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Kuscheln im Katzenhaus

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Von: Jennifer Hein

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Agnes Haßler (l.) und Heidi Köhler versorgen die Katzen.
Agnes Haßler (l.) und Heidi Köhler versorgen die Katzen. © M. Schick

Tierheim-Helferinnen aus Sulzbach erhalten den hessischen Tierschutzpreis.

Schmusen ist ganz wichtig, weiß Sigrid Farnung und krault Kater Charly so lange den Bauch, bis der sich genüsslich auf den Rücken rollt und schnurrend die Augen schließt. Die 72-Jährige ist eine Katzenfrau durch und durch. Seit 17Jahren engagiert sie sich im Sulzbacher Tierheim. Viermal pro Woche bis zu fünf Stunden lang kümmert sie sich um die Waisenkinder, wischt die Böden, spült die Näpfe aus, bringt neues Futter und kuschelt ganz viel mit den Samtpfoten, die sie alle beim Namen kennt.

Für ihren Einsatz ist sie zusammen mit acht weiteren ehrenamtlichen Helferinnen des Katzenhauses mit dem hessischen Tierschutzpreis ausgezeichnet worden. Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) hat den mit 2600 Euro dotierten Preis im Landtag übergeben.

„Ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt“, sagt Farnung. Heidi Köhler (67), die seit drei Jahren im Katzenhaus mithilft, freut sich über die Ehrung, ihre Motivation schöpft sie aber aus der Liebe, die die Katzen ihr zurückgeben und den vielen schönen Momenten. Einer davon ist, „wenn man genau die richtige Person für eine Katze gefunden hat“. Zweimal werden die neuen Halter kontrolliert, einmal vor und dann nach der Tierübergabe.

Vier Organisationen haben den Preis dieses Jahr erhalten, sie müssen sich das Geld teilen, so dass nur rund 650Euro für das Katzenhaus übrig bleiben. „Das ist viel Geld für uns. Wir leben von der Hand in den Mund“, sagt Agnes Haßler, Vorsitzende des Tierschutzvereins Bad Soden-Sulzbach, der das Tierheim betreibt.

Vor 25Jahren hat Haßler als Helferin beim Gassigehen im Tierheim angefangen, heute liegen auch ihr besonders die Katzen am Herzen. 40 leben momentan in den sehr sauberen und schön eingerichteten sechs Räumen mit Außengehege des vor zwei Jahren errichteten Gebäudes. Und es werden immer mehr. „Die Katzen vermehren sich wie verrückt“, sagt Haßler. Das Problem sei, viele Halter kastrierten ihre Tiere nicht mehr. So sind viele Fundtiere trächtig oder haben bereits einen Wurf bei sich. In zwei der mit Sofas, Teppichen, Kratzbäumen und Spielsachen ausgestatteten Räumen leben nur Katzenbabys. Mit großen Augen blicken sie durch die Glastüren und warten auf ein neues Zuhause.

Im Tierheim werden Fundkatzen und abgegebene Tiere nach der Quarantänezeit erstmal kastriert. Doch das ist teuer. 120 bis 200Euro kostet das. Ein Preis, vor dem viele Halter zurückschrecken. Der Erwerb eines Tieres wird viel zu leicht gemacht, findet Haßler. Viele seien sich ihrer Verantwortung nicht bewusst. Als Tierheimchefin gehen ihr nicht nur die Schicksale der Tiere nahe, sie verliert manchmal auch ihre Achtung gegenüber Haltern, wenn sie verstümmelte Hunde findet oder völlig verschreckte Katzen einfängt.

Ohne die Fütterung und Entwurmung gibt das Tierheim pro Katze zwischen 340 und 400Euro aus. Das ist für den Verein nur schwer zu schultern. Allein dieses Jahr hat er 45000Euro beim Tierarzt gelassen. Eine kleine Rechnung ist immer offen. Über die Gebühr, die man zahlt, wenn man ein Tier aus dem Tierheim holt, ist das nicht zu stemmen.

„Für eine alte oder kranke Katze kriegen wir etwa 80Euro, für eine junge gesunde etwa 200Euro“, erklärt die Vorsitzende des Tierschutzvereins. Nur wenige Tiere sind länger als ein Jahr im Heim. Auch wenn alle Räume voll sind, kein Tier wird abgelehnt. „Wir haben bislang noch für jedes ein Zuhause gefunden.“

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