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Kriftel: Sonderverkehrsschau an Bahnübergang

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Von: Andrea Rost

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An diesem Bahnübergang in Kriftel starb Werner Moritz-Kiefert am Sonntagabend.
An diesem Bahnübergang in Kriftel starb Werner Moritz-Kiefert am Sonntagabend. © ROLF OESER

Nach zwei tödlichen Unfällen will die Deutsche Bahn die Sicherheit am Bahnübergang Paul-Duden-Straße überprüfen. Auch ein Gespräch mit Vertretern der Gemeinde Kriftel ist geplant.

Am Bahnübergang an der Paul-Duden-Straße in Kriftel wird voraussichtlich im Mai eine Sonderverkehrsschau stattfinden. Dabei soll festgestellt werden, ob Beschilderung und Technik an dieser Stelle noch ausreichend sind oder ob sie erneuert werden müssen. Das sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. Am Sonntagabend war an dem halbseitig beschrankten Bahnübergang der Krifteler Kommunalpolitiker Werner Moritz-Kiefert tödlich verunglückt. Der sehbehinderte Mann war mit seinem Blindenhund unterwegs, als er auf den Gleisen von einer S-Bahn erfasst und so schwer verletzt wurde, dass er noch an der Unfallstelle starb. Bereits Mitte März war ein zwölfjähriger Junge an dem Übergang von einem Zug erfasst und getötet worden. „Wir sind tief betroffen von den Unfällen in Kriftel. Den Toten und den Angehörigen der Opfer gehört unser tiefes Mitgefühl“, heißt es in der Stellungnahme der Bahn.

Die Gemeinde Kriftel hatte eigenen Angaben zufolge bereits vor zehn Jahren darum gebeten, den Bahnübergang am Rande eines Wohngebiets sicherer zu machen. Die Deutsche Bahn habe auf die Schreiben jedoch lange nicht reagiert und eine Nachrüstung mit Vollschranke und akustischem Signal schließlich abgelehnt, teilte Erster Beigeordneter Franz Jirasek mit. Aufgrund der aktuellen Ereignisse werde man noch in dieser Woche ein Gespräch mit der Gemeinde Kriftel führen, kündigte die Bahnsprecherin an.

Die Polizei hat unterdessen die Ermittlungen zu dem Unfall am Sonntagabend abgeschlossen, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen der FR sagte. Zwei Zeugen hätten noch versucht, Werner Moritz-Kiefert vor dem herannahenden Zug zu warnen. Der 74-Jährige habe auf Zurufe aber nicht reagiert. Er war den Angaben zufolge auf der linken Straßenseite auf die Gleise getreten, die Halbschranke versperrt den Zutritt nur jeweils rechts. „Wir gehen von einem tragischen Unglücksfall aus“, sagte der Polizeisprecher. Hinweise auf Fremdeinwirkung gebe es keine.

Im Main-Taunus-Kreis, wo sich Werner Moritz-Kiefert seit vielen Jahren kommunalpolitisch engagierte, ist die Betroffenheit über seinen Tod groß. Die Kreistagssitzung am Montag wurde drastisch gekürzt, nur das Nötigste beraten. Eine Sondersitzung, auf der die weiteren Themen behandelt werden sollen, ist für den 25. April anberaumt.

Werner Moritz-Kiefert gehörte seit 2011 der SPD-Kreistagsfraktion an und vertrat sie seither als ehrenamtliches Mitglied im Kreisausschuss. Zudem engagierte er sich im Kreisbehindertenbeirat. Er war seit dessen Gründung 2012 Mitglied des Gremiums und wurde 2021 zum dritten Mal vom Kreisausschuss in den Beirat gewählt. Er leitete den Arbeitskreis Berufliche Teilhabe und war dessen Sprecher. In seiner Heimatgemeinde Kriftel war Werner Moritz-Kiefert Mitglied der SPD-Gemeinderatsfraktion und Vorsitzender des sozialdemokratischen Ortsvereins.

Die SPD Main-Taunus verliere mit Werner Moritz-Kiefert „eines ihrer prägenden Gesichter“, sagte Vorsitzender Michael Antenbrink. Der Sozialdemokrat verkörperte in seinem Engagement „den persönlichen Anspruch kommunaler Politik: nahe dran zu sein am Leben der Menschen“, schrieb Landrat Michael Cyriax (CDU) in seinem Nachruf.

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