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Die Hofheimer Psychologin Helga Wahlbrinck und ein tierischer Patient.
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Die Hofheimer Psychologin Helga Wahlbrinck und ein tierischer Patient.

Psychologin für Tier und Mensch

Leiden wie ein Hund

Die Hofheimer Diplompsychologin Helga Wahlbrinck hat sich auf Problemhunde spezialisiert. Sie behandelt aber auch die seelischen Nöte von Zweibeinern. Von Claudia Horkheimer

Von CLAUDIA HORKHEIMER

"Angst macht dumm", sagt Helga Wahlbrinck. Denn in Stresssituationen würden bestimmte Hirnregionen einfach abgeschaltet werden, erklärt die Diplompsychologin. In solche Stresssituationen geraten aber nicht nur Menschen, sondern zunehmend auch Hunde.

Zwar könne man die Psyche von Mensch und Hund nicht eins zu eins übertragen, "aber es gibt Parallelen", so Wahlbrinck. Die 48-Jährige arbeitet seit fast 20 Jahren in der Traumaberatung, war als klinische Psychologin bei der Caritas angestellt. Seit sechs Jahren beschäftigt sie sich auch mit Hunden, hat selbst zwei Shelties und einen Schäferhund und ist anerkannte Hundetrainerin.

Seit Februar betreibt sie ihre Praxis Anima im Gründerzentrum in Hofheim. Die Hälfte ihrer Klienten sind Menschen mit psychischen Schwierigkeiten - etwa nach Trauerfällen oder Missbrauch. Die andere Hälfte sind Mensch-Hunde-Teams. Ihr Trainingsprogramm schneidet Wahlbrinck auf den Halter zu. Denn "Hundetraining ist Menschentraining", sagt sie. Einem ängstlichen und auf Sauberkeit bedachten Hundebesitzer etwa werde sie nicht raten, den Hund einfach mal laufen und sich im Dreck wühlen zu lassen. Auch wenn das dem Tier sicherlich gefallen würde.

Mancher Hund ist in echter Not

In ihrem gewaltfreien Training geht es darum, unerwünschtes Verhalten wie Bellen, Jagen oder Bissigkeit zu unterbrechen und durch erwünschtes Verhalten zu ersetzen, das belohnt wird.

Das brauche aber Zeit und Übung. Auch das Timing sei wichtig und sollte vom Besitzer ausgehen. Wenn ein Hund etwa ein aufmerksamkeitheischendes Verhalten zeige, sollte man es nicht beachten. Sobald sich der Hund wieder beruhigt habe, könne man ihn streicheln, rät Wahlbrinck. So vermeide man Hierarchieprobleme. Aber nicht jedes Anstupsen oder auf den Schoß springen wollen ist ein Zeichen von Dominanz und Kontrollverhalten des Hundes. Es gebe auch Hunde, die in echter Not seien.

Biene ist so ein armes Ding. Bei der siebenjährigen Jack-Russel-Hündin diagnostiziert Wahlbrinck ein Deprivationsproblem: Ihre ersten beiden Lebensjahre verbrachte sie eingesperrt in einer Kiste. So lernte sie weder mit anderen Hunden zu kommunizieren noch stubenrein zu werden. Zu ihren jetzigen Besitzern kam sie über ein Tierheim. Noch heute zeigt sie in unbekannten Situationen große Angst, zittert am ganzen Leib, legt die Ohren an und hechelt oder weigert sich spazierenzugehen. So ein hoher Dauerstress-Pegel könne - wie beim Menschen - Gesundheitsschäden wie Magengeschwüre hervorrufen, warnt die Therapeutin.

Rasse oder Charakter?

Angst und Unsicherheit seien meistens Ursache für aggressives Verhalten, ist Wahlbrinck überzeugt. "Ein Hund, der dauernd bellt, beruhigt sich damit selbst". Häufige Ursache für Stress könne aber auch eine Schilddrüsenfehlfunktion sein, die man medikamentös behandeln könne.

Ein starker Jagdtrieb oder der Drang zu beschützen seien dagegen unter Umständen rassebedingt. Immer müsse man abwägen, woher das Verhalten des Hundes stamme.

Manchmal färbe auch der Charakter des Halters ab. Dann hat in Wirklichkeit der Mensch persönliche Probleme, die der Hund nur widerspiegelt. So entwickle sich aus einem Hundetraining manchmal eine psychologische Beratung. Spannend findet Wahlbrinck auch die Frage, warum sich jemand einen bestimmten Hund ausgesucht habe.

Gerade an diesem Punkt mangele es oft an realistischer Selbsteinschätzung. Deshalb bietet Wahlbrinck eine Hundekauf-Beratung an. Aufgrund ihrer psychologischen Erfahrung könne sie ganz gut einschätzen, welcher Hund zu welchem Menschen passe.

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