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Luxuswohnungen statt Hotel

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Von: Andrea Rost

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Sechs Häuser mit insgesamt 46 Wohnungen entstehen. Die Interessenten stehen Schlange.
Sechs Häuser mit insgesamt 46 Wohnungen entstehen. Die Interessenten stehen Schlange. © Wilma Süd

Das Hotel am Rosenberg in Hofheim wird abgerissen. Bis Mitte 2020 sollen auf dem Grundstück sechs Mehrfamilienhäuser stehen.

Da, wo bis vor wenigen Monaten die Autos der Hotelgäste parkten, stehen jetzt schwere Baumaschinen. Vor dem Eingang des Hotels am Rosenberg breitet sich eine Schotterwüste aus. Das Areal ist durch Bauzäune abgesperrt. Der Gebäudekomplex dahinter wirkt heruntergekommen. Bauarbeiter montieren gerade das Geländer der Restaurantterrasse ab. Eine Säge kreischt lautstark im Hintergrund.

Ein paar Wochen soll es dauern, bis das Hotel, das in den letzten Jahren viel Staub in der Hofheimer Kommunalpolitik aufgewirbelt hat, dem Erdboden gleichgemacht ist. Der Frankfurter Bauträger Wilma Süd, der das Hotel samt 7000 Quadratmeter großem Areal gekauft hat, lässt die Hotelgebäude mit 70 Zimmern, Tagungsräumen und einem Restaurant abreißen. Am Waldrand in Marxheim soll ein edles neues Wohngebiet entstehen. Unter dem klingenden Namen „Hofheim Logen“ wird es auf Transparenten an der Baustelle und im Internet angepriesen. Sechs Wohnhäuser mit 46 Eigentumswohnungen, darunter zwei Penthäuser, sind geplant. Pro Quadratmeter müssen Interessenten deutlich über 5000 Euro hinlegen.

Sorgen, dass sich für diese stolze Summe keine Käufer finden, hat Wilma-Prokurist Ralf Sadowski nicht. „Auf unserer Liste stehen 250 Interessenten“, sagte er der FR. Die Wohnlage am Rosenberg mit Blick über Hofheim bis zur Frankfurter Skyline sei heiß begehrt.

Jahrelang hatten Zukunft und Vergangenheit des Hotels am Rosenberg die Hofheimer Kommunalpolitiker beschäftigt. Gestritten wurde darüber, ob mitten im ohnehin schon dicht bebauten Marxheimer Wohngebiet weitere Wohnhäuser entstehen sollen. Das Drei-Sterne-Hotel sei nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben argumentierte Hotelbesitzer Hans-Josef Vogler, der der Stadt einst Weiterbetrieb und Ausbau des 70-Betten-Hauses zugesichert hatte und im Gegenzug das Grundstück für wenig Geld von der Kommune kaufen konnte. Den vereinbarten Aufpreis von einer Million Euro musste er auch nicht bezahlen, als der Ausbau wegen Einwänden des Regierungspräsidiums scheiterte. Linken-Vertreter Bernd Hausmann sprach vom „Rosenberg-Deal“, vermutete gar, Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) habe Vogler Vorteile gewährt und zeigte sie und Baustadtrat Wolfgang Winckler (SPD) bei der Staatsanwaltschaft wegen Untreue an. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Auch ein Akteneinsichtsausschuss des Parlaments konnte nicht alle offenen Fragen klären.

Am Ende stimmte eine breite Parlamentsmehrheit dafür, aus dem Hotelgelände ein Wohngebiet zu machen. Ende letzten Jahres wurde der Bebauungsplan beschlossen. Und der Bauträger Wilma Süd, der, wie es heißt acht Millionen Euro für das Grundstück mit Hotel darauf an Vogler bezahlt hat, kann nun endlich die bereits 2014 präsentierten Architektenpläne umsetzen. Rund zwei Jahre werde es dauern, die sechs Mehrfamilienhäuser hochzuziehen, sagte Ralf Sadowski der FR. Zuvor seien noch umfangreiche Erdarbeiten nötig. Das Gelände müsse neu modelliert werden. Geplant sei auch eine Tiefgarage mit 100 Stellplätzen.

Proteste der Anwohner sind mittlerweile verstummt. Viele hatten Sorge, die neuen Wohnhäuser würden einen Verkehrskollaps im Viertel auslösen, und die ohnehin marode Kanalisation werde durch die neuen Bewohner überlastet. „Es gibt Gutachten, die belegen, dass wir durch Entsiegelung von Flächen die Kanäle sogar entlasten“, sagt Ralf Sadowski. „Wir bauen für die Hofheim Logen mehr Parkplätze als wir ursprünglich vorhatten. Und wir haben die Gebäudehöhen auf zwei Geschosse plus Staffelgeschoss reduziert. Das hat die Nachbarn wohl überzeugt.“

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