MTK-Schulmuseum_250920
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Spenderin Waltrud Harseim und Museumsleiter Wolfgang Janecke bewundern die Schulstube.

Kriftel

Puppenschule als Geschenk fürs Museum

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Watrud Harseim hat dem Krifteler Schulmuseum ein Puppenklassenzimmer geschenkt. Das Spielzeug wurde vor 100 Jahren für die Frankfurter Bankiersfamilie Rothschild hergestellt.

Das Püppchen, das in der ersten Reihe sitzt, ist aus Porzellan. Die anderen Schülerinnen und Schüler in der Puppenschule sind kleine Käthe-Kruse-Puppen oder aus einer biegsamen Plastikmasse gefertigt. Sie tragen gehäkelte Pullover und handgenähte Kleidchen. Eines der Püppchen hat einen Schulranzen auf dem Rücken. Auf den Bänken liegen winzige Hefte mit Namensschildern. Der Lehrer mit Anzug und Krawatte hat vor sich auf dem Pult einen Globus stehen. An der Wand lehnt eine Rechenmaschine mit bunten Perlen.

Die gut 100 Jahre alte Puppenschule ist das neueste Exponat, das im Krifteler Schulmuseum ausgestellt ist. Waltrud Harseim hat sie dem Museum geschenkt. Von Generation zu Generation sei das Puppenklassenzimmer, das um das Jahr 1900 im Auftrag der Frankfurter Bankiersfamilie Rothschild angefertigt wurde, in ihrer Familie weitergegeben worden, erzählt die Bad Sodenerin. Ihr Urgroßonkel, der bei Rothschilds als Diener arbeitete, habe es einst für seine Kinder zum Spielen geschenkt bekommen. 1912 bekam Waltrud Harseims Mutter das Puppenklassenzimmer zur Einschulung. Während der Kriegszeiten lagerte es auf dem Speicher. Ab Mitte der 1940er Jahre spielten Waltrud Harseim und ihre Geschwister damit. Immer an Weihnachten sei die Puppenschule aufgebaut worden, erinnert sie sich. „Bis Ostern durften wir damit spielen. Danach wurde alles wieder weggepackt.“ Auch Waltrud Harseims Kinder erfreuten sich noch an dem historischen Spielzeug, die Enkel hingegen fanden keinen Zugang mehr dazu.

Schulmuseum

Geöffnet ist das Schulmuseum in der Krifteler Weingartenschule, Staufenstraße 14, jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr.

Anmeldungen zu Führungen nimmt Wolfgang Janecke entgegen, Telefon 06196 / 611 81.

Weitere Informationen unter www.schulmuseumkriftel.de

Zum 100-jährigen Bestehen der Sodener Theodor-Heuss-Schule hätten sie ihr Puppenklassenzimmer bereits einmal ausgestellt, erzählt die alte Dame. Nun schenkte sie es dem Krifteler Schulmuseum. „Damit es in gute Hände kommt und wieder angeschaut wird.“ Die Klassenzimmer mit den Püppchen seien etwas ganz Besonderes, sagt Museumsleiter Wolfgang Janecke. „Alles ist liebevoll gemacht bis ins kleinste Detail.“

Und die Schulstube passt perfekt in die Sammlung, die der pensionierte Lehrer und ehemalige Realschulleiter der Hattersheimer Heinrich-Böll-Schule in mehr als 30 Jahren aufgebaut hat. Alles, was mit Schule zu tun hat, gibt es im Krifteler Schulmuseum zu sehen: Fotos und alte Zeugnisse, Hefte, Ranzen und Bücher, einen Rohrstock und einen römischen Griffel. Ausgestellt sind auch Lehrmittel aus den letzten Jahrzehnten – Leinwände und Wandtafeln, ein Rechenschieber, wie ihn Gymnasiasten in den 1970er Jahren benutzten, ein Setzkasten für Erstklässler und riesige schwarze Leitz-Projektoren, auf denen die ersten Filme im Unterricht gezeigt wurden.

Im Laufe der Jahrzehnte hat Janecke außerdem aus der ganzen Region das Mobiliar für ein historisches Klassenzimmer zusammengeholt – mit Schiefertafel, abgenutztem Holzfußboden, alter Eingangstür und original Schulbänken. Die Führungen für Kinder enden dort immer mit einem Rollenspiel.

Neuerdings gibt es im Museum auch eine Einzelbank zu sehen, deren Seitenteile aus Gusseisen gefertigt sind. Aus Dortelweil habe er sie geholt, erzählt Wolfgang Janecke. Die Bank mit Lesepultfunktion sei vermutlich vor 100 Jahren beim Privatunterricht zum Einsatz gekommen.

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