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Der Maakuh droht das Ende

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Die "Maakuh" in einer alten Ansicht.
Die "Maakuh" in einer alten Ansicht. © Stadtarchiv Aschaffenburg

Landrat Gall ist mit seiner Rettungs-Initiative wohl gescheitert. Der letzte Kettenschlepper seiner Art wurde verkauft. Von Claudia Horkheimer und Detlef Sundermann

Von Claudia Horkheimer und Detlef Sundermann

Der letzte Kettenschlepper vom Main zwischen Hanau und Aschaffenburg kann kein öffentliches Industriedenkmal werden - denn ein Schrottverwerter schnappte einem Förderverein das historische Verkehrsmittel vor der Nase weg. Für den Main-Taunus-Kreis, der den Aufruf zur finanziellen Unterstützung der Rettungsaktion machte, ist aber noch längst nicht gesagt, dass der Kahn in der Schrottpresse landet. "Die Maahkuh steht weiterhin unter Denkmalschutz.

Wir bleiben am Ball", sagte Kreis-Pressereferent Johannes Latsch der FR und kündigt Gespräche zwischen Landrat Berthold Gall (CDU) und der Stadt Aschaffenburg an. Gall hatte im August eine Initiative gestartet und die 80 Gemeinden, Städte und Kreise entlang des Mains aufgerufen, sich an der Rettung der Maakuh zu beteiligen. Ziel ist, das Industriedenkmal für die Öffentlichkeit zu erhalten - egal, an welchem Ort. Als Ultima Ratio war sogar Flörsheim im Gespräch. Erste Zusagen von Kommunen hatte es bereits gegeben, so Latsch. Mit im Boot waren neben dem Main-Taunus-Kreis die Städte Frankfurt, Hanau, Flörsheim, Kelsterbach und die Gemeinde Mainhausen.

Doch trotz eines Kaufangebots des Vereins über 7000 Euro an den Besitzer hat dieser die Maakuh überraschend an den Aschaffenburger Schrott-Unternehmer Bernhard Westarp veräußert. "Wir haben viele Leute und Partner aufgetrieben, um das Schiff zu retten, und jetzt das", klagt Johannes Büttner, Sprecher der Initiative. Westarp besitzt am Industriehafen Aschaffenburg-Nilkheim einen Entsorgungs- und Recyclingbetrieb und soll die Maakuh bereits aus dem Wasser gehoben haben.

Westarp ist weder für den Förderverein noch für die Medien zu sprechen. "Auch wenn wir nicht den Zuschlag erhalten haben, würden wir Westarp bei einer Restaurierung unterstützen", sagt Büttner.Der 110 Jahre alte Königlich Bayrische Kettenschlepper war zuletzt für Gastronomie genutzt worden. Bis vor gut 70 Jahren fuhren Kettenschlepper mit bis zu einem Dutzend Lastkähnen im Schlepp wie an der Schnur gezogen auf dem Main zwischen Hanau und Bamberg.

Die Schlepper hangelten sich an einer im seichten Flussbett liegenden Kette entlang. Als der Main zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer mehr Staustufen erhielt und der Pegel für andere Schiffsantriebe tauglich wurde, wurden die Kettenschlepper überflüssig. 1937 wurde das letzte Stück der insgesamt mehr als 390 Kilometer langen Kette, die ursprünglich bis Mainz reichte, aus dem Main geholt. Die acht Kettenschlepper auf der Strecke Hanau-Aschaffenburg wurden auf einem Schlag nutzlos. Das Tuten des Dampfhorns, das dem Wasserfahrzeug den Beinamen Mainkuh oder Maakuh gab, verstummte.

Wegen ihres großen Schwimmkörpers - mehr als 50 Meter lang, über sieben Meter breit - fand sich für manche Mainkuh eine neue, wenngleich stationäre Verwendung. Die letzte ihrer Art, um die es jetzt geht, diente 50 Jahre lang als Gastronomieschiff bei Aschaffenburg. Der Rumpf wurde komplett mit einem Aufbau versehen. Die Restaurantnutzung wurde inzwischen aufgegeben. Der Schwimmkörper befindet sich in einem elenden Zustand. Wasser dringt in den Rumpf, der ständig gelenzt werden muss, um ein Absaufen zu verhindern. Der rund 130 Tonnen schwere Schlepper musste aus Sicherheitsgründen seinen Liegeplatz verlassen. Über Wochen bot der Schutzhafen in Erlenbach/Franken eine Bleibe.

Schnell gründete sich der Aschaffenburger Verein "Technikdenkmal Maakuh" und setzte sich für ihren Erhalt ein. Bernhard Kessler, Dezernent im Referat Stadtentwicklung von Aschaffenburg, glaubt nicht, dass der Kettenschlepper in der Schrottpresse landet - zumindest nicht der Unterbau. "Der Rumpf, die technischen Einrichtungen und die soweit noch vorhandene Kapitänskajüte sind als Kulturdenkmal geschützt", sagt Kessler. Er merkt aber an, dass eine schwimmfähige und vollständige Wiederherstellung des Originalschleppers ein kostspieliges Unterfangen darstellen würde: Laut einer Schätzung werde ein sechsstelliger Betrag benötigt.

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