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Der S-Bahnhof Kriftel im Taunus (Symbolbild)
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Der S-Bahnhof Kriftel im Taunus (Symbolbild).

Hofheim und Kriftel

Mann mit Revolver bedroht Fahrgäste in der S-Bahn – doch niemand darf raus

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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In einer S-Bahn zwischen Hofheim und Kriftel bedroht ein 36-Jähriger die Fahrgäste – doch an der Station darf niemand den Zug verlassen.

  • Ein 36-Jähriger bedroht mit dem Revolver mehrere Fahrgäste in der S-Bahn.
  • FR-Redakteurin Alicia Lindhoff hält sich zu der Zeit in der S2 auf.
  • Die Türen bleiben 20 Minuten lang geschlossen.

Kriftel – Freitagabend in der S-Bahn: Zwischen den Bahnhöfen Lorsbach und Hofheim im Main-Taunus-Kreis zieht ein Mann eine Schusswaffe. Der 36-jährige Hofheimer bedroht mit dem Revolver mehrere Fahrgäste in der S2, beleidigt sie, verlangt Geld, drückt sogar mehrmals den Abzug, ohne dass sich jedoch ein Schuss löst. Im Zug ist FR-Redakteurin Alicia Lindhoff. Sie bemerkt aus einiger Entfernung den Tumult. „Uns ist ein großer Mann mit Glatze aufgefallen, der gestikulierte und laut war“, berichtet sie. „Erst dann ist uns die Waffe aufgefallen.“ Erster Impuls: „Raus hier!“ Doch als der Zug in Kriftel hält, bleiben die Türen geschlossen. „Es kam eine Durchsage, es gebe einen technischen Defekt“, schildert Lindhoff. „Wir dachten, der Zugführer weiß nichts von der Situation – wir hatten Angst, dass er weiterfährt.“

Mann mit Revolver in der S2: 20 dramatische Minuten

Doch der Zug bleibt stehen, nichts passiert. Die FR-Redakteurin drückt den Notrufknopf der S-Bahn. Lauter Alarm ertönt, sie erhält die knappe Auskunft, der Defekt werde behoben, es gehe gleich weiter. Lindhoff ruft die Polizei an. „Da hieß es: Wir wissen Bescheid, es haben schon mehrere Leute angerufen, die Einsatzkräfte sind unterwegs.“ Aber die Türen seien zu, sagt Lindhoff. „Da hat die Polizistin geantwortet: Im Moment macht er doch nichts, oder? Ansonsten können Sie ja nochmal anrufen“. Die Situation: Ein Mann, eine Waffe, verängstigte Fahrgäste – und 20 Minuten Stillstand. „Ich habe auf die Uhr geguckt“, sagt Alicia Lindhoff. „Die Leute in der Nähe des Täters müssen Todesangst gehabt haben.“

Nach etwa 20 Minuten öffnet sich eine Tür ganz am Ende des Zugs, Polizistinnen und Polizisten mit schusssicheren Westen und einer Maschinenpistole stürmen herein. Der Rest der Türen bleibt weiter geschlossen. Es dauert wieder geraume Zeit, in der für die Leute hinten in der Bahn nicht ersichtlich ist, was passiert. Insgesamt sind sie fast eine Dreiviertelstunde lang im Zug. Dann öffnen sich endlich die Türen und alle sollen gehen. Doch es gibt keine Erklärungen. „Niemand hat mit uns gesprochen“, sagt Lindhoff. Soweit sie gesehen habe, seien auch keine Zeugen befragt oder psychologisch betreut worden. Der Zugführer habe lediglich durchgegeben, wegen der Ermittlungen fahre die S-Bahn leer nach Frankfurt.

S2: Der Mann mit dem Revolver sitzt in U-Haft

„Im Nachhinein wurde uns klar: Die haben uns da mit diesem bewaffneten Mann eingesperrt. Wenn er angefangen hätte zu schießen … wir hätten ja nichts machen können.“

Am Sonntag (27.12.2020) will sich die Polizei nicht zu Einzelheiten äußern. Ein Sprecher im Polizeipräsidium Westhessen sagt, es habe sich um „normale Abläufe“ gehandelt. Für weitere Auskünfte sei die Pressestelle zuständig – in einigen Tagen. Der Mann mit dem Revolver sitze in U-Haft.

Im Hofheimer Revier soll der 36-Jährige erheblichen Widerstand geleistet haben. „Dabei entstand ein Sachschaden am Mobiliar“, heißt es im Polizeibericht. Die Waffe, die er bei sich hatte, sei nicht scharf gewesen. Alicia Lindhoff und alle anderen in der Bahn konnten das nicht wissen. „Es waren sehr intensive 20 Minuten“, sagt sie. (Thomas Stillbauer)

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