1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Main-Taunus-Kreis
  4. Kriftel

Er war Fotograf aus Leidenschaft

Erstellt:

Kommentare

So kannte man ihn: Gerhard Jaeger mit seiner Kamera. knapp
So kannte man ihn: Gerhard Jaeger mit seiner Kamera. knapp © Knapp

Kriftel Chronist Gerhard Jaeger ist im Alter von 90 Jahren gestorben

Er war der freundliche Mann mit der Kamera. Einer, der gern im Hintergrund blieb, aber zuverlässig immer dabei war, wenn etwas los war in Kriftel. Er hielt aber auch analog wie digital mit seinem Kameraauge fest, wie sich sein Wohnort im Laufe der Jahre entwickelte. Als Dokumentar der Veränderung sah sich Gerhard Jaeger selbst. Einen kostbaren Schatz für die Archive hat er so in gut 65 Jahren geschaffen - und das nicht etwa beruflich. "Das ist mein Hobby", hat er immer wieder Menschen erklärt, die glaubten, er verdiene seine Brötchen mit der Kamera.

Sie war - in verschiedensten Ausführungen vom rein manuellen Fotoapparat der 1950er Jahre bis zur digitalen Kompaktkamera - sein treuer Begleiter bis ins hohe Alter. Noch beim Fest zum 50-jährigen Bestehen des Freizeitparks hat er sie zum Einsatz gebracht. Es sind wohl die letzten Dokumente, die Gerhard Jaeger von seinem Kriftel hinterlässt. Denn im Alter von 90 Jahren ist der gebürtige Ostpreuße am vergangenen Freitag verstorben.

"Es ist ein großer Verlust - durch sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Schaffen als Fotograf und Chronist, aber auch, weil Gerhard Jaeger ein ganz liebenswürdiger Mensch war, mit dem man immer gern zusammen kam", würdigte Kriftels Bürgermeister Christian Seitz gestern den Toten.

Seine Liebe zur Fotografie hatte Jaeger in Südfrankreich entdeckt. Auf einem Weingut in der Provence, wo sein Vater ursprünglich als Kriegsgefangener eingesetzt war, gab es Arbeit auch für Sohn und Onkel. Bis 1956 blieb Gerhard Jaeger dort - und gehörte zu den ersten, die nach dem Krieg deutsch-französische Freundschaftsbande knüpften. Der Onkel war zwischenzeitlich zurückgegangen nach Deutschland und hatte als Bäcker in Kriftel ein neues Auskommen. Seinem Ruf folgte dann auch Gerhard Jaeger und fand eine Anstellung in den Farbwerken. Der neue Heimatort wurde schnell zum Lieblingsmotiv, im Hofheimer Tanzlokal "Traube" fand Gerhard Jaeger zudem die Liebe fürs Leben. Mit Ehefrau Evelin, die er nun hinterlässt, war er seit 1960 verheiratet.

Auch die Krifteler Vereine verdanken Gerhard Jaeger viele gute fotografische Dokumentationen ihres Wirkens. Im Partnerschaftsverein hat Jaeger den deutsch-französischen Freundschaftsfaden weiter geknüpft, immer wieder war er bei den Begegnungen in Airaines dabei. Einen Verein hat er mitbegründet: Der Krifteler Foto- und Filmclub verliert mit Gerhard Jaeger einen Mann der ersten Stunde.

Der immer bescheidene Chronist mit dem Blick fürs Motiv und dem Auge auch für die, die eher im Hintergrund wirkten, wird vielen fehlen in Kriftel. Schon länger hatte er es mit Rücksicht auf die Gesundheit etwas ruhiger angehen lassen müssen. Seinen Heimatort hat er mit seinen Bildern beschenkt. Sie sind ein Stück bleibende Erinnerung - auch an Gerhard Jaeger selbst. babs

Auch interessant

Kommentare