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Liederbach: Stiftung startet Inklusionsprojekt

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Von: Andrea Rost

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Seit einem Brand im Jahr 2017 ist das Flüchtlingsheim in Liederbach unbewohnbar. Jetzt wird es abgerissen.
Seit einem Brand im Jahr 2017 ist das Flüchtlingsheim in Liederbach unbewohnbar. Jetzt wird es abgerissen. © Monika Müller

Die Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung bietet in Liederbach bald betreutes Wohnen für Senioren und junge Erwachsene mit Behinderung an. Ein marodes Flüchtlingsheim wird dafür abgerissen.

Es gibt noch keine Informationsbroschüre und auch das Marketing für das inklusive Wohnprojekt „Am Park“ in Liederbach ist noch nicht gestartet. Trotzdem verzeichnet die Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung aus Frankfurt bereits reges Interesse. „Wir haben mehr als 50 Anfragen für die geplanten 40 Wohnungen, allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda“, sagte deren geschäftsführender Administrator, Bernolph Freiherr von Gemmingen-Guttenberg der Frankfurter Rundschau. Das habe vermutlich mit dem besonderen Konzept zu tun, das die Stiftung in der Taunusgemeinde verwirklichen möchte. Die Wohnungen mit Serviceangeboten und einer ambulanten Pflegestation im Haus sollen nicht nur an Seniorinnen und Senioren vermietet werden, sondern auch an jüngere Menschen mit körperlichen Einschränkungen. „Die traditionellen Träger bieten so etwas bisher nicht an“, sagt von Gemmingen-Guttenberg. „In Liederbach könnte ein deutschlandweites Pilotprojekt entstehen.“

Bebauung wird abgerissen

Auf dem Grundstück mit der Adresse Alt-Oberliederbach 10 stehen aktuell noch heruntergekommene Backsteingebäude. Als Auszubildendenwohnheim der Hoechst AG wurden sie in den 1960er-Jahren errichtet, zuletzt waren in dem Hochhaus und dem daneben liegenden Flachbau fast 100 Asylsuchende untergebracht. Wegen Schimmel an den Wänden, undichter Fenster und desolater Sanitäranlagen geriet das größte Flüchtlingsheim des Main-Taunus-Kreises immer wieder in die Schlagzeilen. Nach einem Brand im Jahr 2017 wurden die Gebäude unbewohnbar. 2020 verkaufte der Landkreis die Liegenschaft an die Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung.

Bei Planung des „Cronstetten-Hauses“ am Frankfurter Westhafen habe man die Erfahrung gemacht, dass am Servicewohnen, das für Menschen ab 65 Jahren gedacht war, auch Jüngere Interesse zeigten, die im Alltag Hilfe brauchten. „Der Student, der nach einem Motorradunfall querschnittsgelähmt ist, oder die Mittdreißigerin, die durch ihre MS-Erkrankung körperlich eingeschränkt ist“, nennt Bernolph Freiherr von Gemmingen-Guttenberg als Beispiele. Auch für diese Zielgruppe sei das Wohnprojekt in Liederbach nun gedacht. „Wir sind keine Experten auf dem Gebiet, tasten uns vor“, sagt der Administrator. Man sei im Führungsgremium der Stiftung aber zuversichtlich, dass das inklusive Konzept funktionieren könne.

Für den Neubau in Liederbach wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt das auf Holzbauten spezialisierte schwedische Architekturbüro „White Arkitekter“, das mehrere Gebäude mit Wohnungen und Gemeinschaftsräumen errichten will, die den alten Liederbacher Dorfkern und den vom Frankfurter Gartenarchitekten Heinrich Siesmayer gestalteten Oberliedercher Park miteinander verbinden sollen.

In der kommenden Woche werden die alten Gebäude ausgeräumt und anschließend abgerissen. Die Baugenehmigung soll bis zum Sommer vorliegen, im Herbst könnte Baubeginn für das „Haus Hynsperg“ in Liederbach sein.

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