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Doppelter Schutz gegen Fluten

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Gemeinde durch Becken in Hornau und eigenen Polder entlasten

Liederbach - Die meisten der rund 40 Bürger, die am Mittwochabend die Informationsveranstaltung zum Hochwasserschutz besuchten, denken mit Schrecken an den 14. August 2020 zurück. Mitten in der Pandemie prasselte ein Starkregen vor allem über Liederbach, Kelkheim und Bad Soden nieder, das Wasser schoss über die knüppelharten Felder auf den Ort zu, der Bach trat über seine Ufer. Vor allem in Niederhofheim floss ein Rinnsal über die Straße, durch das Gasthaus Rudolph, in viele Keller.

Dass nach solchen Erlebnissen „Frustration und Angst“ herrsche, könne sie nachvollziehen, so Bürgermeisterin Eva Söllner. Ebenso wie Christian Seitz, Bürgermeister von Kriftel, aber auch Vorsteher des Abwasserverbandes Main-Taunus, und dessen Technischer Geschäftsführer Frank Goebel. Das Trio stand Rede und Antwort beim Infoabend, der von der FDP per Antrag angestoßen worden war und dessen Terminierung sich hinzog. Allerdings wurde die Studie zum Hochwasserschutz für den Schwarzbach, Sulzbach und Liederbach, so Söllner, auch erst vor gut zwei Wochen vorgestellt. Mit diesen Ergebnissen als Grundlage konnte berichtet werden. „Alle Maßnahmen, so gut sie auch sein mögen, werden nie einen hundertprozentigen Schutz darstellen“, macht die Bürgermeisterin deutlich. Dass die „Unzufriedenheit“ der Liederbacher über ein sich lange hinziehendes Verfahren groß sei, das könne sie verstehen. So mancher habe berichtet, es sei kaum möglich, Versicherungen abzuschließen.

Kleiner Damm hinter Königsteiner Weg

Doch immerhin gibt es jetzt gute Perspektiven für die Orte am Liederbach. Seitz ging auf die Vorgeschichte ein. Ergebnisse erster Untersuchungen waren wegen naturschutzrechtlicher Hürden oder Bürgerinitiativen nicht umsetzbar. Als das Land auch für weniger große Projekte Förderung avisierte, habe der Verband einen neuen Anlauf unternommen, so Söllner. In dieser nun vorgelegten Studie machen ihr zwei Projekte Hoffnung: Vor allem das große Regenrückhaltebecken mit einem rund acht Meter hohen Erdwall zwischen „Roter Mühle“ und Hornau soll mit einem Stauvolumen von rund 100 000 Kubikmetern den nachfolgenden Kommunen bei Flut Wasser ersparen. In Liederbach, im Feld hinter den Häusern am Königsteiner Weg, plant der Verband einen kleineren Polder - mit 2,30 Meter Dammhöhe und etwa 19 000 Kubikmeter Volumen. Die Kosten allein dafür von rund 1,8 Millionen Euro wird der Verband tragen.

Beide Maßnahmen würden die Lage im Ort erheblich verbessern, ist sich das Trio einig. „Das wird eine enorme Entlastung bedeuten“, sagt Söllner, betont aber gleichzeitig: „An erster Stelle steht auch der Eigenschutz der Bürger.“ Sie haben die Pflicht, ihr Haus sicherer zu machen gegen ungewollte Wassermengen. Und deshalb sei es so wichtig, beim Bauen in Hochwassergebieten - wie künftig in Alt Niederhofheim, wo ein neuer Bebauungsplan ansteht - Vorkehrungen zu treffen, „damit nicht später das böse Erwachen kommt“.

Söllner, Seitz und Goebel räumten aber auch ein, dass es noch etwas dauern werde mit den Aktivitäten. Die Bürgermeisterin rechnet nach einem Jahr mit Untersuchung der Flächen mit dem Baustart 2024. Immerhin wird in Münster gerade bereits ein Polder angelegt, von dem sich Liederbach ebenso eine Entlastung verspricht. In der Gemeinde selbst laufen kleinere Maßnahmen. Der Bach wurde schon in Teilen ausgebaggert, gerade unter der Brücke in Alt Niederhofheim. Jetzt sei der Auftrag für den Neubau einer komplett eingefallenen Schutzmauer am „Steingarten“ vergeben worden, berichtet Söllner. Und wohl Anfang 2023 soll in diesem Bereich eine kleine Insel, die sich gebildet hat, weggebaggert werden. Dann bekommt das Rinnsal wieder mehr Durchflussvolumen.

Als Grundlage für weitere Maßnahmen hat die Kommune Fließkarten in Auftrag gegeben und eine Förderung beim Land beauftragt. Hier könnten neue Rinnen und Mulden als Projekt die Folge sein. Kein Thema mehr ist aktuell der Neubau der Brücke in Niederhofheim - es war eine erste Überlegung der Verwaltung. Durch die anderen Maßnahmen sei dieses komplizierte Projekt wohl nicht mehr notwendig. Voran geht die Gemeinde mit Frühwarn-Sensoren im Schmiehbachtal. Hier werden Daten gesammelt. Es zeichne sich ab, dass mit solchen Systemen frühzeitig bestimmte Ereignisse erkannt werden können, betont Rathauschefin Söllner.

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