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Kritikerin zwischen Plüschtieren

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Valentine Rousseau (10) schreibt über Filme.
Valentine Rousseau (10) schreibt über Filme. © Michael Schick

Valentine Rousseau ist erstmals als Festival-Reporterin beim Internationalen Kinderfilmfestival Lucas in Frankfurt dabei. Von Claudia Horkheimer

Von Claudia Horkheimer

Ein guter Film muss den Kindern etwas beibringen. Das ist wichtiger als nur Blödsinn zu zeigen." Die junge Dame, von der dieser Ausspruch stammt, ist gerade mal zehn Jahre alt und betätigt sich seit einiger Zeit als Filmkritikerin. Jetzt ist Valentine Rousseau erstmals als Festival-Reporterin beim Internationalen Kinderfilmfestival Lucas in Frankfurt dabei. Ihre Texte werden nicht nur als Blog auf dem Webportal des Fernsehsenders Ki.Ka erscheinen, auch die Wochenzeitung "Die Zeit" wolle etwas von ihr veröffentlichen, sagt Valentine im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.

In ihrem hübschen Mädchenzimmer in Bad Soden, wo sie mit ihren Eltern lebt, drängen sich Plüschtiere und Micky-Mouse-Figuren. Auf der Fensterbank reihen sich märchenhafte Briefbeschwerer und Schneekugeln; auf dem Schreibtisch steht ein Buch "Fehlerfrei Schreiben", daneben all die Utensilien, die man so braucht: Blöcke, Stifte, Figürchen. Doch Valentine hat auch schon ein eigenes Laptop. Da muss sie jetzt auch gleich ran. Denn eben haben die Festivalorganisatoren angerufen. Sie soll ihren ersten Text bereits bis 16.30 Uhr per Mail abliefern. Das heißt, in eineinhalb Stunden muss ein Bericht über ihre ersten Eindrücke von der Eröffnung im Deutschen Filmmuseum fertig sein. Die Zehnjährige nimmt die Neuigkeit gelassen auf.

Im Gegensatz zur Jury muss sie nicht jeden Film des Wettbewerbs anschauen. "Ich sehe mir nur die Filme für die größeren Kinder an." Gerne darf es dabei auch auf Französisch sein, wie bei der Eröffnung, wo der Märchenfilm "Die Kinder von Timpelbach" (Les Enfants de Timpelbach) im Originalton gezeigt wurde und sie die mitwirkende Schauspielerin Armelle Lesniak kennenlernte. Die bat Valentine spontan, für sie bei der Pressekonferenz zu übersetzen. "Deutsch oder Französisch ist für mich kein Unterschied", sagt Valentine, die zweisprachig aufwächst. Valentine mag Märchen - am liebsten Schneewittchen, doch noch lieber sieht sie Filme von Michael Bully Herbig. "Der macht so witzige Sachen mit dem Dialekt." Auch Harry Potter findet sie natürlich toll, aber der neueste Film sei sehr traurig. Doch Potter zeige den Kindern, "dass man sich etwas trauen muss". Ob sie selbst gerne Schauspielerin wäre? Sie schmunzelt. "Nicht wirklich. Es ist sehr anstrengend - und man muss viel reisen." Als Kritiker dagegen müsse man nur seine Meinung sagen. "Auch wenn die Leute, die die Filme gemacht haben, darüber manchmal nicht glücklich sind", räumt sie ein.

Valentine ist schon gespannt, was sie auf dem Festival alles erwartet. Denn gezeigt werden insgesamt 25 Filme unter anderem auch aus Asien, Afrika und Nordamerika. "Manche Filme laufen zum ersten Mal in Deutschland, manche sogar zum ersten Mal auf der ganzen Welt", betont Valentine. Ihre Mitschüler von der Europaschule in Frankfurt dürften sie um den Job beneiden. Vor allem, da sie dafür die Woche über von der Schule freigestellt wurde.

"Das war nicht ganz einfach durchzusetzen", sagt ihre Mutter, Elisabeth Rousseau. Sie erzählt, dass Valentine ihre erste Filmkritik beim Festival vor zwei Jahren schrieb. Damals wurden alle Kinder aufgefordert, etwas über den gerade gesehenen Film zu verfassen. Ihr Text gefiel den Veranstaltern. Und sie luden sie ein, sich für die Jury zu bewerben. Zwar wurde sie damals nicht ausgewählt, aber diesmal wurde sie offiziell zur Festival-Reporterin bestimmt.

Valentines Blog ist unter www.kika.de zu finden.

Das Kinderfilmfestival Lucas läuft noch bis 13. September in Frankfurt im Kino des Deutschen Filmmuseums und im CineStar Metropolis. Programm unter www.lucasfilmfestival.de.

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