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Der Eingang zum Liederbacher Mais-Labyrinth.

Liederbach

Mit Atemschutz durchs Maislabyrinth

  • vonJürgen Streicher
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Irrungen und Wirrungen zwischen Taunuskamm und Flughafen-Landebahn. 55 000 Quadratmeter stehen für junge und alte Entdecker zur Verfügung.

Die Sonnenblumen nebenan sehen aus, als hätten sie zu viel Sonne abbekommen. Der Mais aber steht hoch, ziemlich hoch jedenfalls. Ordnungsgemäß für die Jahreszeit, sagt Pascal Fischer. Deutlich mehr als zwei Meter vom trockenen Boden bis in die Maishaarspitzen ragt er an vielen Stellen. Bis zu drei Meter misst der junge Landmann auch mal in guten Jahren. Das reicht für Irrungen und Wirrungen, die hier ausdrücklich gewünscht sind. Für die zentrale Zielgruppe allemal, sie kann durchs Maislabyrinth irren und schwirren, flitzen und rennen, hin und her und her und hin, dass es ein Jauchzen und eine Freude ist. Das große Begleitpersonal muss sich da schon ranhalten, aber egal, noch hat jeder am Ende den Weg zurück aus dem Mais auf die trockene Steppe drumherum gefunden.

Im Maisfeld am Ortsrand von Liederbach ist noch keiner verloren gegangen, versichert Pascal Fischer lachend. Der 25-jährige Spross einer Landwirtsfamilie, die hier rund 100 Hektar Ackerland bewirtschaftet, macht „sein Ding“ auf einer 55 000 Quadratmeter großen Teilfläche des Familienbetriebs. Zum knapp dreieinhalb Hektar großen Maislabyrinth kommen noch fünf Kindergeburtstagspartyzelte mit direktem Anschluss ans Labyrinth, ein 18-Loch-Farmergolf-Kurs mit ganz besonderen Hindernissen und verschiedene andere Belustigungen samt Versorgungszelt mit Getränken, Eis und kleinen Nahrungsergänzungsmitteln.

Von Anfang August bis Ende September ist das ein lukratives Nebengeschäft für die Fischers, dann wird das Maisfeld abgeräumt. „Es wird landwirtschaftlich genutzt, das muss gegeben sein“, so der Jungunternehmer. Mit Futtermais wird das letzte Geld verdient, das Maislabyrinth in der Main-Taunus-Ebene mit Blick auf startende Flugzeuge von Rhein-Main gehört zu den großen dieser Art in Hessen. Die Halloween-Party muss allerdings ausfallen im Corona-Jahr, da war kein Konzept zu stricken.

Mais und mehr

Das Maislabyrinth am Hofheimer Weg ist Sa. und So. von 10-19.30 Uhr und Do. und Fr. von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Die Tickets kosten 5 Euro für Kinder und 7 Euro für Erwachsene. Es gibt sie an der Tageskasse und im Internet unter: maislabyrinth-liederbach.de

„Paul’s Bauernhof“ in Wallau bietet ein weiteres Labyrinth an. Es liegt an der Theodor-Heuss-Straße Richtung Nordenstadt und ist Mo. bis Fr. von 13 bis 19 Uhr (2 Slots) und Sa. und So. von 10 bis 19 Uhr (3 Slots) geöffnet. Eintritt: 3 und 5,50 Euro.

Mund- und Nasenschutz ist an beiden Orten verpflichtend.

Die „Maisgeister“ von Bauer Bickert in Oberursel-Weißkirchen machen dieses Jahr Coronapause.

Selina (23) ist schon ein paar Jahre mit Spaß dabei, wenn der Mais sprießt. „Cooler Job, schöne Abwechslung“, sagt die junge Frau, man spürt, dass sie gerne die „Empfangsdame“ auf dem Acker gibt. Auch wenn diesmal alles anders ist, sie auf viel mehr Regeln hinweisen muss. Und der erste Irrweg nach der Handdesinfektion schon vor der Tageskasse gemeistert werden muss.

Eric (2) und Mama verlustieren sich beim Farmergolf.

Immer ums Eck, an Seilen und Pfosten entlang, an rot-weißen Flatterbändern, wie am Flughafen. Das ist nötig, gestern etwa waren die ersten beiden von drei „Slots“ für Besucher schon vorab online gebucht. So ist das heute im Maisfeld. „Schon 20 Minuten vor der Zeit standen die heute an“, lacht Selina. Die Glücklichen. Durften noch in Ruhe umherirren. Wenig später schon geht es zu wie im Irrenhaus, hätte man früher gesagt. Bis zu 250 Menschen pro Slot sind genehmigt, Begegnungsverkehr an jeder Weggabelung, auf 3,75 Meter hat Pascal Fischer die Wege verbreitert, um das rechte Abstandsmaß einhalten zu können.

Einen Moment der Stille gibt es nicht, nicht mal in einer der vielen Sackgassen, die zu so einem Labyrinth gehören. Zusätzliche Orientierung neben den akustischen Signalen der starken Kinderfraktion bieten eine kleine begehbare Aussichtsplattform und für Großgewachsene der Feldbergturm auf der Taunusseite und die Flugzeuge in der Mainebene.

Vom Dorf her läuten die Glocken zum Sonntagsgottesdienst. Weil durch Corona die Besucherzahl am Wochenende limitiert ist, ist das Maislabyrinth Liederbach heuer auch am Donnerstag und am Freitag geöffnet.

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