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Ein Mann der starken Worte

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Von: Torsten Weigelt

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Kochs Krawatte sitzt, da kann Berthold Gall beruhigt gehen.
Kochs Krawatte sitzt, da kann Berthold Gall beruhigt gehen. © M. Schick

Main-Taunus Abschied von Landrat Gall / Opposition lobt Schulbauprogramm

Sentimentalität sollte gar nicht erst aufkommen beim Abschied von Landrat Berthold Gall (CDU). Deshalb spielte das Symphonieorchester der Eichendorffschule auch nicht die üblichen Schnulzen à la „Time to say goodbye“, sondern im Kreishaus-Plenarsaal erklangen am Freitagabend die Rocky-Fanfare „Eye of the Tiger“ und die Titelmelodie des Piratenfilms „Fluch der Karibik“.

Zudem hatte Gall sich gewünscht, dass die Feier nicht nur das Ende seiner Amtszeit markieren sollte, sondern gleichzeitig auch den Neuanfang für Michael Cyriax (CDU). „Auf dich wartet viel Arbeit, aber auch viel Spaß. Du hast es drauf“, rief Gall seinem Nachfolger zu und überreichte ihm einen Taktstock, mit dem er künftig das Verwaltungsorchester dirigieren soll.

Zuvor hatte er in seiner Abschiedsrede noch einmal eindrucksvoll die Charakterisierung des langjährigen Ersten Kreisbeigeordneten Hans-Jürgen Hielscher (FDP) bestätigt: „Der Kerl geht durchs Gebüsch.“

Ohne die üblichen Floskeln ließ Gall seine zwölf Jahre als Landrat des Main-Taunus-Kreises Revue passieren. „Bei uns hat keiner den anderen gelinkt“, beschrieb er die Arbeit in der Kreisverwaltung. Der Fraport rief er zu: „Wer 650 Millionen Euro für Ticona bezahlen kann, muss auch 15 Millionen für die Menschen im Main-Taunus-Kreis übrig haben.“ Und den gescheiterten Versuch einer Kreisfusion mit dem Hochtaunus kommentierte er mit den Worten: „Wir sind wie Geschwister. Und die heiraten nun mal nicht!“ Solch kernige Sprüche dürften künftig seltener zu hören sein. Denn der Wechsel auf dem Landratssessel ist auch ein Wandel der Temperamente. Michael Cyriax, ein Mann der deutlich leiseren Töne, kündigte an, die Arbeit „auf meine Art“ weiterführen zu wollen. In einer mit vielen Bibelzitaten gespickten Rede sprach er von einer „Zeit der Umbrüche und Unsicherheiten“, für die der Kreis jedoch „genug Kraft“ besitze.

Da dürfte mancher an das akute Finanzloch bei den Kreiskliniken gedacht haben, aber auf kontroverse Debatten hatte an diesem Abend auch die Opposition keine Lust. Und so lobte Karl Thumser (SPD) Gall für sein 500 Millionen Euro schweres Schulbauprogramm und Albrecht Kündiger (Grüne) fand: „Gall könnte mit seiner unkonventionellen Art auch ein Grüner sein.“

Doch nicht nur die lokale Politik war da – auch Ex-Ministerpräsident Roland Koch und Wiesbadens Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) wollten sich persönlich von ihrem Weggefährten Berthold Gall verabschieden.

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