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Die Linde ist tot

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Seit Jahrhunderten steht eine Linde mitten im Ort. Das aktuelle abgestorbene Exemplar wurde vor 45 Jahren gesetzt. Knapp
Seit Jahrhunderten steht eine Linde mitten im Ort. Das aktuelle abgestorbene Exemplar wurde vor 45 Jahren gesetzt. Knapp © Knapp

Klärschlamm im Hochbeet am Lindenplatz

Kriftel - Die Linde am Lindenplatz in Herzen der Obstbaugemeinde muss gefällt werden. Der Baum ist mittlerweile „tatsächlich abgestorben“, berichtete der Erste Beigeordnete Franz Jirasek jetzt im Planungsausschuss. Gepflanzt worden war die Sommerlinde vor 45 Jahren, dabei wurden allerdings aus heutiger Sicht einige Fehler gemacht, die das Absterben am Ende begünstigt haben. Das Hochbeet, in dem sie steht, haben die Gutachter als ein Problem ausgemacht. Denn der Baum hat so nicht in typischer Art nur Wurzeln in die Tiefe gebildet. Nicht gut ausgewirkt hat sich zudem die Idee, in die Pflanzgrube Klärschlamm zu geben. „Man hat gedacht, da tut man was Gutes und hat gleich eine Düngung“, so Jirasek. Doch die Folge ist heute für die Gemeinde, dass die Pflanzgrube sehr großräumig ausgeräumt werden muss. „Das wird eine kostenintensive Sache“, kündigte der Erste Beigeordnete daher schon einmal an. Da das Loch dann mit frischem, unbelastetem Erdreich verfüllt werden soll, ist es nach Meinung der Fachleute kein Problem, an selber Stelle wieder eine Linde zu pflanzen. Allerdings soll es diesmal keine Sommerlinde mehr sein, da diese Art dem Klimawandel zu wenig entgegensetzen kann. Die Tendenz bei Bäumen fürs Stadtklima geht da schon seit längerem zur Winterlinde. Auch eine Kaiserlinde sei denkbar, so Jirasek. Hierbei handelt es sich um eine Unterart der Holländischen Linde und nicht etwa um die nur „Kaiserlinden“ genannten Bäume, die einst im Kaiserreich zu entsprechenden Gedenktagen gern gesetzt wurden. Einen „stattlichen“ Baum versprach der Erste Beigeordnete, „fünf bis sieben Meter“ solle er schon groß sein.

Die Lindenplatz-Linde ist übrigens nicht der einzige der 3176 Krifteler Bäume, der infolge der Trockensommer so geschädigt worden ist, dass nur die Motorsäge bleibt. Im Winter 2021 hatte die Baumkontrolle ergeben, dass 37 Ahornbäume aufgrund der auch für den Menschen gefährlichen Rußrindenkrankheit zu fällen waren. Andere Bäume stehen wegen Pilzerkrankungen unter Beobachtung.

Die Grünen wünschten sich von der Gemeinde eine Statistik über die Entwicklung des Baumbestands in Kriftel, die Jirasek zusagte. CDU-Vertreterin Marie Weydmann-Kühn machte deutlich, Nachpflanzungen wären nicht nur im Fall der Linde zu begrüßen. babs

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