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In den Intensivbereichen in Hofheim und Bad Soden arbeiten die Ärzte und das Pflegepersonal jetzt in Zwölfstundenschichten.

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Main-Taunus-Kliniken: Pflege in Zwölfstundenschichten

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Verdi hält die Regelung an den Main-Taunus-Kliniken aktuell für unnötig und drängt darauf, die Mitarbeitervertretung einzubeziehen.

In den Intensivbereichen in Hofheim und Bad Soden arbeiten die Ärzte und das Pflegepersonal jetzt in Zwölfstundenschichten. Dies bestätigte eine Sprecherin der Main-Taunus-Kliniken auf Anfrage. „Da wir die Zahl der Betten vorsorglich erhöht haben und das hochqualifizierte Intensivpersonal nicht ad hoc verstärkt werden kann, ist die Maßnahme sinnvoll und notwendig.“ Das Personal sei motiviert und ziehe mit. Ein Schritt, der bei der zuständigen Verdi-Gewerkschaftssekretärin Hilke Sauthof-Schäfer auf Unverständnis stößt. Noch gebe es genug Kapazitäten in den umgebenden Kliniken. Die meisten hätten ihre Belegung um 50 Prozent zurückgefahren. Könnten jederzeit Patienten übernehmen. Nach einer Mitteilung der Klinik vom Dienstag werden vier mit Sars-CoV-2 Infizierte im Krankenhaus Hofheim behandelt, davon drei in der Intensivstation. Vier weitere Verdachtsfälle seien aufgenommen und ebenfalls isoliert worden.

Das Regierungspräsidium hat das Arbeitszeitgesetz außer Kraft gesetzt, die erst kürzlich eingeführten Personalmindeststandards hat Berlin wieder abgeschafft. Gleichwohl scheinen die Main-Taunus-Kliniken ein Einzelfall zu sein. Aus gutem Grund: „Bisher sind wir glücklicherweise nicht in so einer dramatischen Lage wie Italien“, sagt Georg Schulze-Ziehaus von der Gewerkschaft Verdi. „Doch das kann sich täglich ändern.“

Warme Worte reichen nicht

Erst am Dienstag in der Landtagssitzung wurden die Pflegeberufe wieder „Helden des Alltags“ genannt. Doch warme Worte helfen nicht weiter, wenn der Vorrat an Schutzkleidung sich dem Ende zuneigt. „Das sorgt für starke Unruhe“, sagt Sauthof-Schäfer. Spätesten in zwei Wochen seien die Lager der Krankenhäuser geräumt, ergänzt Schulze-Ziehaus. Und: „Viel dramatischer ist es noch in den Pflegeheimen.“

Das Problem brennt fast noch mehr als die Aussetzung der Arbeitszeiten. Konkret bedeutet dies: Zwölfstundenschichten und verkürzte Ruhezeiten. Einzelne Arbeitgeber seien der irrigen Meinung, man könne die Mitarbeitervertretung dabei übergehen. „Wenn eine Pflegekraft sieben Tage lang zwölf Stunden arbeitet, werden immer mehr Fachkräfte wegen Überlastung ausfallen.“ Deshalb sei es wichtig, ausreichende Ruhezeiten festzulegen. Und zwar jetzt, wo der mögliche Katastrophenfall noch nicht eingetreten ist.

„Es ist noch die Zeit für Verhandlungen“, sagt der Gesundheitsexperte bei Verdi. „Viele Kollegen werden sonst über ihre Kräfte hinaus arbeiten.“ Auch Sauthof-Schäfer fordert, so lange wie möglich das Personal zu schonen: „Sonst sind die Kollegen selbst krank, wenn es wirklich knapp wird.“

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