Hattersheim

Lebenslänglich für sinnlosen Raubmord in Hattersheim

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Ein 46-Jähriger erstach die Mutter einer Freundin, um einen Teil seiner Schulden zu tilgen. Der Fall beschäftigt nun die Justiz.

Auch nach der mehrwöchigen Verhandlung ist das Gericht noch immer fassungslos über die Tat, die sich im Oktober 2018 in Hattersheim-Eddersheim zugetragen hatte. „Gewalttaten sind immer sinnlos, in Ihrem Fall ist diese Sinnlosigkeit handgreiflich“, sagte der Vorsitzende Richter Jörn Immerschmitt am Freitag bei der Urteilsverkündung zu dem Angeklagten Wolfgang M.

Der 46-Jährige hatte vor fast genau einem Jahr an der Wohnungstür der 58-jährigen Claudia K. geklingelt. Die Frau kannte er seit langer Zeit, weil er mit ihrer Tochter gut befreundet war. Sie ging von Smalltalk aus, doch er hatte es auf das Bargeld abgesehen, das er in ihrer Wohnung vermutete. Mit 17 Messerstichen stach er auf sie ein, die 58-Jährige verblutete. K. erbeutete 11 000 Euro. „Es ist unfassbar und unerklärlich. Warum haben Sie nicht gewartet, bis sie mit dem Hund spazieren geht, und sind eingebrochen, um an das Geld zu gelangen?“, fragte Immerschmitt den Angeklagten.

Stattdessen gipfelte das berufliche Scheitern des Flörsheimers M. in einem zweifachen Familiendrama – dem des Opfers, das einen Ehemann, eine Tochter und ein Enkelkind zurücklässt, und dem des Angeklagten, der einen kleinen Sohn hat, den er nach Verbüßung der lebenslangen Haftstrafe erst als jungen Mann wieder in Freiheit erleben wird.

M. wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf, nach dem Abitur machte er eine Banklehre und arbeitete als Bankkaufmann. Zuletzt war er in der Baufinanzierung tätig, mit einem stattlichen Einkommen. Sein Abstieg begann, als er Kreditunterlagen fälschte. „Auch sinnlos, sie hatten keinen großen Vorteil“, sagte der Vorsitzende Richter. M. verlor seinen Job und verfiel in eine gewisse Lethargie. Er versäumte es, seine laufenden Kosten zu reduzieren, und meldete sich nicht arbeitslos. Erfolge verzeichnete der Familienvater, der 2016 auch noch seine Scheidung verkraften musste, nur noch in der Scheinwelt der Computerspiele. Kurz vor der Tat hatten sich 90 000 Euro Schulden angehäuft.

Umfassendes Geständnis

Von den 11 000 Euro Beute verwandte er knapp 10 000 Euro, um Schulden zu tilgen. Gut 1000 Euro fanden sich bei M., als er drei Tage nach der Tat festgenommen wurde. Dass es sich bei der Tat um einen Mord handelt, konnte am Ende der Verhandlung nicht mal die Verteidigung wegplädieren. Da mit Habgier, Heimtücke und der Ermöglichung einer anderen Straftat gleich drei Mordmerkmale erfüllt sind und die Tat besonders verwerflich sei, hatte die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer sogar die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld beantragt.

Dem kam die Kammer nicht nach. Für den Angeklagten spreche, dass er noch nicht vorbestraft sei und dass er ein umfassendes Geständnis abgelegt habe. „Den Mut, sich ihr eigenes Scheitern einzugestehen, haben sie erst im Ermittlungsverfahren gehabt“, so der Richter. Das Geständnis gebe den Angehörigen des Opfers wenigstens die Chance, irgendwann über die Tat hinwegzukommen, da sie nun wüssten, was am Tattag passiert sei. Angeklagter, Staatsanwaltschaft und Tochter des Opfers als Nebenklägerin verzichteten auf Rechtsmittel, das Urteil ist rechtskräftig.

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