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Erdbeeren auf dem Erdbeerfeld von Bauer Hoss in Kriftel. Foto: Rolf Oeser
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Erdbeeren auf dem Erdbeerfeld von Bauer Hoss in Kriftel.

Kriftel

Kriftel: „Korona“ für Erdbeerfans

  • VonJürgen Streicher
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Seltsamer Name, bester Geschmack: Auf den Plantagen im Krifteler „Hochfeld“ werden nach langer Kälte nun endlich Erdbeeren geerntet - besonders beliebt ist dabei eine Sorte mit ungewöhnlichem Namen.

Clery macht meist den Anfang. Da gehen die Pflücker in guten Jahren schon Ende April mit gebeugtem Kreuz durch die endlosen Reihen mit Erdbeerpflanzen. Profis sind auch auf Pflückwagen unterwegs, mit denen sie sich durch die Reihen schieben, Pflanze für Pflanze abarbeiten und die Pfundkörbchen füllen. Wenn man sich dran gewöhnt hat, ist es ein bisschen besser für den Rücken. Sagt Michael Hoss, einer der fünf Obstbauern in Kriftel, die noch im Vollerwerb unterwegs sind. Zusammen mit Bruder Markus bewirtschaftet er den Lindenhof. Jetzt ist Erdbeerzeit, die Lust auf die prallen roten Früchte aus der Familie der Rosengewächse ist groß. Endlich Sonne und Wärme, perfektes Erdbeerwetter, lange ersehnt. Grund genug, es mit Landrat, Bürgermeister und der Hessischen Erdbeerkönigin Lena I. aus Geisenheim direkt auf dem Acker zu feiern.

Die Früherdbeere Clery, zu der in dieser Saison die neue Sorte Dahli gekommen ist, spielt am Saisonbeginn eine enorm wichtige Rolle. Sie muss all das an Aroma, Frische und Geschmack vereinen, was die Menschen immer wieder zurückbringt in die Hofläden und an die Verkaufsstände längs der berühmten „Erdbeermeile“ im Umfeld des „Krifteler Hochfelds“, wie das Anbaugebiet heißt. Fünf Sorten bauen sie hier an, die bis in den Herbst hinein geerntet werden. Wenn alles gut läuft, wirft ein Hektar Erdbeerland eine zweistellige Tonnenzahl Früchte ab. Mit bis zu 750 Gramm pro Pflanze wird in guten Jahren kalkuliert, Generationen Erdbeerbauern haben die Anbau- und Erntemethoden perfektioniert. Und doch spricht Michael Hoss mit Blick auf den Erdbeersommer 2021 von „einem der anspruchsvollsten und schwierigsten Anbaujahre“. Die Kollegen aus dem gesamten Main-Taunus-Kreis nicken das wortlos uneingeschränkt ab.

Ein Erdbeerparadies

Die „Erdbeermeile“ bei Kriftel ist zweigeteilt. Die meisten fliegenden Stände gibt es an der L 3011 zwischen Kriftel und Hattersheim und an der L 3018 zwischen Hofheim und Zeilsheim.

Die Obstbauern im „Krifteler Hochfeld“ bieten ihre Früchte meist auch in ihren jeweiligen Hofläden an.

„Pauls Bauernhof“ bei Wallau bietet Erdbeeren auch zum preiswerteren Selbstpflücken auf verschiedenen Feldern an, andere Höfe tun dies ebenfalls. Vorab-Info ist wichtig, nicht alle Felder sind in Betrieb. jüs

Großbauer Reiner Paul aus dem benachbarten Wallau ist mit seiner Clery noch einigermaßen davongekommen, bei ihm wachsen die meisten Erdbeeren im Sonnentunnel. Wer wie Berthold Heil auf „normalen Flachanbau mit Stroheinlage“ setzt, hat viel unter der langen Kälte bis in den späten April und der überraschend ausgiebigen Nässe bei kühlen Temperaturen im Mai gelitten. „Große Einbußen“ heißt es allenthalben, genau beziffern mag das keiner, richtig angelaufen ist die Saison erst jetzt. „Es ist immer wieder spannend“, sagt Berthold Heil, der lange im Landesverband Erwerbsobstbau tätig war; seit Jahrzehnten betreibt der 70-Jährige seinen Hof in Kriftel. „So oft auf- und zugedeckt wie dieses Jahr haben wir die Felder noch nie“, ergänzt Reiner Paul.

Seit dem schönen Wochenende ist die Stimmung unter den Erdbeerbauern im Lot, mit Beginn des kalendarischen Sommers „kann’s jetzt richtig losgehen“, gibt Landrat Michael Cyriax die Devise vor. Bürgermeister Christian Seitz im leichten Sommerhemd spricht vom Krifteler Hochfeld als „Obstgarten des Vordertaunus“, der Landrat vom „Heim der Erdbeere“. Er ist mit dem Fahrrad auf dem staubigen Acker vorgefahren. Ab sofort sind die Verkaufsstände entlang der „Erdbeermeile“ geöffnet, es gibt viel aufzuholen.

Wer die süßen aromatischen Früchte von heimischen Äckern liebt, muss in diesem Jahr tiefer in die Tasche greifen. Gab’s das Pfund im vergangenen Jahr Anfang Juni noch für 3,70 Euro, beträgt der Startpreis heute fast überall 4,90 Euro, bei einigen Anbietern jetzt 4,50 Euro. „Ich sehe noch keine wirkliche Preisanpassung“, sagt Großbauer Paul vorsichtig. Nicht nur die Verzögerung der Vermarktung durch die lange Kälte spielt beim Preis eine Rolle, auch die „hohen Auflagen“, wie es in der Branche heißt. Sei es bei den Unterkünften und zu zahlenden Mindestlöhnen für die meist ausländischen Erntehelfer, bei Hygiene- und Umweltstandards und der Verpflichtung zu Tests, um coronafrei durch die Saison zu kommen.

Nur eine „Korona“ dürfte auch in diesem Erdbeersommer beliebt sein. Eine Erdbeersorte, die „Gourmets schätzen“, verrät Berthold Michel, der die 1978 etablierte Korona schon lange im Programm hat.

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