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Blick auf den Liederbach. (Illustration)

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Demokratie heißt streiten - auch wenn es nur um Sitzbänke geht.

Die Mitglieder des Ortsbeirats 6 plagt ein seltsamer Komplex. Immer wenn sie über ein Thema etwas intensiver diskutieren, wird ihnen das peinlich. Was sollen die Bürger bloß von uns halten, scheinen sie zu denken, dass wir uns jetzt so zanken. Beiratsmitglieder bezeichnen ihr Gremium auch mal despektierlich als Karnevalsverein. Aber genau das ist parlamentarische Demokratie. Wir Bürger geben unsere Entscheidungsbefugnisse an Vertreter ab und erwarten, dass die verantwortungsbewusst damit umgehen. Soll heißen: unsere Interessen vertreten, diskutieren, sich streiten, den politischen Gegner mit guten Argumenten zu überzeugen versuchen.

Genau das ist bei den Bänken am Liederbach nicht geschehen. Die sind ohne Diskussion und Beschluss einfach verschwunden. Einzelne Ortsbeiräte haben den kurzen Dienstweg zur Verwaltung gesucht, um Bürgerwünsche, womöglich gar berechtigte, am Parlament und damit an der demokratischen Legitimierung vorbeizumogeln. Das ist viel verwerflicher, als eine ausufernde Diskussion über scheinbar belanglose Themen zu führen. Der Schritt von unbedarfter Bürgernähe zu Klüngelei und Korruption ist kein allzu großer.

Man blicke nur zum Adlhochplatz nach Sachsenhausen. Auch dort hat die Stadt die Bänke abgebaut, aber nach langer, harter Diskussion im Ortsbeirat 5. Der Beschluss, den die Mehrheit gefasst hat, mag schmerzhaft sein, was eine anhaltende Debatte samt Demos befeuert. Aber auch das ist Demokratie, sich wegen ein paar Bänken über Jahre hinweg herumzustreiten.

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