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Rechenzentrum auf der Coca-Cola-Fläche

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Offizielle Mitteilung immer noch in Abstimmung, aber Neuigkeiten und Disput im Bauausschuss

Liederbach - Positiv formuliert, setzt sich das Puzzle Stück für Stück zusammen. Negativ betrachtet, kommen die Neuigkeiten sehr schleppend und scheibchenweise ans Licht. Es geht um das Dauerthema in der Gemeinde: die Zukunft der Fläche des ehemaligen Coca-Cola-Werks am Sindlinger Weg. Im Bauausschuss hat Bürgermeisterin Eva Söllner (CDU) nun wieder einen Baustein in dieser langwierigen Geschichte hinzugefügt. Offiziell verkündete sie, was sie in den Monaten zuvor schon angedeutet hatte: Das rund 70 000 Quadratmeter große Areal wurde vor knapp zwei Wochen von einem Unternehmen aus Nordeuropa gekauft, das Rechenzentren betreibt.

Sie habe aber „immer noch nicht die Freigabe“, den Namen des Konzerns zu nennen, bedauerte Söllner im Ausschuss. Aktuell werde eine gemeinsame Pressemitteilung zwischen dem Käufer und Verkäufer Coca-Cola abgestimmt. Schon vor knapp drei Wochen hieß es auf Anfrage dieser Zeitung vom ehemaligen Eigentümer, es werde täglich mit einem Vollzug und einer offiziellen Information gerechnet. Inzwischen ist bald Jahrestag: Ende September war die Bieterfrist für Interessenten der Fläche abgelaufen. Seitdem läuft der Entscheidungs- und Beratungs-Prozess. Die Bürgermeisterin kündigte im Ausschuss an, sofort nach der Bekanntgabe des Verkaufs weitere Gespräche mit dem Investor suchen zu wollen. Ziel sei es, so schnell wie möglich auch mit der Kommunalpolitik einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan auf den Weg zu bringen. Denn die Gemeinde hat einige Wünsche, die sie fixieren will.

Bürgermeisterin contra Ausschussmitglieder

Zum einen wird sie die beiden Tiefbrunnen 3 und 4 auf dem ehemaligen Cola-Areal übernehmen, der Kontrakt dafür stehe kurz vor dem Abschluss. Zum anderen haben Verwaltung und Politik schon deutlich gemacht, dass sie auf der Fläche nicht nur ein riesiges Rechenzentrum sehen. In einem städtebaulichen Vertrag sollen der Umzug des derzeit beengten Wertstoffhofes von der anderen Straßenseite, ein Parkhaus sowie Ladesäulen für Elektroautos fixiert werden, so Söllner. Ein Planungsbüro soll das unter einen Hut bringen, die Kosten dafür der Investor tragen. Mit einem Jahr Planungszeit für den Bebauungsplan wird gerechnet.

Den Nachrichten folgte die Diskussion. Die FDP zum Beispiel möchte, dass die Gemeinde das Planungsbüro aussucht, das die Interessen der Kommune und nicht des Investors vertrete. Einig waren sich die Ausschuss-Mitglieder, die Entscheidung dort abzuwarten, bevor gegenüber das Baugebiet „Westlich Sindlinger Weg“ weiter in Angriff genommen wird. Die Politiker sehen einen unmittelbaren Zusammenhang beider Projekte. Die Bürgermeisterin weniger. Das hat sie bereits mehrmals angemerkt, wofür sie nun im Ausschuss Kritik erntete. Sie wolle „über die Presse Druck ausüben“, warf ihr die FWG vor.

Sie habe immer betont, dass die Abwärme des Rechenzentrums für das Baugebiet gegenüber genutzt werden soll. Ansonsten sehe sie den unmittelbaren Zusammenhang nicht. „Westlich Sindlinger Weg“ sei ein laufendes Verfahren. Der aktuelle Punkt, die Besprechung des Abwägungsdokuments, liege fast ein Jahr unbearbeitet im Ausschuss. Das Gremium habe die „Verpflichtung, es weiterzuführen“ oder müsse „klar Stellung beziehen, es nicht zu wollen“. Auch der Investor brauche ein „klares Signal“.

Die Fraktionen indes wehrten sich gegen den Vorwurf, eine eigens dafür gebildete, interne Arbeitsgruppe sei untätig gewesen. „Sie hat gute Arbeit geleistet“, so FWG-Chef Thomas Kandziorowsky. Und sie habe mehr als einmal getagt. Neue Parameter in Verbindung der beiden Projekte könnten nun ja noch berücksichtigt werden.

Am Ende waren sich Verwaltung und Politik wieder einig: Das Thema soll als Dauerpunkt auf der Tagesordnung im Bauausschuss bleiben. Und bis dahin warten alle gespannt darauf, wann das Coca-Cola-Geschäft nun offiziell verkündet wird.

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