Der Coca-Cola-Standort in Liederbach.
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Der Coca-Cola-Standort in Liederbach. Er soll in einem Jahr geschlossen werden.

250 Angestellte verlieren ihre Arbeit

Coca-Cola in Liederbach macht dicht - Abfüllwerk wird geschlossen

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Weil in Liederbach kein Platz für Expansion ist, schließt Coca-Cola sein Abfüllwerk im Herbst 2021. Neue Jobs sollen an anderer Stelle im Rhein-Main-Gebiet entstehen.

  • Das Liederbacher Coca-Cola-Werk schließt im Herbst 2021.
  • Die Expansionspläne von Coca-Cola in Liederbach sind gescheitert.
  • Coca-Cola möchte neue Arbeitsplätze im Rhein-Main-Gebiet schaffen.

Liederbach - Fast ein halbes Jahrhundert lang füllte Coca-Cola am Sindlinger Weg in Liederbach Erfrischungsgetränke ab. Erst vor fünf Jahren wurde eine zusätzliche Produktionslinie in Betrieb genommen, mit der pro Stunde bis zu 100.000 Flaschen vom Band laufen können. Seit Mitte vergangener Woche steht fest: Den Coca-Cola-Standort in Liederbach wird es bald nicht mehr geben. Im Herbst 2021 wird das Werk dichtgemacht. 250 Mitarbeitende verlieren dann ihre Jobs.

Coca-Cola will neuen Standort im Rhein-Main-Gebiet aufbauen

Einige können hoffen, anderswo im Rhein-Main-Gebiet unterzukommen – an einem neuen Standort, den Coca-Cola für den Logistikbereich aufbauen will. Arbeitsplatzangebote soll es auch für die Coca-Cola-Standorte in Mannheim und Karlsruhe geben. Bürgermeisterin Eva Söllner (CDU) spricht von einem „schwarzen Tag“ für Liederbach. Coca-Cola sei für die 9000-Einwohner-Gemeinde im Main-Taunus-Kreis über Jahrzehnte hinweg der größte Arbeitgeber und ein wichtiges Aushängeschild gewesen. „Eine Weltmarke ist gut für den Wirtschaftsstandort“, sagt sie. Coca-Cola ist darüber hinaus einer der großen Gewerbesteuerzahler am Ort.

Liederbach: Kein passendes Grundstück für Coca-Cola-Expansion gefunden

Dass das Werk womöglich geschlossen werden könnte, habe sie allerdings schon seit einigen Jahren befürchtet, räumt die Verwaltungschefin im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau ein. Der international agierende Getränkekonzern habe in Liederbach expandieren wollen, sagt Söllner. Aber: „Wir konnten als Gemeinde kein passendes Grundstück zur Verfügung stellen.“ Über Monate hinweg liefen 2016 die Planungen. Ein neues Hochregallager sollte gebaut, Rangierfläche für die zahlreichen Lastwagen geschaffen werden, mit denen die Getränkekästen zu den Kunden transportiert werden. Von einer Verdreifachung der Produktion war die Rede und von der Schaffung eines „Centers of Excellence and Innovation“ für die gesamte europäische Produktion von Coca-Cola am Standort Liederbach.

Die Gesellschaft

Seit 1929 stellt Coca-Cola in Deutschland Erfrischungsgetränke her. 7500 Mitarbeiter arbeiten an 16 Produktions- und 14 Logistikstandorten. Pro Jahr werden 3,8 Milliarden Liter Getränke verkauft. In den nächsten Monaten will die Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH (CCEP) mehrere Standorte verkleinern und schließen. Darunter ist auch das Abfüllwerk in Liederbach am Taunus.

Zunächst hatte Coca-Cola dafür ein Areal südlich des Betriebsgeländes in Auge gefasst. Der Eigentümer, ein Landwirt, wollte jedoch nicht verkaufen. Später konzentrierte sich das Interesse auf ein Grundstück westlich des Sindlinger Wegs. Es ist zwar als Gewerbegebiet ausgewiesen, liegt aber in unmittelbarer Nähe zu einer Wohnsiedlung mit 200 Bewohnern, die eine BI gründeten und sich fast geschlossen gegen die Ausbaupläne stellten.

Liederbacher Gemeindevertretung unterstützt Ausbaupläne von Coca-Cola

Regionalverband, Landrat und die Liederbacher Gemeindevertretung hätten die Ausbaupläne von Coca-Cola damals unterstützt, erinnert sich Eva Söllner. Schlussendlich kam es nicht dazu, weil Lärmschutzauflagen das Vorhaben gewaltig verteuert hätten. „Kosten und Nutzen standen in keinem Verhältnis zueinander“, sagt Söllner.

Coca-Cola verlasse Liederbach „schweren Herzens“, betont Unternehmenssprecher Steffen Türk im Gespräch mit der FR. Neben der Konzernstrategie, die Produktion künftig an weniger Standorten zu bündeln, nennt auch er die fehlenden Expansionsmöglichkeiten in der Taunus-Gemeinde als Grund für die Werkschließung. „Liederbach war für uns schon immer eine Herausforderung. Viel Lkw-Verkehr in unmittelbarer Nähe zu einem Wohngebiet – das ist sehr schwierig.“

Coca-Cola möchte 63 Arbeitsplätze im Großraum Frankfurt schaffen

Ganz aus dem Rhein-Main-Gebiet zurückziehen wolle sich Coca-Cola nicht, sagt Türk. „Wir suchen für unsere Logistikaktivitäten einen neuen Standort im Großraum Frankfurt“, kündigt er an. 63 Arbeitsplätze sollen dort geschaffen werden – 55 Stellen in der Logistik und acht Stellen im Automatengeschäft. Zusammen mit den Stellen im telefonischen Kundenservice, im technischem Service und den Außendienststellen der Kundenbetreuung sollen insgesamt laut Türk rund 210 Stellen in der Rhein-Main-Region bestehen bleiben. (Andrea Rost)

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