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Tödlicher Zusammenstoß an Bahnübergang: Kommunalpolitiker von S-Bahn erfasst

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Von: Andrea Rost

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Nach dem tödlichen Unfall an einem Bahnübergang in Kriftel (Main-Taunus-Kreis) drücken Menschen ihre Anteilnahme aus.
Nach dem tödlichen Unfall an einem Bahnübergang in Kriftel (Main-Taunus-Kreis) drücken Menschen ihre Anteilnahme aus. © 5Vision

Seit zehn Jahren fordert die Gemeinde Kriftel im Main-Taunus-Kreis einen Bahnübergang sicherer zu machen. Nun ist dort erneut ein Mensch bei einem Unfall gestorben.

Kriftel – Der Abgeordnete des Main-Taunus-Kreistags und Krifteler Gemeindevertreter Werner Moritz-Kiefert ist am Sonntagabend (03.04.2022) am Bahnübergang Paul-Duden-Straße in Kriftel von einer S-Bahn erfasst und tödlich verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, war der sehbehinderte 74-Jährige mit seinem Assistenzhund trotz geschlossener Schranke auf den halbbeschrankten Bahnübergang getreten. Der Lokführer leitete zwar eine Notbremsung ein, konnte den Zusammenstoß aber nicht mehr verhindern. Erst Mitte März war ein zwölfjähriger Junge an demselben Bahnübergang von einer S-Bahn erfasst worden und gestorben.

Die Gemeinde Kriftel bemühe sich seit 2012, den Bahnübergang an der Paul-Duden-Straße sicherer zu machen, teilte der Erste Beigeordnete Franz Jirasek gestern mit. Damals war an der Stelle ein Radfahrer tödlich verunglückt. Bislang seien alle Bemühungen ohne Erfolg geblieben. Für die Sicherheit am Bahnübergang ist laut Jirasek die Deutsche Bahn (DB) zuständig. Die Gemeinde habe nach dem Unfall vor zehn Jahren umgehend Kontakt aufgenommen, um zu erreichen, dass anstelle der Halbschranke eine Vollschranke installiert wird oder ein akustisches Warnsystem bei heruntergelassener Schranke Passant:innen vor dem herannahenden Zug warnt, sagte Jirasek

Kriftel (Main-Taunus-Kreis): „Bahn sehe keine Veranlassung, etwas zu ändern“

„Mehrere Schreiben blieben unbeantwortet, zwei Ortstermine wurden abgesagt. Erst Monate später, im August 2012, erreichte uns ein erster Zwischenbescheid, dass die Anlage dem aktuellen Stand der Technik entspreche. Eine weitere Prüfung durch die Planungsabteilung wurde zugesagt. Im März 2013 kam dann ein offizielles Schreiben der DB-Netz mit der Information, die Bahn sehe keine Veranlassung, etwas zu ändern.“ Die Begründung: Man halte sich an die geltenden Richtlinien, habe keine Verpflichtung, den Übergang behindertengerecht auszubauen. Wer „rechtswidriges Verhalten“ an den Tag lege, habe dies selbst zu verantworten. Akustische Signale würden überdies in der Regel nicht vorgesehen, um eine Lärmbelästigung von Anwohnern zu vermeiden.

„Auch 2014 haben wir in der Angelegenheit noch einmal nachgefasst“, sagte Jirasek. Doch nichts sei geschehen. „Wir werden uns nach zwei tödlichen Unfällen innerhalb weniger Wochen nun erneut an die Bahn wenden und sie in die Verantwortung nehmen“, betonte der Krifteler Beigeordnete. (Andrea Rost)

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