. „Es geht uns immer darum, den Menschen einen neuen Blick auf ihre Stadt zu eröffnen“, sagt Fröbe. Durch Umdeutungen sei beispielsweise ein multikulturelles Wohnviertel zu einem Happening-Ort geworden.

Ehe sie zum Vortrag in den Eppsteiner Bürgersaal gekommen ist, hat Turit Fröbe einen Nachmittag lang die Eppsteiner Altstadt erkundet. Was ihr dabei am besten gefallen habe, will ein Zuhörer wissen. Die Antwort ist überraschend. Es sind keineswegs die bekannten Eppsteiner Sehenswürdigkeiten wie die Burg, der Kulturbahnhof oder der Bergpark Villa Anna, die Turit Fröbe nennt. In der Untergasse habe sie ein winziges Haus entdeckt mit drei Türen an der Längsseite, erzählt die Stadtdenkerin, „das hat mir gefallen“. Außerdem erinnert sie sich an ein Gebäude in der Hintergasse, an dessen Fassade sich das innen liegende Treppenhaus abdrückte. Und an eine beklebte Mülltonne, die jemand vor die Tür gestellt hatte. Die Stadtdenkerei sei ein spielerischer Ansatz, erläutert Fröbe. „Wenn man auch vermeintlich Hässliches schön sein lässt, verändert sich automatisch die Sichtweise.“

Abend mit Turit Fröbe

Zu dem Abend mit Turit Fröbe eingeladen hatten die Stadt und die Initiative „Zukunft Altstadt“, die die Grafikdesignerin Dorothea Lindenberg und die Innenarchitektin Gaby Erschens-Walldorf ins Leben gerufen haben. Mit dem Ergebnis und mit dem großen Interesse der Eppsteiner sind die beiden Frauen, die in der Eppsteiner Altstadt ein gemeinsames Büro haben, zufrieden. Turit Fröbe habe an dem Abend zwar kein Patentrezept für Eppstein präsentiert, „aber sie hat uns ein Instrumentarium an die Hand gegeben, das wir in unserer Stadt in abgewandelter Form testen können“, sagte Gaby Erschens-Walldorf der FR.

Mittlerweile hat die Initiative, die im Spätsommer gegründet wurde, rund 50 Mitstreiter, die regelmäßig zu Treffen kommen. Dass die Stadt mit Bürgermeister Alexander Simon (CDU) an der Spitze mit im Boot ist, finden Erschens-Walldorf und Lindenberg gut. „Dadurch sind wir noch schlagkräftiger.“

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