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Selbstbestimmtes Leben im Alter

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Bauprojekt Main-Taunus-Residenz vorgestellt / Caritas betreibt WG und Tagespflege

Liederbach - Der Mann ist um die 80, seine Frau etwas jünger. Bei ihr setzt eine Demenz ein. Beide haben eine der 37 Eigentumswohnungen in der neuen Main-Taunus-Residenz im Baugebiet „Quartier Mixte“ gekauft. Doch was, wenn die Frau nicht von ihrem Mann betreut werden kann? Das Bauprojekt, das die Firma Jökel Bau aus Schlüchtern realisiert und im April 2024 fertigstellen will, könnte eine Antwort liefern. Die Caritas Main-Taunus wird dort eine Wohngemeinschaft für ältere Menschen und eine Tagespflege einrichten. Bausteine, die helfen könnten, um dem Paar „die Trennung zu ersparen“, wie Bürgermeisterin Eva Söllner hofft.

Gestern nun haben die Gemeinde, Jökel Bau, Vermarkter Vetter und Partner sowie die Caritas das Projekt vorgestellt. Laut Peter Jökel, Geschäftsführerer Gesellschafter, liegt der Bau voll im Zeitplan. Ende 2022 wolle die Firma den Rohbau abschließen. Das Unternehmen realisiere seit Jahren auch Senioren-Immobilien mit der Vorstellung, „dass es der letzte Umzug sein soll“ für die Menschen, so Jökel. Partner Caritas werde das Konzept in Liederbach mit Leben füllen. Die Organisation wird drei Angebote machen. Eine Wohngemeinschaft im Erdgeschoss eines der drei Häuser mit elf kleinen Appartements von rund 20 Quadratmetern samt kleinem Bad, zudem Gemeinschaftsflächen mit Küche, Hauswirtschafts- und Personalraum, Terrasse. Eine Tagespflege mit 20 Plätzen im Parterre von Haus 3 für Menschen aus allen Pflegestufen. Die Caritas hat beide Bereiche erworben. Die Appartements werden vermietet bei Kosten von rund 3300 Euro im Monat inklusive Hauswirtschaft, Betreuung, Nachtbereitschaft, Haushaltsgeld.

Die Caritas will zudem einen Stützpunkt betreiben. Die Bewohner müssten das aber mit Leben füllen, wenn sie zum Beispiel Lesungen, Englisch-Kurse oder Gymnastik-Angebote wollen. Die Caritas betritt bei der Tagespflege Neuland, betreibt aber bereits vier WGs in Hofheim. Vor allem sei das selbstbestimmte Wohnen ein wichtiger Pluspunkt. Dadurch seien die Menschen im Alter auch viel motivierter, weiß Bereichsleiterin Kerstin Jährling-Roth. Die stationäre Unterbringung entspreche längst nicht mehr allen Bedürfnissen, weiß Caritas-Vorstand Torsten Gunnemann. Die Menschen wollten „möglichst individuell und selbstbestimmt“ leben. Deshalb treffe das neue Liederbacher Projekt „den Nerv“. Die Herausforderung werde einerseits die Suche nach Fachkräften sein. Kein Wunder, dass die Bürgermeisterin schon von „einer kleinen Erfolgsgeschichte spricht“.

In die Residenz investiert Jökel rund 21 Millionen Euro. Die 37 Eigentumswohnungen wurden zunächst mit einem Vorrecht den Liederbachern angeboten, womit 90 Prozent der Einheiten schon vergeben wurden. Es wird auch die Liederbacher Physiotherapie Seipp samt medizinischem Trainingszentrum einziehen. Zudem gibt es ein Forum mit Teeküche, Bibliothek, Gästezimmer für Besucher, Naturgarten mit Außenschach, Pavillon und Bienenstock.

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