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Kunstwerk „Schiefer Wald"

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Von: Torsten Weigelt

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Skulptur mit Aussicht: Der „Schiefe Wald“ soll nicht nur Kunstfreunde, sondern auch Ausflügler auf die Regionalparkroute locken.
Skulptur mit Aussicht: Der „Schiefe Wald“ soll nicht nur Kunstfreunde, sondern auch Ausflügler auf die Regionalparkroute locken. © Martin Weis

Am Freitag ist das Kunstwerk „Schiefer Wald“ eröffnet worden. Es besteht aus 26 Bäumen, die in Schräglage anwachsen sollen und befindet sich auf dem sogenannten „Streitplacken“. Dort besiegten die Kronberger Ritter das Frankfurter Heer.

Es ging um Geld, Macht und das schwierige Verhältnis zwischen Frankfurt und den Kommunen in seinem Umland. Wesentliches hat sich seit 1389 also nicht geändert. Eines aber dann glücklicherweise doch: „Heute kämpfen wir mit anderen Mitteln“, sagte Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) am Freitag zur Eröffnung des Kunstwerks „Schiefer Wald“.

Das besteht aus 26 Bäumen, die in Schräglage anwachsen sollen und befindet sich auf dem sogenannten „Streitplacken“. Dort besiegten seinerzeit die kampferprobten und besser ausgerüsteten Kronberger Ritter das zahlenmäßig deutlich überlegene Frankfurter Heer. Das hatte sich in den Taunus aufgemacht, um die Kronberger Burg dem Erdboden gleichzumachen, wurde dabei jedoch schwer verprügelt.

Ergebnis einer Kooperation

Ohne die Hilfe der adligen Verwandtschaft aus Hanau und der Pfalz wäre es aber wohl anders ausgegangen, räumte Kronbergs heutiger „Schultheiß“ Klaus Temmen (SPD) ein. Das zeige, wie wichtig schon im Mittelalter die „interkommunaler Zusammenarbeit“ gewesen sei – womit Temmen elegant den Bogen zurück in die Gegenwart schlug.

Denn auch der „Schiefe Wald“ ist das Ergebnis einer Kooperation der Nachbarkommunen Eschborn, Kronberg und Steinbach sowie der Regionalparkgesellschaft, die zwei Drittel der Kosten von insgesamt 185 000 Euro übernommen hat. Den Rest bezahlten Eschborn und die Lieselotte und Klaus Rheinberger Stiftung aus Kronberg.

„Das könnte der Auftakt für weitere Aktivitäten sein“, befand Steinbachs Rathauschef Stefan Naas (FDP), der zwar kein Geld, aber die Idee beigesteuert hatte, direkt an der Stadtgrenze zwischen seiner Kommune und Eschborn an das historische Geschehen zu erinnern. Allerdings sei er bei der Idee mit den schiefen Bäumen zunächst skeptisch gewesen. Das habe sich inzwischen aber geändert „In Steinbach ist die Akzeptanz sehr gut“, teilte er mit.

Station der Regionalparkroute

Das freut auch den Geschäftsführer der Regionalpark-Gesellschaft, Klaus Wichert. Der „Schiefe Wald“ ist die neueste Station der Regionalparkroute, die sich als grünes 190 Kilometer langes Band rund um Frankfurt schlängelt.

„Die Überführung dieses Konflikts in ein Landschaftskunstwerk stellt ein gelungenes Beispiel für ein Identität stiftendes Regionalparkprojekt dar“, findet er. Zumal die Frankfurter sich nach ihrer Niederlage besonnen und auf dem Vertragsweg gemeinsam mit den Nachbarn Handel und Wandel in der gesamten Region befördert hätten. Wie das die Frankfurter selbst sehen, war gestern leider nicht zu erfahren, aus dem Römer war niemand zur Skulpturenparty auf den „Streitplacken“ gekommen.

Dabei ist der „Schiefe Wald“ nicht als Triumphgeste gedacht. Es gehe weder um eine Illustration der historischen Fehde noch um ein eindeutiges Symbol, erklärte der Künstler Ulrich Genth, der gestern zusammen mit seiner Arbeits- und Lebenspartnerin Heike Mutter und dem gemeinsamen Baby nach Eschborn gekommen war.

Die deformierten Bäume sollen als landschaftliches Bild für sich selbst stehen. Wobei das Motiv kein statisches ist, sondern ein dynamisches. „Spannend wird es in der Zukunft“, so Genth. Wenn nämlich die Kronen der 26 Esskastanien, Vogelkirschen, Feldahorne und Hainbuchen sich ihren jeweils eigenen Weg zum Licht suchen .

Zu finden ist der „Schiefe Wald“ an der L 3006 zwischen Eschborn und Steinbach. Dort bietet sich dem Besucher nicht nur ein eindrucksvoller Blick auf die Frankfurter Skyline, sondern, je nach Jahreszeit, auch auf die Kronberger Burg. Und die Künstler haben nichts dagegen, wenn Spaziergänger und Radler zwischen den Bäumen ihre Picknickkörbe auspacken.

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