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Aktion „Save the Bees“.

Kriftel

Gärtnern für die Bienen

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Umweltministerin Priska Hinz stellt den Blühkalender vor. Im Gartencenter Tropica bekommen die Kunden Tipps von Experten.

Hausgärten, die grauen Steinwüsten gleichen, mag Rosemarie Stippler überhaupt nicht. „Das sieht schrecklich aus“, findet die Kriftelerin. Der Garten an ihrem Haus sei zwar nicht groß, erzählt die 82-Jährige. „Aber ich bepflanze ihn jedes Jahr neu und sorge dafür, dass immer etwas blüht, damit die Bienen Futter haben.“ Den Einkaufswagen im Gartencenter Tropica hat Rosemarie Stippler gestern Vormittag bereits zur Hälfe gefüllt – mit farbigen Margeriten, gelbem Sonnenhut und violettem Schopflavendel. Die Auswahl ist ihr leicht gefallen. Denn an den Tischen mit Stauden und Beetblumen stehen Schilder, die darauf hinweisen, dass diese Pflanzen besonders gut geeignet sind, um Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten anzulocken.“

„Viele Kunden suchen heute gezielt nach bienen- und insektenfreundlichen Pflanzen“, weiß der Vizepräsident des Gartenbauvereins Hessen, Berthold Klumpen, der selbst einen Gartenbaubetrieb in Frankfurt hat. Gerade in den vergangenen drei Jahren habe ein Umdenken bei Gartenbesitzern stattgefunden. Auch auf Balkonen und Terrassen würden vermehrt Pflanzen in Töpfe gesetzt, die Nahrung für Bienen und Insekten böten.

Doch was blüht zu welcher Jahreszeit? Und welche Pflanzen sind besonders bienenfreundlich? Antworten auf diese Fragen gibt ein neuer Blühkalender, den Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) gestern im Gartencenter Tropica in Kriftel vorgestellt hat. Vom frühen Frühjahr bis in den Herbst hinein sind auf dem Poster Pflanzideen zu sehen, die sich besonders fürs Bienenbuffet eignen. Und es wir deutlich: Ein naturnaher Garten mit blühenden Bäumen wie Apfel, Linde oder Kastanie, mit bunten Blumenwiesen sowie Stauden-, Kräuter- und Gemüsebeeten eignet sich weitaus besser zur Bienenweide als Kieselsteine, die die Erde verdecken und kurz geschnittener englischer Rasen.

Umweltministerin Hinz präsentiert den Blühkalender

Das Krifteler Gartencenter Tropica, das auch mehr als 100 Jahre nach seiner Gründung noch ein Familienbetrieb ist und keiner Kette angehört, hat Priska Hinz bewusst für die Präsentation des Blühkalenders ausgesucht. Vorbildlich in Sachen Umweltschutz werde hier gearbeitet, lobt die Ministerin. Gartencenter-Chef Heiner May erzählt von der Initiative „Save the Bees“, während derer die Krifteler vor kurzem 36 000 Samentüten mit bienenfreundlichen Sommerblumen im ganzen Rhein-Main-Gebiet verteilt haben. Bereits im Herbst 2018 wurden mit der Stadt Kelkheim 50 000 Krokusse in den Sindlinger Wiesen gepflanzt. Zu kaufen gibt es im Krifteler Gartencenter auch Hessens Balkonblume des Jahres „Bidens Funny Honey“, deren Blüten in sattem Gelb-Orange Bienen und Schmetterlinge besonders anlocken.

„Wir brauchen dringend Nahrung und Lebensraum für Insekten, sonst sind die Lebensgrundlagen für uns alle in Gefahr“, warnt die Ministerin. Mehr als 80 Prozent der Pflanzen seien auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. „Viele Obstbäume würden andernfalls weniger oder gar keine Früchte tragen.“ Zwar gäbe es durch die gute Arbeit der Imker mittlerweile wieder mehr Honigbienen in Hessen. Die Zahl der wildlebenden Insekten sei aber rückläufig. Über die Hälfte der 550 Wildbienenarten in Deutschland sei gefährdet. 42 Prozent der Insektenarten würden als extrem selten gelten oder seien ausgestorben.

Wichtig sei dabei ein kontinuierliches Blühangebot rund ums Jahr, erläutert Tropica-Chef Heiner May. „Wenn die gelben Rapsfelder der Landwirtschaft im Frühsommer abgeblüht sind, müssen wir durch Vielfalt in den Hausgärten Ersatz schaffen.“

Wie man auch ohne spezielle Auszeichnung an der Verkaufstischen erkennt, ob eine Pflanze bienenfreundlich ist, kann Helmut Eigemann erklären, der als Gartenbaureferent im Hessischen Umweltministerium arbeitet. Es seien nicht die besonders schönen, auffälligen Blüten, die den Bienen Nahrung böten, sondern die schlichten, sagt er. Ungefüllte Geranien seien im bienenfreundlichen Garten den gefüllten Sorten vorzuziehen. Wildrosen oder einfache Bodendeckerrosen den aufwendig gezüchteten Teerosen. „Die Biene muss an die Staubgefäße kommen, damit ihr die Blüte nützlich ist“, sagt Eigemann.

Die Kampagne

Im Jahr 2017  hat das Umweltministerium die landesweite Kampagne „ Bienenfreundliches Hessen“ begonnen. Kooperationspartner sind unter anderem der Landesverband Hessischer Imker, der Hessische Bauernverband sowie der Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen.

Ziel ist , die Nahrungssituation für Honigbienen und andere bestäubende Insekten wie Hummeln, Schmetterlinge oder Schwebfliegen weiter zu verbessern.

Der Blühkalender  mit Pflanztipps für Hobbygärtner, der eigens für die Kampagne entwickelt wurde, hängt als Poster in Gartenbaubetrieben. Online zu finden ist er unter www.bienen.hessen.de.

Die Bienen-App  des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ist im App-Store und bei Google-Play erhältlich. Sie ist kostenlos.

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