1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis
  4. Liederbach

Grüne wollen Carsharing in die Spur bringen

Erstellt:

Kommentare

Interessenten sind da und ein Infoabend für das Projekt mit Solar-Invest ist geplant

Liederbach - Carsharing vor allem mit Elektroautos ist in aller Munde. In Kelkheim zum Beispiel gibt es bald zwei Fahrzeuge, die von den Nachbarn in Fischbach und Münster in den Quartieren gemeinsam genutzt werden, die aber auch öffentlich für jedermann gemietet werden können. In Hofheim wird schon über das zweite Nachbarschaftsauto der Genossenschaft „Solar-Invest“ nachgedacht, weil der erste Wagen gut gebucht wird. Auch in Kriftel stellt ein Privatmann sein Vehikel anderen Nutzern bei Bedarf zur Verfügung. Das alles läuft bei „Solar-Invest“ unter dem Titel „Nah-Car“.

Nun denken die Liederbacher Grünen darüber laut nach, sich der Initiative anzuschließen. „Auf das eigene Auto verzichten? Das Konzept des Carsharings kann auch für Liederbach eine attraktive Ergänzung zu Fahrrad, ÖPNV und Alternative zu eigenem Auto oder Zweitauto sein“, ist Fraktionschef Andreas Müller überzeugt und betont: „Da nicht jeder ständig einen Pkw braucht, so liegt die Idee eigentlich nahe, sich ein Auto zu teilen.“

Es geht nun zunächst darum, die Bürger zu begeistern. Ein Standort sollte dann gemeinsam mit der Gemeinde und „Solar-Invest“ gefunden werden, sagt Müller. Er würde die Liederbachhalle als zentrale Fläche bevorzugen. Am Rathaus wiederum könnte sich die Grünen-Chef ein kommunales Carsharing-Projekt gut vorstellen. Nach dem Vorbild der Nachbarstadt Kelkheim, die dort gleich zwei Autos platziert hat. Sie sind tagsüber von den Mitarbeitern der Verwaltung nutzbar, abends und am Wochenende dann von allen Bürgern. Das könnte ein Thema für die Haushaltsberatungen in Liederbach werden, überlegt Müller.

Die Grünen laden nun zu einem ersten Treffen rund um das Thema Carsharing ein. Wer sich für die Sache interessiert und beteiligen möchte, ist hier richtig. Treffpunkt ist am Freitag, 23. September, um 19 Uhr. Nach einer Anmeldung per E-Mail an info@gruene-liederbach.de oder telefonisch unter der Nummer 0 69 / 30 06 57 79 gibt es weitere Details.

„Ziel ist es, mit einem kleinen E-Fahrzeug zu starten, um das Angebot günstig und kostendeckend zu halten“, kündigen die Grünen bereits an. Die Wagen ließen sich jeweils bis zu 14 Tage im Voraus per App reservieren. Für die Vertragsgestaltung, Buchung und Abrechnung ist die Zusammenarbeit mit „Nah-Car“, der Initiative der Bürgerenergiegenossenschaft „Solar-Invest Main-Taunus“ geplant. Aktuell bietet die Initiative, die das Auto erwerben und zur Verfügung stellen würde, folgende Konditionen an: 15 Euro einmalige Registrierungsgebühr, 10 Euro monatliche Grundgebühr pro Haushalt, 1 Euro pro Buchung, 3,50 Euro pro Stunde, 0,15 Euro pro Kilometer, 0,50 Euro pro Stunde im Nachttarif zwischen 22 und 6 Uhr, 40 Euro Tagespreis (für 24 Stunden). Mit diesen Gebühren ist alles abgegolten von der Vollkasko-Versicherung (300 Euro Selbstbeteiligung) bis zum Ladestrom.

Dieter Mader kennt das Thema. Das Fraktionsmitglied der Liederbacher Grünen hat vor 30 Jahren als einer der Pioniere Autos offiziell „geteilt“. Damals war sein Wagen defekt. Viel Geld hatte der Informatik-Student in Mainz nicht. Über den Verkehrsclub Deutschland hatte er vom „Nachbarschafts-Autoteilvertrag“ gehört. Also fragte er einen Freund, ob der ihm nicht seinen Mercedes zum Einkaufen ausleihen könne. „Ich wollte kein Auto kaufen, aber ab und zu brauchte ich es“, erinnerte er sich. Es schlossen sich zwei, drei andere Haushalte zur Nutzung des Autos an. Über einen Anrufbeantworter konnte es reserviert werden.

Das „Auto-Teilen“ hat die Maders nicht mehr losgelassen. Zuletzt boten sie über Internet-Plattformen ihren Zweitwagen im Car-sharing an. Der ökologische Gedanke sei wichtig, sagt Mader, weiß aber: „Alle sagen, es ist ja super. Aber die Leute tun sich schwer, andere in ihr Auto reinzulassen. Sie hängen an ihren Autos.“ Nun unternehmen die Grünen einen Anlauf, die Zahl der Fahrzeuge im Ort etwas zu reduzieren und einen Liederbacher Anfang zu machen.

Auch interessant

Kommentare