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Gerhard Slotta in seinem Element - im Kinosaal von Okriftel.
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Gerhard Slotta in seinem Element - im Kinosaal von Okriftel.

Kino in Okriftel

Ein Leben für das Zelluloid

Gerhard Slotta mag keine Kinofilme. Und doch ist der 69-Jährige die Seele des kommunalen Kinos in Hattersheim-Okriftel. Von Gesa Fritz

Von Gesa Fritz

Gerhard Slotta mag keine Kinofilme. Wenn die ersten Bilder über die Leinwand flimmern, wirft er noch einen prüfenden Blick auf die technische Qualität und verlässt dann zügig den Vorführungssaal.

Und doch ist der 69-Jährige die Seele des kommunalen Kinos in Hattersheim-Okriftel. Sein Name ist untrennbar mit dem Haus verbunden. Slotta treibt die Begeisterung für die Technik.

Bereits bei der Gründung in den 1980er Jahren hatte er seine Finger mit im Spiel. Er hat als Politiker die Gründung des Kinos mit vorangetrieben. Schon bevor das Kino im Jahr 1989 im Gemeindezentrum Okriftel einen Vorführraum erhielt, tingelte Slotta mit einer Art Wanderkino durch Hattersheim, Okriftel und Eddersheim. Bis heute hält er den Betrieb als Mann-für-Alles am Laufen.

Seine persönliche Note hat das zweitkleinste kommunale Kino Deutschland Slotta zu verdanken. Für seinen Arbeitgeber, das Kulturforum, ist er Gold wert. Die meisten Besucher kennt er persönlich und begrüßt sie mit Handschlag. Er weiß um ihre Vorlieben, beim Gang durch den Ort weist er Passanten schon mal auf für sie persönlich interessante Filme hin.

Slotta verkauft Karten, bestellt die Filme, hängt Plakate auf und pflegt die Homepage. Kino, das ist sein Leben. Bis vor kurzem hat er noch 75 Stunden pro Woche für das Haus gearbeitet. Bei Renovierungsarbeiten greift Slotta zum Pinsel und es gibt kaum eine Schraube, die der hagere Mann noch nicht in der Hand hatte. Und bis vor wenigen Jahren hat er noch die zig Kilo schweren Spulen zum Projektor hoch gestemmt, denn in Okriftel werden noch die guten alten Zelluloid-Bänder abgespielt.

Vorführer aus Leidenschaft

Erst eine schwere Krankheit hat ihn vor drei Jahren in seiner Arbeitsleidenschaft gebremst. Er musste kürzer treten und das Kulturforum hat Unterstützung für ihn engagiert. Seitdem hat Slotta sich auch schon mal einen Abend im Theater gegönnt. Oder eine Woche Urlaub.

Kino-Vorführer wollte Slotta schon in einem Alter werden, in dem andere noch Pirat, Ritter oder Feuerwehrmann als Berufswunsch angeben. Mit Zwölf kam er seinem Ziel mit dem Vorführschein für Schulklassen erstmals einen Schritt näher. Sein Vater hätte den Traumberuf fast doch noch gekippt - er sah in seinem Jungen einen Bergmann.

Unter Tage erwies sich Slotta allerdings als untauglich. Er brach seine Ausbildung ab und heuerte bei einem Wanderkino an, mit dem er durch die kleinen Ruhrgebiets-Dörfer tingelte. Dann arbeitete er als Vorführer in den großen Kinos in Frankfurt, Offenbach und Hanau. Dieses Kapitel seiner Biografie verschaffte ihm gute Kontakte zu den Verleihern, so dass so mancher Film erstaunlich früh nach Okriftel gelangt. Irgendwann hat er eine Zeit als Programmierer gearbeitet, bis er seine Leidenschaft auf das Hattersheimer Haus lenkte.

Das Kino in Okriftel ist Slottas Leben. Falls das Kino geschlossen werden sollte, ist es für ihn ein kleiner Tod. "Ich weiß dann nicht mehr, wofür ich morgens aufstehe", sagt Slotta. Und gezwungen unverzagt: "Ich muss mir eben was anderes suchen."

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